Aggregate-Test- und Einfahrstand mit neuesten Frässpindelversionen 
Das Beste ist gerade gut genug

Die im Ostwestfälischen ansässige Grotefeld GmbH steht seit über 30 Jahren für Aggregatetechnik in höchster Qualität.

Die nahezu ausschließlich individuell nach Kundenvorstellung entwickelten und gebauten Komponenten sind in der Holz und Kunststoff bearbeitenden Industrie sowie dem Handwerk weltweit begehrt. Doch nicht nur in diesen Segmenten ist das Unternehmen erfolgreich. Die Neuigkeit: Die Innovationsschmiede in Espelkamp hat kürzlich mit der Baugruppenfertigung begonnen – ein strategisch kluger Schritt, der neue Marktpotenziale generiert. 

FRANK B. MÜLLER 

 

Gleich zu Beginn des Gesprächs mit der Geschäftsleitung Heidelore Grotefeld und Carsten Clauder wird deren zurückhaltend vorgetragener, jedoch sehr berechtigter Stolz auf ihr Unternehmen sowie dessen Mitarbeiter und Produkte deutlich.

 

Günter Grotefeld, Gründer und Entrepreneur


Denn, wie so oft und nicht nur für das „Möbelkernland“ Ostwestfalen typisch, begann die Grotefeld-Erfolgsstory in den 1960er Jahren in kleinem Stil und aus simplen Gründen – jedoch von Beginn an geprägt von einem Entrepreneur, der für das geflügelte Kanzlerwort „Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen“ nur ein müdes Lächeln übrig gehabt hätte. Es war Günter Grotefeld, der zuerst eine kleine Lohndreherei ins Leben rief, die er nur wenige Jahre später zu einem Sondermaschinenbauer formte. Im Fokus: Bohren, Sägen und Fräsen. Schnell aber wurde dem jungen Gründer klar, dass die damals marktgängigen Zerspanungskomponenten in den auszuliefernden Grotefeld-Maschinen seinen hohen Qualitätsanforderungen nur selten entsprachen.


Die Lösung lag gewissermaßen auf der Drehbank. Denn Grotefeld übernahm die Entwicklung und Produktion der Komponententechnik selbst, in einer ihm und seinen Kunden zufriedenstellenden, bisher nicht gekannten Top-Qualität. Als parallel in den 1970er Jahren sich der Maschinenbau grundsätzlich wandelte, der Wettbewerbsdruck und die Zahl der Anbieter stiegen, stellte das Unternehmen 1974 die eigenen Maschinenbauaktivitäten ein. Und spezialisierte sich ab diesem Moment uneingeschränkt auf den Aggregatebau für die mechanische Zerspanung.

 

Immer einen Schritt voraus


Dieser Schritt war ebenso mutig wie erfolgversprechend. Denn nur kurze Zeit später hatte ein Unternehmen nahe Ulm eine der ersten CNC-Maschinen für die Möbelbranche entwickelt – die dringend kluger Aggregatelösungen bedurfte. Ein kongenialer Fall für Günter Grotefeld und sein mittlerweile gewachsenes Team; das Unternehmen startete 1979 zusätzlich das Produktfeld „CNC-Aggregate“.


Wie in einer solcherart Ideenwerkstatt üblich, tüftelte der Inhaber weiter und entwickelte Anfang der 1980er Jahre die ersten abrufbaren Bohreinheiten. Über die damals noch mit dem Kopf geschüttelt wurde – „Wer braucht das denn?“ hieß es in der damaligen Serienmöbelwelt. Ein leider nicht seltener Fall, denn heute hinterfragt niemand mehr aus der Möbelindustrie die „Stückzahl 1“ und die dafür nötige Komponententechnik. Am Rande: Ein ähnliches Phänomen spielte sich einige Jahre später in gleicher Weise im Fall der von Grotefeld entwickelten Tastspindel für CNC-Maschinen ab.

 

Spitzenqualität als Minimalanspruch


So ist es insgesamt typisch für das Espelkamper Unternehmen, immer „die Nase im Wind“ zu haben. Was auf der anderen Seite „Kopierer“ natürlich geradezu magisch anzieht. Folglich kämpft das Unternehmen bis heute unter der Tandem-Führung Grotefeld- Clauder in einem wettbewerbsintensiven und zudem recht kleinen Marktsegment mit den Produktfeldern Bohr-, Zerspan-, CNC-Aggregate. Womit sich die Frage nach dem Vorsprung im Markt stellt. Die Innovationskompetenz wurde bereits angesprochen. Doch es gehört mehr dazu: Stichworte wie Kompetenz-, Know-how-, Qualitäts-oder Serviceführung beschreiben ebenso Grotefelds Position. Und das Festhalten am Standort Deutschland, mit dessen hochqualifizierten und unternehmenstreuen Leistungsträgern von der Konstruktion über die Fertigung bis zu Montage und Vertrieb.

