Keine heiße Luft

Zugegeben, bis zum 12. Dezember des letzten Jahres hatte ich Barbara Hendricks noch nie weinen sehen. Allerdings habe ich wie viele eine gesunde Skepsis gegenüber Politikeremotionen. Aber an diesem Tag im Dezember habe ich der Umweltministerin ihre Rührung geglaubt.

Denn kurz zuvor hatte der 21. Weltklimagipfel in Paris ein Klimaabkommen verabschiedet, mit dem sich alle 195 Vertragsstaaten zum ersten Mal überhaupt verpflichten, ihren Treibhausgasausstoß in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf null zu bringen. Zugleich soll die Erderwärmung gegenüber dem Beginn der Industrialisierung deutlich unter zwei Grad gehalten werden. Bekanntlich spricht man von 1,5 Grad. Ich glaube, was mich im Dezember an Frau Hendricks rangerückt hat, war eine große Erleichterung, die sich in mir breitmachte. Inzwischen ist die aber schon wieder einer Haltung des Fragens gewichen. Wie geht es weiter, ist vielleicht die wichtigste. Was man weiß, ist, dass das Pariser Abkommen ab April in New York zur Unterschrift ausliegen wird. Dann haben die 195 ein Jahr lang Zeit, den Vertrag zu unterzeichnen, um ihn danach bis 2020 in nationales Recht umzusetzen. Aber erst wenn 55 Staaten, die zusammen mindestens 55 Prozent der weltweiten Emissionen verursachen, den Vertrag ratifizieren, wird er auch gültig. Man muss also hoffen, dass sich das Abkommen von Paris mit Verve fortsetzt.


Mit dem Querverweis auf Paris hat auch die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel vor gut einem Monat einen Klimapakt für die Möbelindustrie geschlossen. Fundament des Paktes ist die CO2-Bilanz angeschlossener Möbelhersteller, die jährlich auf Basis geltender Standards ihre Carbon Footprints berechnen müssen. Differenziert zusammengesetzt wird dieser Fußabdruck aus direkten und indirekten Treibhausgasemissionen; zur Kennzeichnung ihres Klimabewusstseins erhalten alle Teilnehmer des Paktes das DGM-Klimalabel. Das aber kann nicht reichen, denn das Label sagt erst einmal nichts über die Art und Größe des Footprints aus. Und so strebt die Gütegemeinschaft auch in der weiteren Entwicklung des Klimapaktes an, klimaneutrale Möbelhersteller und Möbel besonders auszuzeichnen. Zu messen sein wird der Klimapakt daher am Umfang dieser Klientel – und das erst nach einer gewissen Zeit. Zeit wird wohl auch das Pariser Abkommen brauchen. Schließlich basiert es auf freiwilligen Plänen zum Klimaschutz, die erst ab 2020 gelten. Gut ist, dass jeder einzelne Staat an dem Beschluss von Paris zu messen ist. Doch die Zeit drängt. Zumal die Pläne ab 2023 alle fünf Jahre ehrgeiziger werden sollen. Bleibt zu hoffen, dass man hier im nächsten Jahr in Marrakesch weiterkommt. Dann allerdings können auch wieder die Fetzen über Ungeklärtes wie die Entschädigung von nicht fördernden Öl- und Kohleländern oder Klimaopfern fliegen.


Beim Klimapakt des DGM haben mittlerweile die Möbelwerke A. Decker als erstes Unternehmen die Zertifizierung als klimaneutraler Hersteller nach den Richtlinien für den Klimaschutz der Gütegemeinschaft erhalten. Ein Anfang. Und Barbara Hendricks? Sie sagte unmittelbar nach der Entscheidung in Paris: „Ich neige nicht zu großen Worten: Aber das ist heute ein historischer Moment.“ Auch das habe ich ihr geglaubt.

 

Ihr

Michael Hobohm

 

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