Michael Meer, Maka Systems GmbH, und Ronald Plagens, Geschäftsführer des Unternehmens „Ihre Treppe“ (re.) 
Fertigungsstrategie eines Treppenspezialisten

Das Unternehmen „Ihre Treppe“ aus Perleberg hat in ein neues Maka-Bearbeitungszentrum mit zwei Frässpindeln investiert, um noch flexibler auf Kundenanfragen reagieren zu können.

Ein besonderes Merkmal der Maschine ist der 100 mm längere Verfahrweg in der Z-Achse. 

GERD FAHRY

 

 

Dass eine Treppe heute nicht mehr nur dem einfachen Überwinden von Höhenunterschieden dient, sondern neben den funktionalen auch immer mehr Innenarchitektur- beziehungsweise Design-Aufgaben übernimmt, weiß Ronald Plagens nur zu gut. Der Geschäftsführer des brandenburgischen Unternehmens „Ihre Treppe“ mit Sitz in Perleberg beschäftigt sich seit über 20 Jahren direkt mit diesem Produkt und kann hierbei auf ein 100 jähriges Holzbearbeitungs-Know-how zurückgreifen. Tischler und Zimmerleute haben den Betrieb über vier Generationen geprägt, mit einer kurzen Unterbrechung zu DDR-Zeiten.


Ronald Plagens selbst ist 1993 ins Geschäft eingestiegen und hat es seitdem kontinuierlich zum heutigen Treppenspezialisten ausgebaut. Zu den Meilensteinen der jüngeren Firmengeschichte zählt dabei sicherlich der Umzug in ein neues Büro- und Produktionsgebäude in einem Industriegebiet am Rande der Kreisstadt des Landkreises Prignitz. Dies war vor annähernd 15 Jahren. Heute fertigt er hier mit sechs Mitarbeitern auf modernster Technik zirka 450 individuell gestaltete Holztreppen im Jahr. „Qualität und Leistungsfähigkeit zu attraktiven Preisen ist unsere Devise“, stellt der Geschäftsführer selbstbewusst heraus und ergänzt: „Mit dieser Philosophie haben wir uns einen guten Ruf nicht nur im norddeutschen Bundesgebiet erarbeiten können und uns zum Lieferanten von besonderen Treppenlösungen aus Massivholz entwickelt. Wir fertigen alles, was technisch machbar ist und können dabei auch auf eigene Lagerbestände von gefragten Überseehölzern zurückgreifen. Gefragt sind unsere Treppen von Hamburg bis ins südliche Berliner Gebiet.“


Zum Kundenkreis gehören in erster Linie Tischlereien und Treppenfachhändler. „Von denen kommen die Aufmaße, wir zeichnen, sie bestätigen, wir fertigen“, umreißt Ronald Plagens die allgemeine Vorgehensweise. Das direkte Endkundengeschäft mache heute lediglich noch 25 Prozent aus.


Die Geschäftsentwicklung seines Unternehmens sieht er momentan recht positiv. „Wir verzeichnen in den letzten drei Jahren eine interessante Entwicklung. Die Treppen werden aufwändiger, die ‚08/15 Standardtreppen‘ verlieren an Bedeutung für das Geschäft. Wir haben mehr Umsatz in diesem Jahr erzielen können, aber weniger Treppen gebaut. Die Treppen werden teurer, nicht wegen Preiserhöhungen, sondern durch den Aufwand, der in ihnen steckt.“ Die Treppe werde aus seiner Sicht immer mehr zu einem individuell gefertigten und hochwertig gestalteten Möbelstück.

 

Nebenzeiten im Fokus


Effektiv Fertigen hat bei Ronald Plagens einen sehr hohen, besonderen Stellenwert. Deshalb setzt er auf modernste Ausstattung seiner Produktionsanlagen, von der CNC-Technik über die Oberflächenbehandlungsanlagen bis hin zur Lagerorganisation. Auch bei Software, CAD/ CAM und 3D-Lösungen versucht er immer auf dem neusten Stand zu sein. So investierte er bereits im Jahr 2000 im Zusammenhang mit dem Bezug der neuen Geschäftsräume im Schwarzer Weg 23 in eine Maka-CNC-Maschine vom Typ HC57R mit 5-Achs-Aggregat für die Massivholzbearbeitung. Diese mittlerweile in die Jahre gekommene Bearbeitungsanlage sollte im vergangenen Jahr ausgetauscht werden, um wieder auf den aktuellen Stand der Technik zu kommen. Vor allem versprach sich der Geschäftsführer von einer Neuinvestition spürbar geringere Nebenzeiten, höhere Funktionssicherheit und neue, erweiterte Fertigungsmöglichkeiten.


Michael Meer, Leiter Vertrieb Nord bei der Maka Systems GmbH, erinnert sich an die ersten Gespräche. „Zunächst lautete der Ansatz, die Maschine nach über zehn Jahren im Betrieb auszutauschen. Wir waren ja zwischenzeitlich mit unseren Maschinen zwei, drei Generationen weiter. Allerdings hat sich an der grundsätzlichen Bewegungssystematik nichts geändert. Ich habe ein 5-Achs-Aggregat, das fährt zu einem Werkzeugwechsler, holt sich ein Werkzeug, macht die Arbeit und bringt das Werkzeug wieder zum Wechsler und so weiter. Trotz mehr Dynamik der Maschine und schnelleren Verfahrwegen waren die Einsparungen bei den Werkzeugwechselzeiten nicht so groß, dass Herr Plagens zufrieden gewesen wäre. Wir standen also vor der Fragestellung, wie bekommen wir die Nebenzeiten in Griff?“


