HOB im Gespräch mit ...

Georg Weber,

Geschäftsführer der
Hans Weber Maschinenfabrik GmbH

 

 

Holzbranche fordert hohe Flexibilität

Die Hans Weber Maschinenfabrik GmbH mit Sitz im oberfränkischen Kronach verfügt über rund 100 Jahre Erfahrung im automatisierten Schleifen von Holz. Im Interview zeigt Geschäftsführer Georg Weber auf, welch hohe Anforderungen der Holz-Sektor an die Maschinen und deren Flexibilität stellt. 

 

Herr Weber, was zeichnet Ihre Maschinen aus und für welche Anwendungen kommen sie zum Einsatz?


Anwender nutzen unsere Anlagen für sämtliche Werkstoffe und Werkstücke, die sich mit Schleifmitteln auf flexibler Unterlage bearbeiten lassen. In der Regel sind das Holzbauteile in verschiedenen Formen und Abmessungen. Diese müssen nicht komplett eben sein. Sie können auch zum Beispiel profiliert oder ausgefräst sein. Dann setzen wir in unseren Anlagen neben klassischen Schleifbändern weitere Schleifverfahren ein.

 

Wie haben sich die Schleifverfahren im Lauf der Jahre entwickelt?


In der Holzbearbeitung blicken wir auf rund 100 Jahre Erfahrung zurück. Die gesamte technische Entwicklung des Breitband- und Oberflächenschleifens haben wir verfolgt und mitgestaltet. In den vergangenen 30 Jahren erfuhren diese Verfahren mehrere Entwicklungsstufen. Die Industrie setzte bereits seit den 1950er Jahren auf mechanisiertes Schleifen. Bei kleineren Firmen und Handwerksbetrieben kamen Schleifautomaten erst ab Mitte der 1970er Jahre zum Einsatz, weil sie sich höherwertige Schleiftechniken meist nicht leisten konnten. Wir haben darauf reagiert und zu Beginn der 1980er Jahre Standardmaschinen entwickelt. Mit einer einfachen Technik ausgestattet, konnten Anwender damit Werkstücke sicher bearbeiten und Toleranzen zuverlässig einhalten.


In den 1990er Jahren haben sich auf dem Markt dann Breitbandschleifmaschinen mit elektronisch gesteuerten Gliederdruckbalken durchgesetzt. Allerdings entsprach die Ausführung und Qualität vieler Produkte im Gegensatz zur Weber Lösung nicht dem üblichen Industriestandard. Viele Nutzer hatten zwar eine Verbesserung erreicht, aber immer noch deutliche und häufige Probleme mit dem Schleifergebnis.


Mitte der 1990er Jahre setzten auch die Handwerksbetriebe bei der Oberflächenbearbeitung nicht mehr nur auf Breitbänder, sondern arbeiteten vermehrt mit dem Kreuzschleifverfahren. Dabei kommen zwei Bänder mit elektronischen Gliederdruckbalken zum Einsatz, von denen das erste Band quer zur Faser arbeitet. Damit wird die Oberfläche angeschliffen und die Fasern gekürzt. Das zweite Band trägt in Faserrichtung die dann raue Schicht ab. Erreichen lassen sich so möglichst kurzfaserige Flächen. Müssen die Oberflächen anschließend mit Öl oder Lack behandelt werden, ist nur wenig Nachbearbeitung notwendig.

 

Und wie sieht die Situation mit Blick auf den Holz-Sektor aktuell aus?


Mittlerweile haben die meisten Betriebe Schleifautomaten im Einsatz. Beim Austausch handelt es sich somit meist um Ersatz- oder Erweiterungsinvestitionen. Viele Firmen wollen aber auch hochwertigere oder komplexere Schleifaufgaben im eigenen Haus lösen können. Mit unseren Anlagen ermöglichen wir unseren Kunden, flexibler auf künftige Anforderungen reagieren zu können, weil wir möglichst viele verschiedene Oberflächenbearbeitungsverfahren in unsere Anlage integrieren. Keiner weiß, welche Trends die zukünftigen Anforderungen bestimmen werden. Was heute gefordert wird, kann morgen ein alter Hut sein. Seit einigen Jahren bestimmen zwei Richtungen den Markt: das Hochglanzschleifen von Polyesterlacken und ein starkes Strukturieren von Massivholzteilen, -böden und -dielen. Bekannt ist das unter den Bezeichnungen Antikschliff oder Antikholz.


Die Industrie fordert immer größere Maschinen mit höheren Vorschubgeschwindigkeiten und zusätzlichen Bearbeitungsmöglichkeiten. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Innovationen entwickelt, die neben dem Schleifen vor allem die Qualität der zu bearbeitenden Oberflächen eindeutig verbessert haben.

 

Welches sind die Kernanforderungen, die Kunden heute an Ihr Unternehmen stellen?


