Denkmalschutz-Fenster machen einen großen Teil der Aufträge aus: Alte Stadtbibliothek, Frankfurt/Main (Foto: Stock)
Neue Technik für neue Fenster

Holz-Handwerk Halle 10–210

 

Mit neuer Fertigungstechnik produziert Stock Fensterbau in Wartenberg/Hessen eine ganz neue Rahmeneckverbindung. Leitz war sowohl bei der Entwicklung der Eckverbindung als auch bei der Auslegung der Maschine mit von der Partie. 


Die Idee zu einer neuen Fenster-Rahmeneckverbindung hatte Werner Stock Ende 2011 in Italien.

 

Die Verbindung, für die er später den Namen „Trapezzapfen-Verbindung“ aussuchte, kombiniert die Vorteile etablierter Eckverbindungen, ohne ihre Nachteile zu übernehmen. Ursprünglich war Werner Stock nach Italien gereist, um sich nach CNC-Fenstermaschinen für seinen Betrieb umzusehen. Das Ziel der Reise: die Flexibilisierung der Fertigung. „Seit rund sieben Jahren liegt die individuelle Fertigung in unserer Branche voll im Trend. Jeder Kunde möchte sein eigenes Produkt“, erklärt Stock den Hintergrund. Mit der bisherigen Fertigungslinie bei Stock Fensterbau war das nicht mehr zu machen. Zwar sei die Maschine schnell, auf hohe Stückzahlen ausgerichtet und habe ihren Dienst gut versehen, „aber unter den Bedingungen der neuen Erwartungen der Kunden war unsere alte Linie zu umständlich, zu unproduktiv.“ Als Werner Stock dann die Möglichkeiten der neuen CNC-Maschinen kennen lernte, sich mit ihren Abläufen befasste, hatte er die Umsetzung der neuen Rahmeneckverbindung schon fast vor Augen.

 

Breite Produktpalette


Werner Stock war bis Anfang 2013 der Inhaber der Stock Fensterbau GmbH. Aus Altersgründen hat er die Firma an die beiden geschäftsführenden Gesellschafter Klaus Mathes und Kurt Dirk Melchiors übergeben. Das Traditionsunternehmen hat seinen Hauptsitz in Wartenberg/Hessen. Der Betrieb beschäftigt zur Zeit ca. 25 Mitarbeiter, zwanzig davon in der Fertigung. Stock Fensterbau hat sich auf klassische Holz- und Holz-Alu- Fenster sowie die zugehörigen Türvarianten spezialisiert. In diesem Bereich fertigt der Betrieb eine breite Produktpalette. Einen großen Anteil der Aufträge machen Denkmalschutz-Fenster und historische Haustüren aus. So kommen etwa auch die neuen Fenster der Alten Stadtbibliothek in Frankfurt/Main aus Wartenberg. Jedoch bleibt es nicht beim klassischen Produktportfolio. Für einen Kunden in der Türkei wurde etwa ein vertikales Schiebefenster entwickelt, das auch gekippt werden kann. Das Unternehmen beliefert Händler sowie Fenster- und Türenstudios im ganzen Bundesgebiet wie auch Kunden in der Schweiz, Spanien und in der Türkei.

 

Neue Rahmeneckverbindung


Nach und nach nahm die neue Trapezzapfen-Verbindung Gestalt an. Mit seinen Skizzen und Mustern wandte sich Werner Stock dann an Leitz, dem Unternehmen, das seinen Betrieb seit über fünfzig Jahren mit Fensterwerkzeugen beliefert. Leitz-Anwendungstechniker Leo Humer konkretisierte daraufhin Stocks Idee der Trapezzapfen-Verbindung, verfeinerte und perfektionierte sie schrittweise. Am Ende stand das Konzept eines fertigen Produkts. Als Moderator zwischen Leitz und Werner Stock mit seinem Team vermittelte Leitz-Berater Stefan Eichelmann. „Während des gesamten Projekts hat Leitz für uns die Rolle eines Entwicklungspartners übernommen. Mit dem Leitz-Team im Rücken konnten wir schnell aus einer neuen Idee ein marktreifes Produkt konzipieren“, sagt Werner Stock rückblickend.


Im nächsten Schritt fertigten Stock-Mitarbeiter manuell Nullserien des neuen Fensters an Tischfräse und Zapfenschneider. Die erste noch konventionell gefertigten Fenster mit der neuen Trapezzapfen- Verbindung verließen die Fertigungshalle dann im Herbst 2012. Bemerkenswert: Die brandneuen Rahmen wurden nach kritischer hausinterner Qualitätskontrolle gleich an Kunden ausgeliefert. „Wir waren von Anfang an von unserem Produkt überzeugt. Die ersten fertigen Rahmen haben das bestätigt“, sagt Stock. Parallel zur Produktion der Nullserien bei Stock begann Leitz damit, kundenspezifische Werkzeuge für die Fertigung des neuen Fensterprogramms mit der Trapezzapfen-Verbindung zu entwickeln. Unter anderem entwarfen die Anwendungstechniker einen Profil-Oberfräser mit besonders kleinem Durchmesser. Die Zielvorgabe für die neuen Werkzeuge: maximale Flexibilität für die Fertigung auf einer CNC-Fenstermaschine.