 

Alles in und aus eigener Hand


Von den 30 Angestellten der Firma sind einige bereits mehrere Jahrzehnte „an Bord“. Die durchschnittliche Firmenzugehörigkeit ist einzigartig hoch, nicht nur im Sondermaschinen bzw. -aggregatebau. Das wiederum bewirkt eine hohe Akkumulation von Erfahrung und Wissen. Das sogenannte „Humankapital“ ist damit einer der größten Aktivposten für Grotefeld. Was natürlich den hohen Grad an Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und technologischem Know-how des Unternehmens geradezu beflügelt.


Ebenso treibt die extrem hohe Fertigungstiefe von über 90 Prozent die Firma voran. Sieht man von zugekauften Motoren und Lagern – also DIN-Teilen – einmal ab, ist alles andere „hausgemacht“. Das mag auf den ersten Blick betriebswirtschaftlich fragwürdig aussehen. Eine genauere Analyse beweist aber schnell, dass der Anspruch „Das Beste ist gerade gut genug“ nur durch diesen Weg realisierbar ist.

 

Image als Markenkern


Ein simples Beispiel: Schrauben oder Nutmuttern sind Massengüter, die immer „billiger“ im wortwörtlichen Sinn und damit zwangsläufig immer minderwertiger werden. Qualitätsware ist mittlerweile vom Weltmarkt verschwunden. Einzig mögliche Konsequenz: Lieber den fünffachen Aufwand akzeptieren und Nutmuttern selbst fertigen, als durch vorprogrammierte Reklamationen ausgelieferter Aggregate sowohl betriebswirtschaftliche als auch Image-Schäden in Kauf nehmen zu müssen. Denn der hervorragende Ruf von Grotefeld ist der wichtige Markenwert des Unternehmens. „Wir können nicht Masse und billig. Unsere in jedem Fall einzigartig nach Kundenwünschen gefertigten Komponenten sind Unikate, sind Sonderprodukte. Um mit hochwertigen, ja wirklich teuren Lösungen am Markt bestehen zu können, müssen wir den Qualitätsanspruch ohne Ausnahme durchgängig sichern“, so Inhaber Carsten Clauder.

 

Service und Support gemessen in Jahrzehnten


Ob direkt angetriebene Bohr-, Säge-, Fräs-Einheiten, ob einzeln abrufbare Bohrgetriebe mit Vorlegespindeln oder ob CNC-Aggregate – in jedem Einzelfall garantieren überdurchschnittlich hohe Standzeiten und minimale Folgekosten den Käufern der Grotefeld-Maschinenkomponenten einen wirklichen, messbaren Mehrwert. Ein kurzer ROI ist ein logisches, weiteres Argument für den nachhaltigen Erfolg der Produkte.


Apropos nachhaltig: Hierunter fallen auch Produktsicherheit und Servicebereitschaft, wie Geschäftsführer Clauder festhält. Beispielsweise komme es immer wieder vor, dass in den 1970er Jahren ausgelieferte Maschinen oder Aggregate Reparaturen oder Nachlieferungen bedürfen. Grotefeld kann Dank seines 14 000 Teile umfassenden Lagers und des zu Beginn der Unternehmensgeschichte eingeführten Seriennummern- Systems stets liefern. In spätestens einer Woche, im Notfall innerhalb von 24 Stunden ist dem Kunden geholfen. Manchmal auch noch nach über 50 Jahren, das ist man dem guten Ruf schuldig – obwohl die Garantie nach zehn Jahren üblicherweise endet.