Die Kunden wollen eine Technik, die möglichst einfach zu bedienen ist. Der Mensch an der Maschine soll sie schnell verstehen können. Außerdem soll sie zuverlässig sein und konstante, definierbare Ergebnisse liefern. Wenn Kunden zwischen mehreren Anbietern auswählen müssen, sollten sie nicht allein auf die Investitionskosten achten. Denn was vielleicht zunächst als Preisvorteil erscheint, verursacht dem Anwender aufgrund unpräziser Ergebnisse über die Laufzeit von zehn bis 15 Jahren häufig beachtliche Mehrkosten. Unsere Kunden erwarten von uns, dass wir flexibel reagieren können, ihnen eine ausreichende Fertigungstiefe bieten und einen Ansprechpartner nennen können. Unsere Kunden schätzen, dass sie bei Weber ein Ansprechpartner vom Vorversuch über die Installation bis zur Abnahme der Maschine betreut.

 

In welchen Märkten ist Weber hauptsächlich aktiv, welche Rolle spielt der deutsche Markt und wie sieht es im Ausland aus?


Die Betreuung der verschiedenen Märkte hat sich bei uns historisch entwickelt. Vor 35 Jahren sind wir mit unseren Schleifmaschinen unter dem Namen Weber in die Holzindustrie eingestiegen, nachdem der Vertrieb davor fast 70 Jahre in den Händen der Firma Carstens gelegen hat. Alle möglichen Vertriebswege waren damals bereits mit Händlern, Industrievertretungen und Einkaufsverbänden vom Wettbewerb besetzt. Auf den ersten Messen in Hannover stellten Ende der 1970er Jahre 46 Hersteller ihre Breitbandschleifmaschinen aus. Das ist inzwischen deutlich weniger geworden. Denn nicht alle Anbieter konnten den technischen Stand und die Anforderungen der Märkte über die Jahre erfüllen. Die schnelle Entwicklung von Märkten sehen wir beispielhaft in Polen. Kurz vor und während der Wende haben polnische Betriebe häufig mit gebrauchten Maschinen aus Deutschland gearbeitet. Dann überschwemmten italienische Maschinen dort den Markt. Heute sieht es so aus, dass aufgrund der gestiegenen technischen Anforderungen an Qualität und Schleifergebnis überwiegend wieder deutsche Maschinen im Einsatz sind. Denn diese definieren den neuesten technischen Stand.


Entscheidend ist, ob sich vor Ort ein Vertriebspartner befindet, der unsere Produkte optimal vertreibt. Mit unseren Entwicklungen sehen wir Europa als unseren Hauptmarkt an, gefolgt von Kanada und den USA. Interessanterweise haben sich für uns in Mexiko weitere Möglichkeiten aufgetan, weil sich dort sehr viele europäische und US-amerikanische Zulieferer angesiedelt haben. Unsere Anlagen werden dort installiert und von uns abgenommen.

 

Was sind Ihre Hauptkunden? Kommen diese ausschließlich aus der Industrie?


Unsere Anlagen haben vorwiegend Betriebe aus dem Handwerk und der mittelständischen Industrie im Einsatz. Es gibt auch Möbelfabriken mit 1 000 Mitarbeitern mit nur einer einzigen Schleifmaschine. Die Betriebsgröße und die Zahl der Mitarbeiter stehen somit also in keiner Relation zur Anzahl der Schleifmaschinen. Ausschlaggebend sind die Art der Fertigung und die zu verarbeitenden Materialien. Ich führe ein Beispiel aus der Möbelindustrie an: Küchen können mit vielen Naturmaterialien versehen sein, mit Hochglanz- oder beschichteten Platten. Bei den beschichteten Platten müssen Hersteller in der Regel nichts mehr schleifen.

 

Insgesamt sind Sie am Markt aber recht breit aufgestellt. Damit hängen Sie quasi nicht am Tropf eines einzelnen Segmentes?


Unsere Hauptfelder sind Holz und Metall. Unsere Anlagen sind aber auch seit vielen Jahren beispielsweise für Kunststoff-, Gips- und Zementplatten sowie Isoliermaterialien im Einsatz. Allein in Korea laufen fast 30 Linien für Mineralstoffplatten. Wir erschließen aber auch ständig neue Bereiche.

 

Blick in die Zukunft: Ist der Familienbetrieb heute noch ein aktuelles Modell?


Ein Familienunternehmen hat aus meiner Sicht einen ganz klaren Vorteil: Es besteht nicht nur aus der Eigentümer-Familie, sondern auch aus der Belegschaft. Viele Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten bei uns tätig – wir weisen eine extrem geringe Fluktuation im Personalbereich auf. Damit kennen wir unsere Leute auch persönlich sehr gut. Gemeinsam sind wir durch Höhen und Tiefen gegangen und konnten so ein freundschaftliches und familiäres Verhältnis aufbauen. Das ist aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Aspekt. Wir sind für unsere Mitarbeiter da, auch bei persönlichen Problemen unterstützen wir sie. Davon profitierten wir natürlich auch. Die Mitarbeiter engagieren sich für das Unternehmen über das normale Maß hinaus.

www.hansweber.de

15_3_OBER_IV_h_weber_SEI.jpg 

 

Diesen Beitrag und weitere interessante Beiträge finden Sie in HOB 3.2015:

15_3_TITEL_188.jpg

Gerne können Sie HOB 3.2015 bestellen:

E-Mail:  cedra@agt-verlag.de      
oder:      Kontaktformular

AGT Verlag Thum GmbH
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56

spacer

HOB im Gespräch

Online Werbung @ HOB