Human Fahrstuhl

Mit Donuts hat Sara Linse jüngst das, was Jean-Pierre Sauvage, James Fraser Stoddart und Bernard Feringa zuvor in jahrelanger Arbeit ertüftelten, verdaulich gemacht. Dafür schob, drehte und schichtete die Chefin des Chemie-Nobelkomitees die Kalorienbomber mit Verve in-, durch- und übereinander. Was sie am Naschwerk zeigen wollte, waren der Entwurf und die Synthese molekularer Maschinen, die dem Komitee in diesem Jahr der Nobelpreis für Chemie Wert waren.

 

Nanomaschinen, tausendmal kleiner als ein Haar fein ist, haben die drei Forscher ersonnen: Moleküle mit kontrollierbaren Bewegungen, die bestimmte Aufträge ausführen können. Genügend Energie vorausgesetzt. Einen Fahrstuhl, künstliche Muskeln und einen Motor en miniature haben die Demiurgen bereits erschaffen. Einiges, was bislang nur als Science-Fiction vorkam, werden künftige Forschungen über kurz oder lang Wirklichkeit werden lassen. Man stehe, schreibt das Nobelkomitee, bei der Entwicklung molekularer Motoren auf dem Stand der Elektroantriebe von 1830.


Zwölf Jahre zuvor hatte eine gewisse Mary Shelley noch anonym ihren Roman Frankenstein veröffentlicht. War der künstliche Mensch, den Viktor Frankenstein, der junge Schweizer, an der damals berühmten Universität Ingolstadt erschaffen hat, eigentlich eine Maschine? Wer weiß heute schon noch, dass der Roman den Untertitel ,Der moderne Prometheus‘ trug und als Lehrstück verstanden sein wollte? 1830 jedenfalls hätten Forscher nur drehende Räder oder Kurbeln vorführen können. Dass sich daraus eines Tages elektrisch betriebene Züge oder Waschmaschinen entwickelt würden, habe niemand geahnt, meint auch das Nobelkomitee. Bernard Feringa jedenfalls fühlte sich ein bisschen so, wie es den Brüdern Wright nach ihrem Jungfernflug vor rund hundert Jahren gegangen sein muss. Auch so ein Rückblick. Die Flight-Brothers seien damals gefragt worden, wofür man eine Flugmaschine überhaupt brauche. Ähnliche Fragen, aktuelle Antworten. „Heute haben wir die Boeing 747 und den Airbus“, so der Chemiker nämlich.


Er und seine Mitstreiter haben es also geschafft, den molekularen Maschinen, die die Natur in zahlreichen Facetten erschaffen hat, eine menschengemachte Sparte hinzuzufügen. Kommende Chemie-Fausts werden der Kreativität unserer Natur und ihrer Vielzahl an molekularen Konstruktionen nacheifern wollen – und das für Verfahren, die eine Massenproduktion der Nanos erlauben. Deren Aufgaben? Medikamente an den Ort des Körpers bringen, an dem sie benötigt werden. Krebszellen aufspüren. Computerchips ersetzen. Neuartige Batterien und Sensoren ermöglichen. Ein ganz neues Verständnis von Maschinenbau tut sich auf, mit dem die klassischen Grenzen der Disziplin verschwimmen könnten. Natürlich ist all das Zukunftsmusik, lediglich in Science-Fiction-Manier parliert. Aber eben interessant. Wir werden uns an menschliche Fahrstühle gewöhnen, die wie ein Deus ex Machina die Lösung zaubern. Immer mal wieder erklärt – vielleicht an einem Baumkuchen. Die richtige Form hat er ja schon.

 

Ihr

Michael Hobohm

 

 

 

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