Laute Posaune

Es war in den 1950er Jahren, als ein gewisser Willem van Orman Quine zeigte, dass sich Wörter oder Sätze nicht eindeutig von einer Sprache in eine andere übersetzen lassen. Schon deshalb, weil Begriffe oft mehrere Bedeutungen haben. Natürlich auch Namen. Pinocchio etwa, was als Holz- oder Dummköpfchen ins Deutsche übersetzt werden kann.

Oder Trump, wo Übersetzungen wie ,feiner Kerl‘, aber auch ,Maultrommel‘ – das Instrument mit den wenigen Tönen – möglich sind. Eine Überraschung birgt zudem ,at the Last Trump‘. Kommunikation, will sie eindeutig sein, verlangt ein Mindestmaß an Komplexität. Braucht ein Umfeld, in das sie eingebettet ist. Und Regeln sowieso. Im Augenblick jedoch erleben wir auf höchster politischer Ebene den Versuch, via Twitter eine mediale Verschmelzung mit der Masse zu orchestrieren. Selbst komplexeste Sachverhalte werden in das Zeichen-Format gestanzt. In eruptiver Manier. Heraus kommen Inhalte, die dem Komplexitätsgrad des Sachverhalts nicht gerecht werden. Dabei haben wir es mit einem Chauvinismus zu tun, der zutiefst von der Überlegenheit der eigenen Gruppe überzeugt ist. Egal, wie volksnah sich das Zwitschern gibt: Greatness als Selbstzweck.


Nun wäre all das nicht weiter tragisch, würden sprachlich nicht auch Parallelwelten aufgetan, die politisch relevant sind. Und damit für die internationale Wirtschaft. Der Gesellschaft für deutsche Sprache, die das Augenmerk auf einen tiefgreifenden politischen Wandel richten wollte, war diese Praxis mit ,postfaktisch‘ immerhin das Wort des Jahres 2016 Wert – die Konstellation, dass Tatsachen ignoriert und der Anspruch auf nachweisbare Fakten zugunsten ,gefühlter und erfundener Wahrheiten‘ aufgegeben werden. Eingebettet in eine Unterhaltungsindustrie erleben wir einen auf Aktionismus beruhenden Politikstil, der Ziele eruptiv vorantreibt. Dieser Stil geht mit einer lauthalsen Propagierung von Protektionismus, Deregulierung und Abkehr von institutioneller Stabilität einher. Das birgt wirtschaftliche Risiken. Realfaktisch gibt es bislang kaum konjunkturelle Konsequenzen: Die robuste Dynamik in den Vereinigten Staaten lässt – trotz der in Aussicht gestellten fehlenden wirtschaftspolitischen Kontinuität – spürbare Auswirkungen bisher nicht erwarten. Sollten die vollmundig propagierten protektionistischen Maßnahmen aber umgesetzt werden, könnte das auch Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft stark beeinträchtigen. Während Maschinenbauer für den Sektor Möbelindustrie bisher eher gelassen auf die Szenerie schauen, stellen sich Hersteller umweltbezogener Technologien auf veränderte Schwerpunktsetzungen zumindest schon mal ein. Wie die Ligna-Preview kürzlich zeigte, erwartet der deutsche Holzbearbeitungsmaschinenbau für 2017 ein gutes Jahr. Noch besser als das vergangene, das zum ersten Mal wieder über dem Hoch von 2007 lag. Es läuft in der Branche, trotz ,at the Last Trump‘.

 

Ihr

Michael Hobohm

 

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