Nachhaltigkeit – ganz praktisch  

Gastkommentar HOB 12/2014

Dr. Hans-Jürgen Gittel

ist Inhaber der gleichnamigen Unternehmensberatung, die für Maschinen-, Werkzeug- und Elektrowerkzeughersteller sowie die Holz- und Möbelindustrie tätig ist.  

 

 

Umweltauflagen, Gesundheitsschutzvorschriften, Regulierungen und Kosten wohin man schaut. Auch eine Sichtweise auf den Produktionsstandort Deutschland – allerdings eine etwas einseitige.

Es ist schon fast 20 Jahre her, dass ich zum ersten Mal für die Holzbearbeitung nach Nordamerika reisen durfte. Ein Erlebnis hat dabei einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Nach erfolgreichem Tag gab es abends mit den amerikanischen Kollegen ein gemeinsames Bier (oder was damals als solches bezeichnet wurde). Einer fragte: „You know what a carpenter‘s job is? It´s a 3D-job! Difficult, dirty and dangerous!” Dieser Spruch fiel mir wieder ein, als ich kürzlich in einer überregionalen Tageszeitung auf der Titelseite las, dass noch 15 000 Lehrstellen im Handwerk unbesetzt sind und schmutzige Berufe deutlich weniger gefragt sind.


Eigentlich hat der Beruf des Schreiners und Tischlers einen guten Ruf. Schöne Dinge aus Holz herzustellen, spricht junge Menschen auf vielfältige Weise an. Trotzdem bleiben die Nachwuchssorgen insbesondere in den direkten Fertigungsbereichen, in denen die Schönheit des Produktes bei Staub und Lärm nicht immer wahrgenommen wird, und es auch nicht nur um edles Massivholz geht. Die Statistiker liefern die Fakten dazu: Die Zahl der 17-Jährigen wird von 817 000 auf 721 000 in fünf Jahren schrumpfen (Quelle: Statistisches Bundesamt), das sind rund 12 Prozent. Daimler, Bosch und Siemens werden diesen Rückgang wahrscheinlich nur an der geringeren Belastung während der Bewerberauswahl spüren. In Mittelstand und Handwerk dürften die Folgen dramatischer sein. Mehr als interessant fand ich deshalb das Thema des diesjährigen Leuco Treffpunkts: „Innovation trifft Emission“ (ausführlicher Bericht ab Seite 16). In einem weiten Bogen von lärm- und staubreduzierender Werkzeugtechnik über emissionsreduzierende, energie- und ressourcenschonende Maschinentechnik bis hin zur generellen Frage, ob Nachhaltigkeit Kosten oder Wertschöpfung bedeutet, wurden zahlreiche Facetten an praktischen Beispielen dargestellt.


Wir werden uns in den kommenden Jahren wohl häufiger mit diesem Themenkreis auseinandersetzen müssen, denn die reine Marktwirtschaft wird hier nicht hilfreich sein. Sie führt wahrscheinlich dazu, dass der Arbeitsmarkt für Fachkräfte austrocknet. Gut, dass schon im Grundgesetz steht, dass unsere Marktwirtschaft eine soziale sein soll. Dazu gehören auch Umweltauflagen und Gesundheitsschutzvorschriften – womit sich dieser Kreis schließt. Attraktivität, Sauberkeit und Sicherheit werden auf dem Arbeitsplatzmarkt zunehmend bedeutsame Kriterien. Staatliche Normen schützen nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Unternehmen.

Dr. Hans-Jürgen Gittel

 

Gastkommentar aus:

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