HOB im Gespräch mit ...

Michael Mühldorfer,

Leiter Produktmanagement bei Martin

 

 

 

 

 

 

Das bestmögliche Werkzeug an die Hand geben

Das Produktportfolio von Martin umfasst die Themen Sägen, Hobeln, Fräsen und Schleifen. Zu Märkten, Kunden, Formatkreissägen und ihren technischen Details sprach die HOB mit Michael Mühldorfer, Leiter Produktmanagement. 

Martin produziert neben Formatkreissägen auch Fräsmaschinen, Dicken- und Abrichthobelmaschinen sowie seit Kurzem Maschinen für das Quality Finishing. Welche Umfänge stecken dahinter?


Im Jahr produzieren wir etwas weniger als 1100 Maschinen, von denen 600 bis 700 auf Formatkreissägen entfallen. Der Rest teilt sich auf in Hobel- und Fräsmaschinen. Eine Sonderrolle spielt die Q-Fin. Hier ist die Produktion gerade angelaufen.

 

Nimmt man die Formatkreissägen, wie sieht hier das Spektrum aus?


Die Bandbreite bei den Formatkreissägen reicht von der Einsteigermaschine T60 A bis zur beidseitig schwenkbaren T75. Das Gros der verkauften Maschinen liegt dabei im oberen Preissegment. Das macht deutlich, dass unsere Kunden zum solventeren Kreis der Schreiner und Holzbauer gehören. Interessant ist, dass in den letzten Jahren die Mitte etwas gelitten hat. Repräsentiert durch die T65, ist hier eine gewisse Delle festzustellen, mit deren Anhalten wir mittelfristig auch weiterhin rechnen. Einsteigermaschinen und technisch hochstehende Maschinen verkaufen wir dagegen überdurchschnittlich gut.

 

Industrielle und handwerkliche Strukturen gehen heute zunehmend ineinander über ...


... an der Maschinentechnik festgemacht, haben Sie recht. Die Technologie, die noch vor 20 Jahren der arbeitsteiligen Fertigung vorbehalten war, hält seit Langem Einzug in alle Teilbereiche des produzierenden Gewerbes. Interessant ist, dass bestimmte Auslandsmärkte die handwerklichen Strukturen, die wir kennen, komplett überspringen. Man denke nur an Indien …

 

… dabei geraten Standardmaschinen, wie Martin sie herstellt, zunehmend unter Druck.


Das ist richtig. Die Art zu produzieren, hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren tiefgreifend verändert. Ausschlaggebend ist der immense Kostendruck, der dazu führt, dass der Schreiner in leistungsfähigere Technik investieren muss. Andererseits wird die Formatkreissäge noch über Jahrzehnte ihre Bedeutung in der Werkstatt behaupten. Aber die Wichtigkeit ist zurückgegangen. Insbesondere bei Betrieben, die Mainstream produzieren. In dieser sich verändernden Welt haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, unserem Kunden, dem Handwerker, das Bestmögliche für seine Zwecke anzubieten.

 

Apropos, wie sieht denn der typische Martin-Kunde aus?


Unser Kunde ist derjenige, der bestimmte Arbeitsprozesse noch mit der Hand erledigt. Dazu gehört jeder Anwender, der Holz, Kunststoffe oder NE-Metalle bearbeitet. Interessant ist, dass selbst große Betriebe wie Hülsta oder Team7 Abteilungen unterhalten, wo bewusst von Hand produziert wird. Die Philosophie solcher Unternehmen ist: Wir stellen Handwerksqualität her. Auch unser Kunde ist im Allgemeinen jemand, der auf hohe Qualität achtet. Daher berücksichtigt er beim Maschinenkauf Attribute wie Langlebigkeit, Präzision bis hin zu Prozesssicherheit. Oft ist der Martin-Kunde traditionell verhaftet, manchmal ist er auch etwas technikverliebt. Das kommt uns insofern entgegen, als wir bestimmte Maschinendetails immer wieder perfekt lösen wollen.

 

In welche Märkte gehen Ihre Lösungen dann?


Wenn man Einzelmärkte als Länder betrachtet, ist Deutschland mit 30, 35 Prozent der stärkste Markt. Die europäische Union als Einzelmarkt wiederum schlägt mit 80 Prozent zu Buche. Der verbleibende Rest wird weltweit verkauft. Weniger erfolgreich sind wir in Südostasien und Südamerika, weil der Preisunterschied zu den dort angebotenen Maschinen einfach zu groß ist. Außerdem ist die Wertschätzung für ein hochwertiges Produkt nicht da. Zugleich sind es überwiegend Märkte, die den direkten Sprung in industrielle Produktionsstrukturen machen. Diesen Ländern fehlen klassische handwerkliche Strukturen.

 

Wird Martin bei solchen Rahmenbedingungen die Fokussierung auf die aktuellen Produkte und Märkte beibehalten?


