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HOB im Gespräch mit ...

Die HOB führte ein Fachgespräch mit Thomas Oertli, Leiter Produkte bei Oertli Werkzeuge AG, zum Thema „HPC“. 

 

HPC – ein neuer Begriff für Fensterwerkzeuge 

 

Seit über 90 Jahren ist das in Höri ansässige Schweizer Unternehmen Oertli ein bedeutender Werkzeug-Partner im In- und Ausland. Das Unternehmen konzentriert sich bewusst auf die Herstellung von Werkzeugen zur Massivholzbearbeitung mit den Geschäftsfeldern Fenster- und Türenindustrie und Innenausbau mit CNC-Anlagen. Mit rund 300 hochqualifizierten Mitarbeitern werden Werkzeuge der Spitzenklasse produziert – vom einfachen Profilfräser über hochpräzise Hobelwerkzeuge und Hobelmesserköpfe bis hin zu komplexen Systemwerkzeugen. Eine herausragende Stärke von Oertli sind zudem kunden- und maschinenspezifische Sonderwerkzeuge, die auch den höchsten Ansprüchen bezüglich Leistung und Qualität gerecht werden.

 

Vor einiger Zeit hat Oertli den Begriff „HPC“ bei Fensterwerkzeugen eingeführt. Was verstehen Sie darunter?


Thomas Oertli: „HPC“ bedeutet „High Performance Cutting“, also Hochleistungs- Bearbeitung. Mit den neuen CNC-Bearbeitungszentren für die Fensterfertigung sind die Anforderungen an die Werkzeuge drastisch gestiegen und daraus ist eine neue Werkzeug-Generation entstanden.

 

Was ist unter der höheren Anforderung an Werkzeuge zu verstehen?


Auf den BAZ werden vorzugsweise kleinere Werkzeugdurchmesser eingesetzt. Die Gründe dafür sind das tiefere Gewicht, aber auch der kleinere Platzbedarf sowohl in der Bearbeitungszelle als auch auf dem Werkzeugwechsler. Um die gleiche Leistung und Schnittgeschwindigkeit der Werkzeuge wie bei früheren Maschinenanlagen zu erhalten, muss die Drehzahl der Werkzeuge erhöht werden. Wir bewegen uns bei den BAZ heute in einem Bereich von 9000 bis 15000 min-1 für Werkzeuge mit Durchmessern bis 180 mm und mehr. Dies ist eine große Herausforderung.

 

Geht es um das Laufverhalten der Werkzeuge bei diesen großen Drehzahlen?


Das ist genau der zentrale Punkt. Die kleinste Unwucht im Werkzeug kann zu Vibrationen führen. Dies führt zu Wellenschlägen im Holz und ruiniert die Maschinenspindel. Bereits das Passungsspiel zwischen der Werkzeugbohrung und der HSK-Spindel kann zu solchen Vibrationen führen. Dabei verändert sich der am Anfang perfekte Wuchtzustand im Laufe des Werkzeugeinsatzes, weil sich die Werkzeuge infolge des Passungsspiels leicht verschieben können.

 

Was ist die Antwort des Werkzeugbauers auf diese Herausforderung?


Die Werkzeuge müssen von Anfang an spielfrei gespannt werden. Mittels Schrumpfen, Kleben oder anderen Methoden wird das Spiel nachhaltig aufgehoben. Die Werkzeuge müssen aber auch in sich selbst hochpräzise gefertigt werden und das Auswuchten ist von zentraler Bedeutung. Bei Oertli werden schwere Werkzeuge deutlich genauer ausgewuchtet, als es die Norm mit G 2,5 g/mm verlangt. Ist damit das HPC-Merkmal, also das Hochleistungsfräsen, abgedeckt? Nein, bei weitem nicht. Dank verschiedenen anderen konstruktiven Maßnahmen sind wir in der Lage, mit den Werkzeugen noch einen Schritt weiter zu gehen, als es die Maschinen heute zulassen. Die Hybrid-Technik zum Beispiel ermöglicht Vorschübe bis zu 20 m/min. Dabei werden über den gleichen Profilbereich verschiedene Messer zum Vor- und Fertigschnitt eingesetzt. Ein nicht zu unterschätzendes Nebenresultat ist die Verhinderung der Splitterbildung am Holz, die sonst zu Verstopfungen in der Absaugung führt. Im Weiteren wird mit Werkzeugen experimentiert, die das Einrollen bei der stirnseitigen Bearbeitung überflüssig machen, natürlich ohne Ausrisse am Holz. Die Beschichtung der Schneiden mit Nano-Oberflächen führt schließlich zu einer markant verbesserten Standzeit und einer konstanten Schnittqualität im obersten Leistungsbereich.

 

Sind in nächster Zukunft weitere Verbesserungen bei den Werkzeugen zu erwarten?


Die Maschinenbauer arbeiten daran, die Leistung ihrer Fensteranlagen zu erhöhen. Das bedeutet nochmals höhere Spindel- Drehzahlen und höhere Vorschübe. Damit kommen die heutigen Messer-Spannsysteme bei den Werkzeugen an den Anschlag und ihr Wuchtzustand muss nochmals verbessert werden. Daneben stehen die Schneiden- Materialien und Schneiden-Beschichtungen weiterhin im Fokus der Werkzeugbauer.


Herr Oertli, vielen Dank für dieses Gespräch. 

www.oertli.ch

 

Diesen Beitrag und weitere interessante Beiträge finden Sie in HOB 6.2014:

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