Foto: Pieter van den Berg
HOB im Gespräch mit ...

 

 

Flexibel Kanten anleimen

Nordson gilt als weltweit führender Hersteller von Auftragssystemen für Klebstoffe, Dichtmittel und Pulver/Nasslackbeschichtungen in der industriellen Anwendung.

 

Im Gespräch mit der HOB berichten:

Jörg Klein, Sales Manager für den Bereich industrielle Anwendungen, und

Marcel Dyrba, Market Development Manager Wood & Construction Europe, über eine Neuentwicklung des Hauses.
Erfahrungen, die er damit im Praxiseinsatz gemacht hat, schildert

Pieter van den Berg von Beveka (Bild links). 

 

 

 

Herr Dyrba, Nordson hat einen neuen Auftragskopf zur Kantenanleimung entwickelt. Was war der Anlass für diese Entwicklung?


Dyrba: Das Unternehmen Nordson hat zusammen mit seinen Partnern schon vor geraumer Zeit erkannt, dass die moderne Kantenanleimung neue Anforderungen an die Klebstoffapplikation stellt. Bei der Entwicklung der neuen Technologie haben wir das berücksichtigt. Zugleich sind grundlegende Aspekte wie Produktqualität und -kosten, Bedienung und Wartung, die für unsere Kunden von außerordentlicher Bedeutung sind, in die Neuentwicklung eingeflossen.


Klein: Mit dem Nordson EB60Flex Applikator ist ein Auftragskopf für das Kantenanleimen entstanden, der das präzise Auftragen verschiedener Klebstoffe wie etwa PUR-Klebstoff auf die Kanten unterschiedlichster Plattenmaterialien oder Kantenbänder ermöglicht. Dabei kann der Kopf sowohl in der Serienproduktion als auch der kommissionsbezogenen Einzelfertigung eingesetzt werden.

 

Bei allem Respekt: Eine solche Technologie gibt es schon lange. Was ist neu an dem Produkt?


Klein: Die Anforderungen in der Möbelindustrie haben sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. So ist zum Beispiel der Qualitätsanspruch der Verbraucher erheblich gestiegen. Der Verbraucher möchte keine Kantenfuge mehr sehen, zugleich sollen Möbelstücke zum Beispiel in der Küche hitze- und dampfbeständig sein. Erhöhte Anforderungen treten aber auch in der Produktion der Bauteile auf, wo die modernen Fertigungsmaschinen automatisiert laufen. So wird zum Beispiel ein Format- oder Breitenwechsel heute nicht mehr von einem Maschinenbediener, sondern von intelligenten Maschinenkonzepten ausgeführt. Hier kommt unser Nordson EB60Flex Applikator zum Zuge.


Dyrba: Bezüglich der Materialdicke waren Klebstoffauftragsköpfe zur Kantenanleimung bisher nur manuell verstellbar, weil das Problem der Klebstoffkompensation technisch nicht gelöst war. Dagegen ist unser EB60Flex Applikator in der Lage, das Volumen unabhängig von der Auftragsbreite automatisch zu kompensieren. Das von Nordson entwickelte Volumenkompensationsprinzip verhindert das Austreten von Klebstoff aus dem Applikator beziehungsweise das Eindringen von Luft in den Applikator während einer Auftragsbreitenverstellung. Damit stellt es sicher, dass der Auftragskopf nach jedem Verstellzyklus reproduzierbare Auftragsqualitäten liefert. Dieses von Nordson patentierte Feature ermöglicht es unseren Kunden, in der Spitze kommissionsbezogen zu fertigen, was in bestimmten Marktsegmenten ein absolutes Muss ist. Gleichzeitig haben wir bei der Entwicklung des neuen EB60Flex darauf Wert gelegt, dass die im Markt benötigten Klebstoffe in einer möglichst geringen Schichtstärke appliziert werden können. Neben der Kosteneinsparung trägt er damit auch zur optischen Verbesserung des Endproduktes bei. Stichwort: optische Nullfuge.

 

Neuentwicklungen werden vor der Markteinführung stets umfangreich getestet. Wie sehen solche Prüfungen bei Nordson aus?


Klein: Als führender Hersteller von Auftragssystemen für Kleb- und Dichtstoffe setzen wir nach der erfolgreichen Abarbeitung interner Freigaberichtlinien auf die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden, wo die neuen Produkte im Produktionsprozess validiert werden. Damit stellen wir sicher, dass Neuentwicklungen unsere hohen Qualitäts- und Produktstandards einhalten, bevor sie auf den Markt kommen. So wurde der EB60Flex Applikator zum Beispiel in der Produktion von Beveka im Detail validiert. Dieses belgische Familienunternehmen ist seit 67 Jahren auf den Handel mit Holz und Holzwerkstoffen und seit 42 Jahren auf den kundespezifischen Zuschnitt von Plattenmaterialien spezialisiert. Inzwischen gehört zum Leistungsportfolio auch die Endbearbeitung wie Bohren, Fräsen, Oberflächen- und Kantenverleimung.