Um welches Potenzial es sich dabei handelt, macht folgende Aufstellung deutlich: Pro Treppe sind durchschnittlich 80 Werkzeugwechsel nötig und dies bei 20 bis 28 Sekunden pro Wechsel, je nachdem, wo das 5-Achs-Aggregat steht. Gelöst haben die Maschinenbauer aus Nersingen bei Ulm diese spezielle Anforderung mit einer Mehrkanaltechnik. Dabei wird die Arbeit auf ein 3-Achs-Aggregat und ein 5-Achs-Aggregat aufgeteilt. Beide Aggregate können auf alle 51 Werkzeuge im Werkzeugkettenwechsler zugreifen, so dass immer ein Aggregat arbeiten kann, während das andere Aggregat sich das nächste Werkzeug holt. Dieses Konzept überzeugte nicht zuletzt den Treppenbauer aus Perleberg. Mit dieser Systematik ließen sich die Nebenzeiten wegen eines Werkzeugwechsels fast gegen Null bringen, stellt Michael Meer heraus: „Das war die Ersparnis, die sich rechnete.“ Und für Ronald Plagens stand darin eine ganz simple betriebswirtschaftliche Überlegung: Spart man bei einem Werkzeugwechsel nur 12 Sekunden, ist es bei 80 Werkzeugwechseln pro Treppe, bei der momentanen Produktion von 450 Treppen und unter Bezugnahme von einem Maschinen-Stundensatz von 160 Euro, eine Einsparung von 19200 Euro im Jahr. Dies sei für ihn eine überlegenswerte Größenordnung.

 

Technik für schwere Massivholzbearbeitung


Des Weiteren wurde die neue Maschine mit der Bezeichnung PE90 (eine getunte Variante einer PE 80) mit einem vollautomatischen Rüsttisch ausgerüstet. Bei diesem Tisch können alle Supporte gleichzeitig auf Position fahren und machen diese Lösung, wie der Vertriebsleiter betont, zur schnellsten Treppenmaschine, die Maka zur Zeit im Programm hat. In der Perleberg-Ausführung stehen 6 000 x 1 300 mm als Aufspannfläche zur Verfügung. Zusätzliche Flexibilität im Fertigungsspektrum bietet zudem der auf 400 mm erweitere Z-Verfahrweg (Standard 300 mm). Dies war eine Forderung von Ronald Plagens, um die immer größeren Bauteile beziehungsweise Konstruktionen bearbeiten zu können. Abgerundet wird die Leistungsfähigkeit der Anlage durch eine verfügbare Spindelleistung von 12 beziehungsweise 15 kW. Damit ist man in der Lage, auch mit großen Werkzeugen Massivholz bearbeiten zu können.


Das Positionieren des Rohmaterials auf der Maschine erfolgt jetzt über ein Lasersystem. Um dieses zu ermöglichen, musste das Hallendach mit einer extra Haube versehen werden, die die notwendige Höhe für den Einsatz des Lasers sicherstellt. Gesteuert wird die auf „Treppenbearbeitung“ optimierte Maschine über eine Siemens Sinumerik 840 DSL, OP 15 A PCU. Dies habe zwar einen erhöhten Schulungsaufwand für die Mitarbeiter nach sich gezogen, so der Geschäftsführer, aber die damit neu geschaffenen Möglichkeiten sprechen für sich.


Auf alle Fälle ist Ronald Plagens, wie er betont, von der Maka-Wertarbeit überzeugt. Dies spiegle sich auch im Service wider. Auf den sei Verlass, das könne er letztlich durch seine Erfahrungen mit der „Alt“-Maschine nur unterstreichen.

 

Neue Marktsegmente erschließen


Ronald Plagens blickt bereits weiter in die Zukunft voraus. Er sei immer wieder auf der Suche nach ergänzenden Fertigungsaufgaben, so sein Statement. Und mit der neuen Maka-Maschine habe er zum Beispiel vielfältige und jetzt weitergehende Möglichkeiten, spezielle Lohnfräsungen auszuführen. In diesem sich langsam entwickelnden Geschäftsfeld kann er bereits auf einen größeren Auftrag für einen Kunden aus dem Wasserbau, der Wehre baut, die mit Eichenbohlen abgedichtet werden, verweisen. Auch die Deutsche Bahn gehöre in diesem Segment mittlerweile zum Kundenkreis und in der spezialisierten Massivholz-Möbelfertigung sieht er durchaus ein Potenzial für sein Unternehmen. Im letzteren Segment hat er bereits einige kundenspezifische Stücke realisiert und sieht hier noch viel Luft nach oben. „Die Tischlereibetriebe müssen sich immer mehr spezialisieren, so wie wir uns auf Massivholz spezialisieren“, meint er. Da reiche es nicht mehr nur Innenausbauer oder Möbelfertiger zu sein. Aus seiner Tätigkeit bei den „Creativen Partnern“ – einem Firmenverbund von rund 200 Betrieben aus dem Bereich Innenausbau, Treppenbau und Fensterbau in Deutschland – wisse er, dass sich Betriebe im Innenausbau beispielsweise nur noch auf Arztpraxen konzentrieren, andere nur noch auf Apotheken oder Bücherläden. „Diese Firmen beschäftigen sich nicht mehr mit Massivholz, legen sich nicht, wenn sie eine Tresen-Platte machen müssen, einen Stamm Eiche hin“, meint der Geschäftsführer. „Diese kaufen zu. Dafür wollen wir bereit sein.“

www.ihre-treppe.de  
www.maka.com

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