 

Vom Möbel zu Wrigley‘s-Spearmint


Bei den Kunden punktet das. Deshalb wird die Empfängerliste von Grotefeld-Aggregaten von Jahr zu Jahr länger. Neben der Möbelindustrie gehören durch neue Werkstoffe, Konstruktionsprinzipien und Materialkombinationen heute höchst unterschiedliche Abnehmer zum Kundenstamm. Aggregateentwicklungen für die Automobil- oder Flugzeugbranche, also der klassischen Metallbearbeitung, bewegen sich noch im Rahmen. Wirklich anspruchsvoll sind aber Bearbeitungskomponenten für den Herstellungsprozess von Backwaren und Kaugummi; oder Aggregate mit tausenden Umlenkrollen für die Fertigung von agrarindustriellen Tomaten-Aufzuchtstationen, das Oktaven- oder Flötenloch-Bohren im Musikinstrumentenbau und deren wundersamen Anwendungen mehr.

 

Vom Abnehmer zum Entwicklungspartner


Mit dem „Aufbohren“ des ursprünglichen Kundenstamms ging die materialseitige Erweiterung der Grotefeld-Komponenten einher: Beginnend bei Sonderstählen und hochfestem Aluminium sind heute diverse Legierungen, Kunststoffe und vielleicht schon bald Carbon die Stoffe, aus denen neue Sonderkonstruktionen bei Grotefeld entwickelt werden. Mit diesem Zusammenspiel immer herausfordernder Kundenanforderungen und Materialien hat sich Grotefeld zum Exportmeister entwickelt. Beinahe jedes zweite Aggregat wird außerhalb Deutschlands verkauft. Maschinen-Erstausstatter, Händler, Werkzeughersteller und industrielle Endkunden – das sind die Säulen des Vertriebs. Und auch hier vollzieht sich ein Wandel: Aus ehemaligen reinen „Abnehmern“ sind inzwischen Entwicklungspartner geworden, die wichtige Impulse geben und andererseits nicht nur eine technische Lösung, sondern hohen Beratungsbedarf einfordern.

 

Baugruppenfertigung als neues Geschäftsfeld


So verschieben sich die Gewichte und das Unternehmen sieht sich für die Zukunft gut gerüstet. Eine Option ist die flächenmäßige Ausdehnung der Fertigung und Montage. Gut das Doppelte könnte die Betriebsfläche problemlos wachsen. Bei der Arbeitsgestaltung fährt Grotefeld am Limit – Rationalisierungspotenziale im Rahmen der eher manufakturähnlichen Einzelfertigung sind gering, die Arbeitszeit mit einer 42-Stunden-Woche gut genutzt.


Aber es gibt ja zudem die Möglichkeit der Erweiterung der Produktpalette. Das Unternehmen hat unlängst diesen Schritt gewagt und ist in das Geschäft der – nicht auf bestimmte Branchen festgelegten – Baugruppenfertigung erfolgreich eingestiegen. Das ist ein kleiner Bruch, denn nun rücken auch nichtspanende Produkte in den Mittelpunkt geschäftlicher Aktivitäten von Grotefeld. Seit wenigen Monaten beginnen sich nun völlig neue Beziehungen herauszubilden, neue Kunden werden akquiriert. Der Know-how-Transfer zwischen Ideen- bzw. Auftraggeber einerseits und Konstruktions- bzw. Fertigungsspezialist auf der anderen Seite erreicht damit ein völlig neues Niveau.

 

Die Chemie stimmt, der Erfolg ist treu


Einer typischen Lohnfertigung oder der Bauteile- Fertigung erteilt das Management jedoch eine klare Absage. Nein, es bliebe beim Anspruch „Qualität wie ein Schweizer Uhrwerk“ für alle drei bisherigen Sparten an Zerspanungskomponenten plus der neuen Baugruppenproduktion. Wobei sich auf letztgenanntem Geschäftsfeld der Schwerpunkt von der Fertigung viel stärker auf die Produktentwicklung verschiebt.


Zum Ende des Gesprächs verrät Heidelore Grotefeld noch ein „Unternehmensgeheimnis“ abseits von Technik, Produktion, Forschung, Ein- und Verkauf: Die Chemie müsse stimmen, so ihre Erfahrung. Mit den Kunden, den Lieferanten und, vor allem, mit den Mitarbeitern. Für diese scheint „die Chefin“ durch’s Feuer zu gehen. Umgekehrt wird ebenfalls ein (guter) Schuh daraus – denn auch der Verfasser dieses Artikels hat im Laufe des Gesprächs verstanden, wie vielschichtig und intensiv der Unternehmens-Claim „Die treibende Kraft“ in Espelkamp gelebt und verinnerlicht wird.

www.grotefeld.com

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Diesen Beitrag und weitere interessante Beiträge finden Sie in HOB 7/8.2014:

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