Bild: Real
Effiziente Branchenlösung

Um seine Fertigung auf die veränderten Marktanforderungen einzustellen, investiert der Baudienstleister Real derzeit umfassend in Betriebsmittel. Zum Umbau der Software-Architektur gehört auch ein neues CAD-System.

MICHAEL HOBOHM

Die Entwicklungen im Software-Bereich haben heute nicht selten größere Auswirkungen auf die Effizienz einer Fertigung als die sprichwörtlich evolutionären Schritte bei der Hardware.

 

So stellt insbesondere die Implementierung einer durchgängigen Software-Architektur gravierende Produktivitätssprünge in Aussicht. Real Innenausbau in Külsheim hat sich auf diesen Weg begeben und nimmt die Hardware gleich mit. Denn zum einen steckt man mittendrin in der Neukonzeption des Maschinenparks, zum anderen baut man angefangen beim CAD- über das CAM- bis hin zum ERP-System eine leistungsfähige Software- Architektur auf. Ein wichtiger Baustein ist dabei Solidworks und Swood, die Branchenlösung für Inneneinrichtung und Möbelfertigung von DPS Software.

 

Von der Standortanalyse bis zum Nutzungskonzept


Real ist ein Baudienstleistungsunternehmen, das Innenausbauarbeiten, Ladenbau, Bauleistungen und zahlreiche Fachdienstleistungen anbietet und dabei über langjährige Erfahrungen und weitreichende Branchenkenntnisse verfügt. Weltweit als Berater, Planer, Möbellieferant und Generalunternehmer agierend, stellt das Unternehmen seinen Kunden das komplette Leistungspaket von der Standortanalyse bis hin zum Nutzungskonzept zur Verfügung. Dafür arbeitet Real mit einer Reihe von Nachunternehmern zusammen, deren Gewerkeleistungen später im Haus übereinandergelegt werden. Neben einer Kreativplanung für den Möbelentwurf und das Möbeldesign sowie einer Konstruktionsabteilung gibt es hierfür in Külsheim auch eine eigene Gewerkeplanung.


Real beschäftigt rund 300 Mitarbeiter, von denen 250 in Külsheim arbeiten. Während sich hier auch der Produktionsstandort befindet, gibt es für die Projektbearbeitung und den Vertrieb sechs weitere Niederlassungen in Deutschland und ein Tochterunternehmen in Luxemburg. Zur Kundschaft des Unternehmens gehören Banken und Hotels ebenso wie Fitnessstudios, Textil- und Schuhfachgeschäfte, Schnellimbiss-Restaurants oder Parfümerien. Dabei ist das Unternehmen gleichermaßen im Premiumsektor wie im eher einfachen Innenausbau tätig. In der Fertigung praktiziert Real alle gängigen Technologien zur Metall- und Holzbearbeitung, ausgenommen das Lasern und Pulverbeschichten. Eine liegende Plattenaufteilsäge, eine Kantenanleimmaschine, zwei Bearbeitungszentren, eine Vakuumpresse für Formteile, eine Breitbandschleifmaschine und diverse Kleinmaschinen sind die technische Ausrüstung dafür – ergänzt um eine Presse für das Aufbringen von Schichtstoffen sowie einen Lackierautomaten und einen Spritzstand. Gleichzeitig ist man in Külsheim auch in der Lage, Materialien wie Stahl, Edelstahl bis hin zu Kupfer und Messing zu bearbeiten. Neben der hohen Fertigungstiefe wird die Produktion von einem zunehmenden Seriencharakter der Aufträge geprägt. Die individuelle Fertigung von Komponenten wird freilich in Zukunft weiter eine wichtige Rolle spielen, da sich Verkaufsräume nie ausschließlich mit seriellen Teilen bestücken lassen. Im Einklang mit der vermehrten Serienfertigung ist daher die flexible, kurzfristige Bereitstellung von Teilen ein Muss für die Külsheimer Fertigung. Letztlich realisiert Real so eine Mischung aus auftragsbezogener Fertigung und Produktion auf Lager.