 

Neue Fertigungstechnik für eine neue Rahmeneckverbindung


Um die neue Trapezzapfen-Verbindung rationell umsetzen zu können, brauchte Stock Fensterbau noch eine geeignete CNC-Fenstermaschine. „In diesem Projektstadium rückte das Thema Flexibilisierung der Fertigung wieder in den Vordergrund“, erinnert sich Werner Stock. Nach reiflicher Überlegung und Beratung durch die Firma Gerling in Kreuzwertheim entschied man sich bei Stock für eine Weinig Conturex. Die Software dazu entwickelte die Horst Klaes GmbH & Co. KG in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Im Oktober 2013 war es soweit: Weinig lieferte die Conturex, das neue Herzstück der Fertigung. Nur eine Woche brauchten die Monteure, um die Maschine aufzubauen; eine weitere Woche, um sie in Betrieb zu nehmen. „Alle beteiligten Parteien haben perfekt harmoniert. Nur deshalb konnten die Arbeiten so schnell abgeschlossen werden“, so Stock. Ende Oktober ging die neue Anlage in Betrieb“.

 

Prozess-Engineering und Werkzeuge für mehr Flexibilität und Wirtschaftlichkeit


Für die komplette Planung des Produktionsablaufs auf der Weinig Conturex zeichnete Leitz verantwortlich. Erklärtes Ziel dabei war es, eine maximal flexible Fertigung zu realisieren. Es sollte möglich sein, eine große Zahl an Produktvarianten bei möglichst geringem Maschinenstillstand zu realisieren. „Wir haben die Werkzeugbestückung und den Fertigungsablauf so ausgelegt, dass sich die Profile auf Knopfdruck variieren lassen“, erklärt Martin Kenntner, Leiter Anwendungstechnik und Fenster-Experte bei Leitz. „Der Maschinenbediener kann vollautomatisch zwischen Holzfenstern und Holz-Alu-Fenstern in den Ausführungen IV 68, IV 78 und IV 90, den zugehörigen Haustüren und Hebe-Schiebe- Elementen wählen. Auch eine Option zur variablen Profilgestaltung an Glasnacken und Glasleiste besteht. Selbst eine außenöffnende Lösung für Fenster und Haustür lässt sich anwählen.“ Zudem ermöglichen Werkzeugtyp und intelligente Anordnung auf den Dornen einen besonders einfachen Schneidentausch ohne Demontage der Werkzeugsätze. Die Vorteile: „Einerseits ist das die Voraussetzung für den Einsatz unserer Schrumpfspanntechnik, die aufgrund hoher Wuchtgüte und Stabilität mit einem hochwertigen Fräsbild und hohen Standwegen punktet“, so Kenntner weiter. Andererseits falle damit die Stillstandzeit beim Messerwechsel deutlich kürzer aus.


Dass die Conturex von Stock nicht nur flexibel, sondern auch wirtschaftlich produziert, liegt unter anderem an der Kombination zweier verschiedener Leitz-Profilwerkzeuge: des ProfilCut- und des ProFix-Werkzeugsystems. ProfilCut fräst die Hauptprofile. Die beschichteten ProfilCut-Messer Marathon mit ihren hohen Standwegen und das einfache Handling sorgen für hohe Wirtschaftlichkeit. ProFix dagegen fertigt die variablen Profilteile. Die Durchmesserund Profilkonstanz des Werkzeugsystems ermöglicht dabei einen einfachen und besonders schnellen Profilwechsel. Aufgrund nachschärfbarer Schneiden arbeiten die ProFix-Werkzeuge auch bei unterschiedlich starker Beanspruchung wirtschaftlich. „Nicht jedes Werkzeugsystem eignet sich für jede Bearbeitungsaufgabe“, sagt Martin Kenntner. „Durch die intelligente Verbindung mehrerer Systeme und ihrer Stärken konnten wir bei Stock neben Flexibilität auch die Wirtschaftlichkeit der Bearbeitung erhöhen.“

 

Mit dem Ergebnis vollauf zufrieden


Werner Stock ist mit dem Ergebnis seiner Investition vollauf zufrieden: „Wir würden das gesamte Projekt genau so wieder durchführen“, bilanziert er. Mit der neuen Trapezzapfen-Verbindung spart er gegenüber der Fertigung einer klassischen Konter-Dübel-Verbindung jede Menge Zeit. „In einer 8-Stunden-Schicht können wir bis zu 40 Fenstereinheiten produzieren“, freut er sich. Gleichzeitig reduziere sich der Holzverbrauch im Vergleich zu einer Schlitz-Zapfen-Verbindung um einen halben Meter pro Fenstereinheit. Auch die Flexibilisierung der Fertigung trägt Früchte: Der Aufwand einer Sonderfertigung individualisierter Fenster und Türen entfalle gänzlich. Die neue Flexibilität bei Stock hat jedoch nicht nur wirtschaftliche Vorteile für den Betrieb. Auch die Kunden profitieren: Früher habe man Aufträge mit gleichen Fenstertypen gesammelt, um Rüstkosten zu sparen. „Heute können wir alle Aufträge sofort auf die Maschine nehmen und sind in der Lage, alle Produktvarianten schneller und damit marktgerecht zu liefern“, so Stock.

www.stockfenster.de  
www.leitz.org  

 

Diesen Beitrag und weitere interessante Beiträge finden Sie in HOB 3.2014:

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