Das Logo des Leuco nn systems für diamantbestückte Plattenaufteilsägeblätter (Abb.: Leuco)
Werkzeuge anwendungsgerecht zugeschnitten

Holz-Handwerk Halle 9–228 Leuco
Holz-Handwerk Halle 10–209 AKE


 
Vor gut zwei Jahren wurde ein großes Verbundforschungsprojekt zur „Ganzheitlichen Lärmreduktion in der Holzbearbeitung“ (auch bekannt unter dem Kurztitel „Minus Zehn“) abgeschlossen, dessen Teilnehmerliste sich wie das Who-is-Who der Holzbearbeitung liest.

Neben drei Forschungseinrichtungen und 9 Maschinenherstellern haben auch 4 Werkzeughersteller mitgearbeitet. Was ist auf Seiten der Werkzeughersteller direkt oder indirekt dabei herausgekommen?

Da neue Werkzeuge häufiger gekauft werden als neue Maschinen würde sich hier besonders schnell ein positiver Effekt erzielen lassen.

 

DR. HANS-JÜRGEN GITTEL (Dr. Hans-Jürgen Gittel ist Geschäftsführer der StaeGi GmbH, Nürtingen, und Inhaber der Dr. Gittel Unternehmensberatung)

 

Beispiel 1


Leuco stellt zur Holz-Handwerk in Nürnberg neue Plattenaufteilsägeblätter unter dem Titel „NoNoise“ vor. Der ambitionierte Titel steht dabei nicht für die einfache wörtliche Übersetzung „kein Geräusch“, sondern für die Unterdrückung störender und nervender Geräusche an horizontalen Plattenaufteilsägen. Die Gestaltung der Werkzeuge lehnt sich an die zur Ligna 2013 vorgestellten Kappsägeblätter an, die sich bereits sehr bewährt haben.


Dabei geht es in erster Linie um die kleineren Plattenaufteilsägen für den Fertigschnitt an Einzelplatten oder Plattenstapeln mit geringer Höhe mit Sägeblattdurchmessern bis 450 mm. Der Haupteffekt der Lärmminderung resultiert aus der radikalen Neugestaltung der Spanräume in Vergleich zu dem ebenfalls mit PKD bestückten Vorgängermodell. Im Gegensatz zu den großen Plattenaufteilsägen zum Zuschnitt großer Stapel, die über den maximal möglichen Spanraum verfügen müssen, konnten die Leuco-Techniker für die kleineren Sägeblätter einen deutlich kleineren Spanraum entwickeln, der trotzdem nicht „stopft“. Kleinere Spanräume verursachen aber andererseits bedeutend weniger Verwirbelungen und damit weniger aerodynamischen Lärm, der als Pfeifton besonders unangenehm empfunden wird. Außerdem wird der Zahnrücken stabiler und steifer und bewirkt eine weitere Verminderung der Stammblattschwingungen. In Summe wird so ein Sägeblatt im Leerlauf um bis zu 6 dB(A) leiser, was fast einer gefühlten Halbierung des Lärmeindrucks entspricht.

 

Beispiel 2


ist zwar nicht auf der Holz-Handwerk zu sehen, stellt aber doch eine interessante Neuheit dar. Geräuschreduzierte Sägeblätter mit Laserornamenten, Ungleichteilung bei der Anordnung der Sägezähne am Umfang oder mit einem eingeklebten Folienring an einer Seite sind schon länger bekannt. Mit einem Blick über den Tellerrand der Branche war immer klar, dass es in der Gesteinsbearbeitung noch eine weitere bewährte Technik gibt: das Sandwichstammblatt. Dazu werden zwei dünne Ronden mit einer viskoelastischen Folie miteinander verklebt und daraus das Stammblatt gefertigt. In der Gesteinsbearbeitung haben diese Werkzeuge seit Jahren einen festen Platz. In der Holzbearbeitung zeigten sich einige schwierig zu lösende Probleme: Die höheren Löttemperaturen zerstörten die Kunststofffolie und sorgten für mangelhafte Zahnfestigkeit und das Richten und Spannen für die hohen Schnittgeschwindigkeiten erwies sich auch als schwierig. Schäffer Präzisionswerkzeuge aus Herford stellte sich dieser Herausforderung und präsentiert die Silent Cut – ein Hartmetall- Sägeblattprogramm, mit dem es gelungen ist, den Schnitt auch in schwierigen Materialien wie Aluminium, Kunststofffensterprofilen oder Hartholz entscheidend zu verbessern. Mit einer Weiterentwicklung der Zwischenschicht zu einer Kupferzwischenlage wurde es möglich, sogar noch eine Verbesserung der Lötfestigkeit der Zähne zu erzielen. Beim Löten entsteht ein Kapillarspalt, der sich mit Lot füllt und damit beide Stammblatthälften und den Zahn fest verbindet. Die niedrigere Geräuschentwicklung fällt schon bei stationären Maschinen auf, kommt aber insbesondere bei leichteren und halbstationären Maschinen zum Tragen und leistet damit einen unschätzbaren Beitrag zur Lärmminderung.


