Chefredakteur Dr.-Ing. Michael Hobohm
Was der Fall ist

"Die Welt ist alles, was der Fall ist"  ließ 1921 der Philosoph Ludwig Wittgenstein sein erstes Buch beginnen. Worte, die ihn berühmt machen sollten. Ist man so tollkühn, diesen Satz auf den Haupttrend der Holzindustrie zu übertragen, könnte er lauten: Industrie 4.0 ist das, was der Fall ist. Eine waghalsige Adaption, die nur eines will: Auf die Diskrepanz hinweisen, was in dem Transformationsprozess allein Diskussion und was in der Umsetzung ist.

 

Bekannterweise gehören IoT, cyber-physische Systeme und Smart Factory ebenso zu den Kernelementen von Industrie 4.0 wie mobile Devices, Augmented Reality, Smart Tags und digitale Produktgedächtnisse. Bereits 2014 gaben Christian Kortüm, Adrian Riegel und Sven Hinrichsen von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe dazu eine hellsichtige Analyse. Zur Augmented Reality etwa – der computergestützten Überlagerung und Erweiterung der Realität mit virtuellen Daten –, die in der Holzindustrie längst angekommen ist. Demnach lassen sich schon heute Prozesse in der Montage oder Instandhaltung mit dieser Technologie stützen. „Auch im Bereich der Mehrmaschinenbedienung konnten dem Maschinenführer ergonomisch Informationen von entfernten Anlagenteilen zur Verfügung gestellt und die derzeit übliche Leitwarte aufgelöst werden“, so die Autoren.


Vielleicht am weitesten sind derzeit mobile Endgeräte fortgeschritten, die oft schon eine Unterstützung beim Einrüsten und Überwachen von Maschinen, Aggregaten oder Fertigungsaufträgen bieten. In der vorliegenden HOB belegt dies die App 2020 Insight, die einen Zugriff auf die Echtzeitdaten der Softwarelösung 2020 Insight und das Abrufen von Vertriebskennzahlen ermöglicht. Auch die Vernetzung von Fertigungstechnik und Dienstleistungen – die Kommunikation von Maschinen- und Softwaresystemen – schreitet voran. Belege im vorliegenden Heft sind vollautomatisierte beziehungsweise autonome Fertigungszellen samt fahrerlosen Transportsystemen. Cyber-physische Systeme (CPS), die für sich in Anspruch nehmen, mit Sensoren, Aktoren, Logikkomponenten und Kommunikationsschnittstellen ausgestattet und der Selbstregulierung fähig zu sein, sind dies freilich bislang nicht. Daher muss man weiterhin die Einschätzung aus Ostwestfalen- Lippe teilen, wonach die Smart Factory in den meisten Bereichen der Holzindustrie noch schwer vorstellbar ist. Gleichwohl scheint gerade die industrielle Möbelproduktion geeignet, bei hoher Variantenvielfalt und Komplexität der Produktion die Ansätze von Industrie 4.0 umzusetzen. Nimmt man hier die Selbstoptimierung von CPS erneut ernst, so steht das Ausloten der dafür nötigen Spielräume in Losgröße-1-Prozessen bislang aus. Insbesondere sind die Teilbereiche der Fertigung zu identifizieren, in denen diese Optimierung während der Produktion möglich ist. Und was noch der Fall ist? Sophia, tapio, Mindsphere. Also: Die Holzbranche ist auf dem Weg, manchmal sogar etwas waghalsig.

Ihr

Michael Hobohm

 

 

Editorial aus HOB 4.2018:

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