Die Nuancen von Revolutionen 

Nehmen wir doch die Friedliche: In den vergangenen Wochen wurde ihrem 25. Jubiläum gedacht, auch ganz hochoffiziell mit großem Bahnhof in Leipzig und natürlich großer Rede unseres Bundespräsidenten Gauck – allerdings ohne das Volk. Vielleicht zu Recht, leitet sich doch „Revolution“ vom Spätlateinischen „revolutio“ ab und bedeutet nichts anderes wie „zurückwälzen“.


Wer sich in das Zeitgeschehen von 1989 noch zurückversetzen kann, wird sich sicher an die endlosen Trabant- und Wartburgschlangen erinnern. Mit einer gehörigen Abgasmenge und entsprechenden Gerüchen wälzten sie sich ab November über die ehemalige Grenze zur damaligen BRD, über offizielle Übergänge und operativ eingerichtete Passierstellen. Im Improvisieren war man groß, ging es doch darum, nur das zu bekommen, was die Bürger im Westen schon hatten – Bananen und die harte D-Mark, den Schwarzwald, die Alpen oder den Zugang zur Nordsee. Umgewälzt wurde im wahrsten Sinne alles, von Gebrauchtwagenmärkten, Kaufhäusern und Aldi-Läden, ja ganze Urlaubsorte waren plötzlich in der Hand der „Revolutionäre“ aus dem Osten. Später wandelte sich die Euphorie der „Wendezeit“ in puren Pragmatismus. Bei der Infrastruktur hat man kräftig zugelegt und im Vergleich der Länderbildungssysteme mischt man ganz oben mit. Wer sagt es denn: Im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter. Die von unserem Altkanzler Helmut Kohl versprochenen blühenden Landschaften in den „Neuen Bundesländern“ lassen sich an Feldern festmachen, die bis an den Horizont reichen. Und auf der grünen Wiese spielt sich schwerpunktmäßig das industrielle Leben ab.


Also ist es Zeit für Neues, für eine neue Revolution. Ausgerufen wurde sie schon – die vierte industrielle – in Gestalt von Industrie 4.0. Wohin die Reise hierbei wirklich geht, dahinter stehen noch viele Fragezeichen. Fakt ist lediglich, es geht um Umwälzendes. Wissenschaft, Politik und die Wirtschaft sind daher gefordert, eine zielführende Programmatik zu entwickeln, Risiken und Chancen zu diskutieren und abzuwägen. Allein mit dem schnellen Internet auf dem Land ist es nicht getan. Sprachlosigkeit, wie bei unserer Bundeskanzlerin auf dem nationalen IT-Gipfel Ende Oktober in Hamburg, löst zwar Erheiterung aus, macht aber die ganze Tragweite dieses Themas deutlich.


Immerhin, wohin die Reise mit Industrie 4.0 gehen kann, wo dessen Chancen und Grenzen liegen, darüber wollen beispielsweise Experten aus den Bereichen IT, Produktion und Automatisierung auf dem größten, anwenderorientierten, deutschsprachigen Kongress zur Automatisierungstechnik während der SPS IPC Drives vom 25. bis 27. November 2014 in Nürnberg diskutieren. Sie wollen einen Einblick in die Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Branche geben und die Herangehensweise verschiedener Firmen auf dem Weg zu neuen Innovationen darstellen. Denn: Der Teufel steckt, wie jeder schon einmal festgestellt hat, im Detail. Und dieses kann das Zünglein an der Waage sein. So wie die Einführung der D-Mark am 30. Juni 1990 auf dem Gebiet der ehemaligen DDR die Wiedervereinigung besiegelt und unumkehrbar gemacht hat.


Gerd Fahry
Redakteur

 

Editorial aus:

14_11_TITEL_188.jpg

Gerne können Sie HOB 11/2014 mit weiteren interessanten Beiträgen bestellen:

E-Mail:  cedra@agt-verlag.de        
oder:     Kontaktformular

AGT Verlag Thum GmbH
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56

 

spacer
Online Werbung @ HOB