Dyrba: Bei der Produktentwicklung berücksichtigt Nordson nicht nur heutige Produktstandards, sondern auch künftige Produktanforderungen. Dies gilt auch für die Validierung des EB60Flex Applikators vor Verkaufsfreigabe. Nach zahlreichen Tests im Hause Nordson, bei denen der Auftragskopf mit einer Vielzahl marktüblicher Kantenklebstoffe auf Funktionalität, Dichtigkeit, Temperaturgenauigkeit, Bedienung oder auch Wartung getestet wurde, haben wir die internen Ergebnisse dann im Produktionsumfeld auf Herz und Nieren geprüft. Dabei war es für Nordson ein konsequenter Schritt, die Validierung bei Beveka durchzuführen, weil dieser Anwender ein gewisses Anforderungsspektrum an die Kantenanleimung stellt. Darüber hinaus haben wir weitere Kunden für die Validierung des EB60Flex gewonnen, wobei jeder einzelne einen unterschiedlichen Aspekt der Kantenanleimung reflektiert. Dank Beveka konnten wir über viele Monate eine Vielzahl an Produktionsdaten sammeln und auswerten.

 

Herr van den Berg, warum hatte Beveka Interesse, an der Validierung des neuen Auftragskopfes mitzuwirken?


Van den Berg: Beveka interessiert sich schon lange für die Schlitzdüsen-Technologie von Nordson. Allerdings war das bisherige System nicht flexibel genug. Formatwechsel waren umständlich, weil manuell verstellt werden musste. Das neue System dagegen ist deutlich einfacher zu bedienen. Also haben wir die Möglichkeit genutzt, diese Innovation als eines der ersten Unternehmen einzusetzen. Das Risiko bei der Integration in unsere Produktion haben wir als gering eingeschätzt, da wir schon einige Jahre erfolgreich mit der Firma Nordson zusammenarbeiten.

 

Welche Erfahrungen haben Sie dann schließlich bei der Integration gemacht?


Van den Berg: Das System ließ sich leicht in eine vorhandene Maschine einbinden. Nach dem Ausbau eines Walzenauftragswerks musste nur eine neue Halterung gefertigt werden. Im Anschluss an eine gemeinsam durchgeführte Abnahme und ein Training unserer Maschinenbediener durch Nordson haben wir den störungsfreien Produktionsbetrieb gestartet, der bis heute gewährleistet ist.

 

Welche Vorteile bietet der Nordson EB60Flex der Firma Beveka?


Van den Berg: Die Vorteile sind eine bessere Qualität des Endprodukts, wodurch wir bereits neue Kunden mit hohen Qualitätsansprüchen gewinnen konnten. Das hat uns gefreut, da wir so unsere Marktstellung festigen konnten. Weitere Vorteile sind für uns die Klebstoffeinsparung von bis zu 40 Prozent, verglichen mit dem vorher eingesetzten konventionellen System. Außerdem haben wir geringere Overhead-Kosten, weil das neue System weniger gereinigt werden muss. Schließlich können wir auch flexibler und schneller auf Kundenwünsche reagieren. Unsere Erfahrungen sind so gut, dass wir in Kürze eine zweite Produktionslinie auf das neue Nordson-System umrüsten werden.

 

Herr Klein, welches Marktpotenzial sieht Nordson für den EB60Flex?


Klein: Der Bereich der Kantenanleimung hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert und wird dies auch in Zukunft tun. Alle heutigen Lösungen für Kantenapplikation wie Laser, Walze und EB60Flex haben ihre Berechtigung im Markt, abhängig von den jeweiligen Produktionsanforderungen. Mit der Entwicklung des EB60Flex ist Nordson ein großer Schritt gelungen, die stetig wachsenden Markt- und funktionellen Qualitätsanforderungen unserer Kunden zu erfüllen. Mit dem neuen, patentierten Klebstoffkompensationsverfahren konnte eine Lücke geschlossen werden, um auch im Bereich der Kantendüsen-Auftragstechnologien den heutigen Produktionsbedürfnissen wie Losgröße 1 gerecht zu werden.


Dyrba: Der Nordson EB60Flex Applikator wurde konzipiert, um auch künftigen Anforderungen gerecht zu werden. Neben den stetig wachsenden optischen Qualitätsanforderungen des Kunden-Endproduktes – Stichwort Nullfuge – dürfen wir nicht die funktionellen Qualitätsanforderungen des Kunden-Endproduktes wie Beständigkeit gegen Wasserdampf, Hitze und Kälte vergessen. All dies haben wir bei der Entwicklung berücksichtigt und sehen daher für diese Technologie ein enormes Marktpotenzial, gerade im Einsatz von PUR-Klebstoffen, der sich seit längerer Zeit wachsender Anwendung erfreut. Verglichen mit konventionellen Technologien überzeugt der Auftragskopf durch hohe Flexibilität und Kosteneffizienz sowie durch einfache Bedienung und deutlich geringeren Wartungsaufwand. Diese Eigenschaften werden zur wachsenden Marktdurchdringung im Neuanlagengeschäft wie auch bei der Nachrüstung bestehender Anlagen beitragen. 

www.nordson.com

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Diesen Beitrag und weitere interessante Beiträge finden Sie in HOB 6.2015:

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