Stilles Holz

Nun reden auch bald die Werkstoffe. So jedenfalls will es der Fraunhofer-Verbund Materials, der gerade auf der Hannover Messe die Materials Data Space präsentiert hat – eine Plattform zur Bereitstellung digitaler Werkstoffdaten entlang der kompletten Wertschöpfungskette.

 

Vom Materialentwickler über den Halbzeug- und Bauteilhersteller bis hin zum Endnutzer und strategischen Recycling sollen die dynamischen Materialdaten für jeden Prozessschritt erfasst und in die Plattform eingespeist werden. Durch die Vernetzung – so die Vorstellung – etablieren sich dann selbstorganisierende, unternehmensübergreifende Wertschöpfungsnetzwerke, die nach Kriterien wie Kosten, Verfügbarkeit oder Ressourcenverbrauch optimiert werden können. Informationstechnisches Fundament der Materials Data Space sollen Datendienste sein, die derzeit im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes zur Data Space entwickelt und pilotiert werden. „Wir bringen die Werkstoffe zum Sprechen“, ist Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn, Koordinator des Projekts, optimistisch. „Sie können uns zu jedem Zeitpunkt ihre Eigenschaften mitteilen.“


Holz und Holzwerkstoffe werden bis auf Weiteres jedoch still bleiben. Zunächst einmal, weil der Fraunhofer-Verbund den Schwerpunkt auf die Pilotprojekte Metalle, Faserverbundwerkstoffe und Funktionsmaterialien legt. Dann aber auch, weil die Materialspezifik trotz anhaltender Bestrebungen zur Werkstoffoptimierung weiterhin breite Streuungen der Eigenschaftswerte bedingt. Das zeigten erst wieder aktuelle Arbeiten der TU Chemnitz und des Institutes für Holztechnologie Dresden, die auf die Entwicklung von Holzwerkstoffen für tragende Anwendungen im Maschinenbau abzielen. Und schließlich gehen Holz und Holzwerkstoffe, die bekanntlich Polymergemische aus den drei Hauptkomponenten sind und mit Kleb- und Zuschlagstoffen zu Mehrphasensystemen werden, bislang unzureichend bekannte Wechselwirkungen mit äußeren Bedingungen ein. Werden Holz und Holzwerkstoffe also auch künftig schweigen? Vielleicht nicht, denn möglicherweise können sensorbasierte ,Sprechhilfen‘ oder ,Dolmetscher‘ einspringen. Außer den Daten zur Mikrostruktur, die eben beim hochkomplexen Holz sehr streuen, fließen in die Materials Data Space nämlich auch Informationen zu Materialien und Werkstücken ein, die aus der sensorischen Bestimmung stammen. Die Frage ist nur, ob sich die komplexen Materialeigenheiten auch mit werkstoffunabhängiger Sensorik bestimmen lassen? Diese Möglichkeit ist nicht auszuschließen – und damit das Versprechen auf Sprechen. Das ist gut, denn Materialien, die fit für Industrie 4.0 gemacht wurden, sind ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für das verarbeitende Gewerbe, wo mehr als zwei Drittel der Innovationen auf neuen Werkstoffen basieren.

Die vorliegende Ausgabe der HOB beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Bearbeitung von Massivholz, das ganz einfach still ist. Fertigungsprozesse wie das Hobeln sind dabei ebenso Bestandteil des Heftschwerpunkts wie die CNC-Programmierung oder Beschichtung. Entlang der Wertschöpfungskette eben.

 

Viel Spaß beim leisen Lesen wünscht

 

Ihr

Michael Hobohm

 

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Editorial aus:

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