 

Entscheidung für die Branchenlösung


Anders als in der Entwurfs- und Gewerkeplanung arbeitet Real heute in der Konstruktion mit der CAD-Lösung Solidworks und Swood. „Ursprünglich hatten wir nach einem System gesucht, das sich in allen Bereichen einsetzen lässt“, berichtet Michael Bick, Head of Engineering Design bei Real Innenausbau. „Das stellte sich aber als nicht sinnvoll heraus, weil die Anforderungen zu unterschiedlich sind.“ In der Konstruktion verwendete man noch bis vor kurzem das 2D-System CAD4U. Bei der Umstellung auf 3D entschied man sich dann nach einer gründlichen Sondierungsphase für Solidworks. Wichtig für diese Entscheidung war, dass das System in vielen Branchen beheimatet ist. „Die damit einhergehende große Materialbibliothek war ein Hauptgrund für unser Interesse, weil unsere Kunden mit unterschiedlichsten Materialien auf uns zukommen“, so Bick. Zugleich lag die Kombination mit Swood auf der Hand, da diese Software branchenspezifische Funktionen und Bibliotheken für die Holz bearbeitende Industrie bietet. „Wenn wir eine konkrete Spanplatte verwenden, brauchen wir auch das Gewicht und die konkrete Kantenbandbelegung“, geht Bick auf diesen Aspekt ein. „Zugleich muss das System eine leichte Änderung der Materialien und Konstruktionsdetails erlauben und das Mitgehen aller Möbelparameter bei Änderungen gestatten.“ Weil Real für bestimmte Möbel das GS-Zertifikat hat, spielt zudem eine wichtige Rolle, dass mit Solidworks verschiedene Sicherheits- und Funktionalitätsprüfungen vorgenommen werden können. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren aber auch das Blech-Modul des CAD-Systems, das in der Formteilefertigung von Real Anwendung findet, sowie die Möglichkeit, mit Schweißkonstruktionen arbeiten zu können. „Vor allem aber wollten wir für künftige Anwendungen gerüstet sein, die ganz neue Anforderungen hinsichtlich Material und Bearbeitungsmethode an uns stellen werden“, so Bick. „Hier garantiert uns die Kombination von Solidworks und Swood die schnelle Bearbeitung und den direkten Zuschnitt auf den Holzbereich.“

 

CAM- und ERP-Anbindung steht noch aus


Die Neukonzeption des Maschinenparks ist ein Prozess, der Real derzeit intensiv beschäftigt. Im Zuge der Investitionen soll zudem eine automatisierte Schnittstelle zu einem CAM-System erstellt werden, die bisher nicht notwendig war. „Welches CAM-System künftig zum Einsatz kommt, werden wir in Kürze entscheiden“, sagt Hartmut Lorenz, CIO und Executive Production Manager bei Real Innenausbau. „Ein heißer Favorit ist das CAM-Modul von Swood, mit dem wir eine integrierte Lösung für eine geschlossene Prozesskette erhalten würden.“ Analog zum CAM-System konnten bislang auch in das ERP-System Borm keine Daten aus dem alten CAD-Programm übernommen werden. Mit DPS Software arbeitet man daher im Augenblick daran, dass sich die gewünschten Daten problemlos per Schnittstelle bidirektional austauschen lassen. „Von der Durchgängigkeit erhoffen wir uns einen Informationsfluss, der in deutliche Qualitätsvorteile und Zeiteinsparungen mündet“, betont Bick. „Speziell für die CAM-Schnittstelle ist uns wichtig, dass wir das, was wir als 3D-Modell aufbauen, direkt an die Maschine übergeben können. Indem wir in 3D konstruieren, füttern wir die Zeichnung ja bereits mit umfangreichen Informationen wie Stücklisten und Abmessungen. Der Kollege, der Zeichnungen im Augenblick noch manuell übernimmt, wird dann eine Stückliste mit allen Bauteilen und Beschlägen bekommen, die er automatisch übernehmen kann.“ Die Folge werden frühe Dispositionen und eine schnelle Reaktion auf Veränderungen sein, ohne dass der Maschinenbediener viel programmieren muss. Auch die 5-Achs-Maschinen sollen künftig per CAM-System gesteuert werden, etwa bei der Herstellung von Formteilen. „Nachdem wir bisher 3-achsig gearbeitet haben, wird uns das künftig ganz neue Bearbeitungsmöglichkeiten eröffnen“, prognostiziert Lorenz. „Nicht zuletzt wollen wir Daten in die andere Richtung übergeben und in Solidworks zum Beispiel auf Materialien oder Beschläge aus dem ERP-System zurückgreifen. Damit zielen wir auf eine einheitliche Datenhaltung bei exakter Kenntnis unserer Artikel. Gleichzeitig wollen wir die Bestellvorgänge für den Einkäufer einfacher und transparenter machen.“