Bei stationären Maschinen geht auch Schäffer den Weg zu diamantbestückten Sägeblättern. Für stark abrasive Materialien wie Fensterprofile mit Glasfasern oder Steinwolle gab es bislang kaum befriedigende Lösungen. Konventionelle Diamantsägeblätter trennten zwar das harte und abrasive Profil langlebig und einigermaßen sauber, fransten aber die integrierte weiche Gummidichtung rasch aus und hartmetallbestückte Sägeblätter waren mit ihrer niedrigen Standzeit nicht wirklich industrietauglich. Hier setzt das Soft Cut-Sägeblatt von Schäffer an. Mit einer Kombination von Wechselzähnen mit Achswinkel und einem Räumzahn sowie ganz spezieller Zahngeometrie wird über einen langen Zeitraum eine qualitativ einwandfreie Trennung der Fensterprofile erreicht. Anwender berichten von Steigerungen von 20 Fenstern mit konventionellen Hartmetallsägen auf über 700 mit einer Soft Cut. Durch den Achswinkel an den Wechselzähnen bleiben auch die Spanräume vor zu starkem Verschleiß durch die Mineralwolleanteile weitgehend verschont.


Über das bereits zur Ligna 2013 von AKE vorgestellte SuperSilent-Sägeblatt wurde ja schon ausführlich berichtet. Diese Innovation im Formatkreissägebereich wurde am Markt so gut angenommen, dass es zwischenzeitlich zu Lieferengpässen kam. Inzwischen hat AKE die Fertigungskapazität deutlich ausgeweitet und bereits mehr als 1 000 SuperSilent ausgeliefert. Damit dürfte dieses Sägeblatt die erste PKD-Säge für stationäre Maschinen sein, das diese Marke „geknackt“ hat. Aber die Entwicklung geht weiter. Zur Holz-Handwerk stellt AKE den Harmony-Füge-Falz-Fräser für Tischfräsmaschinen vor. Während bei den Fügefräsern für Kantenanleimmaschinen schon länger mit innovativen Designs um die Minderung der Lärmentwicklung gekämpft wird, hielten die Füge-Falz-Fräser für das Handwerk noch einen Dornröschenschlaf. An ihrer Konstruktion hat sich im Prinzip seit den 80er Jahren nichts geändert. Vielleicht lag es daran, dass zu wenige verkauft wurden, vielleicht wurden aber auch zu wenige verkauft, weil die Konstruktion einfach nicht mehr zeitgemäß war.


Hintergrund für die neuen Gestaltungsmöglichkeiten der Grundkörper sind die Möglichkeiten moderner CNC-Fräszentren in den Fertigungsstätten, die eine strömungsgerechte Werkzeuggestaltung bei akzeptablen Bearbeitungszeiten und -kosten gestatten. Bei 8 000 min-1 ist der Harmony-Fräser um 4 dB (A) leiser als das Vergleichswerkzeug. Bei Diamantwerkzeugen sind die anfallenden Mehrkosten dafür relativ geringer, sodass die lärmgeminderten Konstruktionen insbesondere in dieser Werkzeuggruppe Verbreitung finden werden. Darüber hinaus gestatten die gesunkenen Materialkosten für PKD den Einbau von Schneiden unter einem größeren Achswinkel, ohne dass der Mehrverbrauch die Werkzeuge unbezahlbar macht. Im Falle des Harmony-Füge-Falz- Fräsers kommt noch der erstmalige Einsatz einer richtigen Falzschneide dazu, die die Oberfläche des Falzes zusätzlich glättet. Mit dieser außergewöhnlichen Schneidengestaltung setzt er neue Maßstäbe in der Schnittqualität im Füge-, vor allem aber im Falzbereich. Bei der internen Vorstellung des Werkzeugs wurden deshalb neben den üblichen Materialien von Spanplatte über MDF und Sperrholz auch eher komplizierte Werkstücke vorgelegt.


Nun sind schwarze Äste zwar nicht das typische Material in Schreinerei und Innenausbau, aber wenn auch diese sich in hoher Qualität bearbeiten lassen, ohne dass das Werkzeug Schaden nimmt, ist das ein gutes Zeichen für die Robustheit und Alltagstauglichkeit dieses PKD-Werkzeugs. Mit einem Preis um 450 € ist es sowohl erschwinglich als auch wirtschaftlich. Und unter 80 dB(A) bei 8 000 min-1 auf einer Tischfräse ist schon ein bisschen „Musik im Ohr“.


Im Überblick über die vorgestellten Innovationen werden mehrere Trends deutlich: Sägeblätter werden immer deutlicher auf Maschinen, Anwendungen und Materialien zugeschnitten. Dabei wird neben der Schnittqualität sehr stark die Lärmproblematik in den Vordergrund gestellt. Dass das nicht zwangsläufig zu ständigem Werkzeugwechsel führt, hat schon die SuperSilent von AKE bewiesen, hier lag der Schwerpunkt auf maschinen- und anwendungsgerechter Gestaltung. Die Leuco-Lösung für Fertigschnitte auf kleinen Plattenaufteilsägen nimmt ganz klar Bezug auf diese Maschinengruppe und verringert deren lästige Lärmentwicklung. Nur die Schäffer-Innovation Silent Cut hat eine breitere Basis und bietet noch zahlreiche weitere mögliche Anwendungsgebiete. Der zweite und meines Erachtens mindestens genauso wichtige Trend ist, dass das Diamantwerkzeug endgültig in den Standardanwendungen der Schreinerei und des Innenausbaus angekommen ist. Es ist robust genug für die meisten Anwendungen, es bietet hinsichtlich Lärm und Staub die besseren Lösungen und es ist in den letzten Jahren zunehmend preisgünstig und wirtschaftlich geworden. 

www.ake.de  
www.schaeffer-herford.de  
www.leuco.de   

 

Diesen Beitrag und weitere interessante Beiträge finden Sie in HOB 3.2014:

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