Nein, wir wollen zu einer Erweiterung kommen. Bestes Beispiel ist die Q-Fin, eine Maschine, mit der sich der Zwischenschliff bei der Fensterherstellung weitestgehend vermeiden lässt. Dabei haben wir uns sehr genau überlegt, mit welchem Produkt wir an den Markt gehen. Ich denke, dass wir mit der Q-Fin einen sehr guten Erfolg haben werden. Hier haben wir ein Thema gefunden, das den Leuten unter den Nägeln brennt.

 

Die Qualität Ihrer Produkte ist das eine. Wie aber erzeugen Sie diese Qualität?


Im Kern fertigen wir in Ottobeuren all das, von dem wir der Auffassung sind, dass es qualitätsprägend wirkt. Dazu gehören zum Beispiel werkzeugtragende Wellen oder Schwenkkonsolen. Schon vor Jahren haben wir die Entscheidung getroffen, die Fertigungstiefe, die früher bei circa 90 Prozent lag, auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Das betrifft auch Verbundständer, die noch bis vor sieben, acht Jahren aufwendig in Ottobeuren hergestellt wurden. Weil die Blechbearbeitung aus unserer Sicht aber nicht Hightech ist, lassen wir uns heute damit beliefern. Zu unseren Kernkompetenzen gehören das Drehen, Fräsen und Schleifen von Aluminium, Guss und Stahl. An einer Formatkreissäge festgemacht, werden zum Beispiel die Gusstischplatte oder die Schwenkkonsole als Rohgussteile eingekauft und bei uns komplett bearbeitet. Bei Aluminiumteilen sind das wiederum Besäumtische oder Besäumtischbalken, für deren Fertigung wir Strangpressprofile einkaufen und verarbeiten.

 

Um den mechanischen Komponenten Intelligenz einzuhauchen, bedarf es auch einer Steuerung und Software …


Natürlich. Dafür haben wir im Haus den Bereich Elektrik, der sich um Hauptmotoren bis hin zu Schaltschränken kümmert. Im Bereich Elektronik arbeiten wir bei der Konzeption der Steuerungen mit zwei deutschen Herstellern zusammenarbeiten. Mit einem dieser Hersteller haben wir 2006 eine Steuerung exklusiv für Martin entwickelt, die wir mit unserer eigenen Software versehen. Seit 2010 setzen wir uns immer intensiver mit Schneider auseinander, sodass mittlerweile ganze Maschinen auf Schneider umgestellt sind. Primär sind das Formatkreissägen wie die T75, T70 und T60.

 

Stichwort Formatkreissägen: Bis heute hat Martin hier regelmäßig Innovatives vorgelegt, wie das beidseitige Schwenken zeigt.


Im Gegensatz zu allen Wettbewerbern, die mittlerweile das beidseitige Schwenken anbieten, realisieren wir dieses Schwenken über einen dualen Antrieb der Schwenkkonsole. Beim beidseitigen Schwenken, das in der Totalen immerhin über einen Bereich von 92 ° geht, müssen Verstellgenauigkeiten von 0,01 ° eingehalten werden. Indem wir für das Verstellen zwei Kettenzüge verwenden, können wir das Fallen der Konsole in eine Richtung verhindern. Immerhin führt ein Sägeblatt, das sich bei einer Schnitthöhe über Tisch von 204 mm um drei, vier Hundertstel Grad schrägstellt, keinen präzisen Schnitt mehr. Mit unserer dauerhaften, wartungsfreien Lösung wird eine Präzision erzielt, die auf andere Art nicht zu erreichen ist.

 

Und im Softwarebereich?


Wir legen großen Wert auf die Funktionalität und Leistungsfähigkeit der Software. Oft gehen wir bei der Bereitstellung von Werkzeuginformationen für den Anwender den entscheidenden Schritt weiter. Ein Beispiel ist das Winkelschnittsystem Radiocompens für den automatisierten Längenausgleich auf der Quertischseite. Mit diesem System, das eine automatisierte Funkübertragung zwischen dem Quertisch, der Steuerung und den Längenanschlagelementen realisiert, lassen sich die Rüstzeiten für Winkelschnitte um bis zu 80 Prozent verkürzen. Weil wir alle Maschinen mit Werkzeugdatenbanken ausstatten, sind die Schnittstärken für Sägeblätter hinterlegt. Mit diesen Informationen kann die Maschine den Längenausgleich auch um die variierenden Schnittstärken korrigieren. Das ist ein Präzisionszuwachs, der teilweise entscheidend ist.

 

Die letzte Frage: Was gibt es Neues bei den Formatkreissägen?


Mit unserem Vakuumtisch haben wir ein neues Produkt, das an der einen oder anderen Stelle etwas pfiffiger als die der Wettwerber ist. Eine weitere Neuerung ist die T60 C, bei der wir mit einem Absatz von 200 Stück pro Jahr rechnen. Dieses Modell hat richtig eingeschlagen. Warum? Es ist schlicht und einfach ein Preis-Leistungs-Schlager.

www.martin.info

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Diesen Beitrag und weitere interessante Beiträge finden Sie in HOB 11.2015:

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