 

Effiziente Funktionen für die Holzbranche


Von Solidworks verspricht sich Real vereinfachte Entwicklungsprozesse, eine erhöhte Flexibilität und schnellere Reaktionszeiten für die Kunden. Ausgesprochen positive Erfahrungen hat man schon jetzt mit technischen Dokumentationen wie Explosionszeichnungen oder Montageanleitungen gemacht, die sich schnell aus den Konstruktionsdaten erstellen lassen. „Mit Solidworks und Swood haben wir dafür ein Tool, mit dem sich die Qualität der aktuellen Darstellungen revolutionieren lässt. Sei es, dass wir in einem frühen Stadium unsere Konstruktionen optimieren können, oder sei es, dass wir so unsere Kunden anschaulich ansprechen“, sagt Lorenz. „Während wir früher mit vielen Zeichnungen auf die Baustelle mussten, sind die Darstellungen auf einem Tablet heute viel aussagekräftiger. Dabei können wir nicht nur vor Ort mit dem Kunden kommunizieren und Daten in das System einpflegen, der Kunde kann sich auch das Möbel zu einem frühen Zeitpunkt ansehen und Änderungen veranlassen. So verbessert sich die interne wie die externe Kommunikation.“ Weiter lassen sich mit Solidworks und dem koppelbaren PDM-System Enterprise die Datenverwaltung vereinfachen, der Zugriff auf Zeichnungs-Revisionsstände beschleunigen und sogar Workflows generieren zur Zeichnungsfreigabe.


Außer der technischen Dokumentation gibt es in Solidworks viele Details, die heute die Arbeit für Real deutlich erleichtern. „Dazu gehören Einzelteilzeichnungen, die wir aus der Gesamtzeichnung herausziehen können, oder Vermaßungen an Fertigungszeichnungen, die mit dem 3D-Datensatz übermittelt werden“, so Bick. Zugleich hat das System nicht nur intuitive Features, mit denen es bei einem Zeichnungsbefehl schon die nächsten logischen Befehle vorschlägt, es lernt auch vom User und schlägt nach einer gewissen Anzahl von Aktionen diese Aktion beim nächsten Mal vor. „Als besondere Funktion für die Möbelkonstruktion verfügt Swood über eine Grundbibliothek, aus der sich ein benötigter Korpus selektieren und leicht individuell anpassen lassen kann“, ergänzt Konrad Nixdorf, Account Manager bei DPS Software. „Außerdem hilft intelligente Verbindungstechnik dabei, den Korpus mit Nut/Feder, Dübel oder frei definierbaren Verbindern zu konstruieren. Dabei kann der Anwender in Swoodbox eine seinen Bedürfnissen angepasste Bibliothek anlegen, die neben Beschlägen zum Beispiel auch Verbindungsmittel oder Zeichnungsgrundelemente enthält. Und auch Kanten lassen sich einfach per Drag & Drop setzen.“


Inzwischen hat sich die Branchenlösung Solidworks und Swood in Külsheim bereits bewährt. Das zeigt die Fertigung einer FCK-Loge eindrücklich. „Anders als in 2D konnten wir mit Solidworks in der Fertigung auf alle tatsächlichen Maße und Geometrien zugreifen“, berichtet Bick. „Dabei wurden die Knackpunkte der Konstruktion schnell offensichtlich und Kollisionspunkte oder Probleme für die Fertigung ließen sich zu einem frühen Zeitpunkt erkennen und ausschalten.“ „Dass wir uns für Solidworks entschieden haben, ist dem Gesamtpaket Solidworks und Swood mit seinen Vorteilen und ständigen Verbesserungen zuzuschreiben“, resümiert Lorenz. „Dabei stufen wir Swood als strategisches Produkt ein, mit dem sich unsere Produkte effizient konstruieren und auch modifizieren lassen.“

www.dps-software.de

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