Der Ball ist rund und wir sind happy

Für Deutschlands Fußballfans bricht in den nächsten Wochen eine wundervolle Zeit an. Wie man sich in den 50er Jahren vor dem Radio traf und den Kommentatoren lauschte, werden sich heuer Menschentrauben an Großbildleinwänden und vor extra georderten Bildschirmen in Kneipen versammeln, nur um gemeinschaftlich Tore und Siege unserer Auserwählten zu bejubeln.

 

Weltmeisterlich spielen wird von unserer Nationalmannschaft ohne Kompromisse erwartet – da ist sich die Nation einig. Bei den Ratschlägen für Taktik und Strategie, die Jogi’s Jungs umsetzen sollten, herrscht Vielfalt vor. Vielleicht so viel, ein Mix aus brasilianischem Samba gepaart mit der uns eigenen geradlinigen Nüchternheit täte uns sicher gut, um auf die Siegerstraße einzubiegen. Momentan darf man noch träumen, träumen von einem uns viele Jahre versagten großen Turniererfolg, von einem Sommermärchen à la 2006. Spätestens am 13. Juli um 24:00 Uhr europäischer Sommerzeit wissen wir mehr. Emotional wird es sicherlich in den 64 Spielen vom 12. Juni an zugehen. Dafür sprechen die unterschiedlichen Spielauffassungen der 32 beteiligten Mannschaften und die agierenden Schiedsrichter. Ball über der Torlinie, oder nicht – spätestens seit dem Pokalendspiel zwischen dem BVB und Bayern München hat die Diskussion um die Torlinienkamera und das Abgeben der Entscheidungsverantwortung vom Menschen an die Technik neue Nahrung erhalten. Hand aufs Herz – wollen wir dies wirklich? Oder ist uns ein mögliches Feindbild ‚Schiri‘ bei der Aufarbeitung eines nicht siegreichen Spieles lieber?


Nichtsdestotrotz: Technik erobert die Fußballwelt, das ist unbestritten. Bildverarbeitungssysteme werten bereits automatisch die Bewegungen der Fußballspieler in der Bundesliga aus, ermitteln Ballkontakte, Laufwege, Abseitsstellungen und vieles mehr. Und die Zukunft wird neue Anwendungsfelder bringen: Ich sehe schon vermenschlichte Roboter in Fußballstadien auflaufen. Werksformationen in blau, gelb, rot oder orange agieren dann zwischen den Toren. Löws Anspruch an die Nationalmannschaft: „Wir brauchen Spieler die maximal belastbar sind“ – könnte sich in die Forderung wandeln: „Wir brauchen mehr Akkuleistung.“ Durazell lässt grüßen. Und noch eins, der Trainer nennt sich dann nicht mehr Trainer sondern Star-Programmierer.


Sicher, es gab in Deutschland schon Zeiten, da traten beim Erwähnen der Begriffe ‚Roboter‘ Schweißperlen auf die Stirn der Arbeitnehmer und Gewerkschafter. Der Arbeitsplatzverlust lag wie ein Damoklesschwert in der Luft. Mittlerweile hat man sich jedoch an den stählernen Kollegen gewöhnt und möchte ihn nicht mehr missen, denn der Erfolg der deutschen Industrie hängt unmittelbar mit dem Einsatz dieser steuerlich abschreibbaren Mitarbeiter zusammen. 2012 kamen auf 10000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe 273 Roboter. „Die sogenannte „Roboterdichte“ – ein gutes Maß für den Automatisierungsgrad – war damit mehr als doppelt so hoch wie in Frankreich und mehr als vier Mal höher als im Vereinigten Königreich“, stellte Hans-Dieter Baumtrog, Sortimat Assembly Technology, Winnenden, und Vorsitzender des Vorstands von VDMA ‚Robotik + Automation‘ anlässlich der Jahrespressekonferenz des Fachverbandes im Vorfeld der Messe Automatica heraus. Eine höhere Roboterdichte habe nur Japan und Korea.

 

Gerd Fahry,

 

Redakteur der HOB und
Chefredakteur der dima im AGT Verlag 

 

Editorial aus:


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