Als Teil des Amoras-Projekts kommt die größte Kunststoff-e-kette der Welt, die E4.350, zum Einsatz. (Bild: Igus)
Energieführen leicht gemacht

Energieketten versorgen Maschinen mit Strom, Daten sowie Medien und sind dabei ständig in Bewegung. Sie schützen die Leitungen vor Ausfall und Verschleiß. Somit sind Energieketten die „Nabelschnur des modernen Maschinenbaus“. Die geschlossenen Versionen, die Energierohre, schützen dabei die Leitungen vor Spänen oder Holzstaub. Seit den 70er Jahren fertigt die Igus GmbH aus Köln als eines der ersten Unternehmen Energiekettensysteme aus Kunststoff.

HARALD NEHRING 

Als die Firma Igus im Jahr 1964 in einer Garage in Köln-Mülheim gegründet wurde, konnte sich im Maschinenbau noch niemand Energieketten aus Kunststoff vorstellen. Bereits in den 50er Jahren kamen die ersten Ketten aus Stahl auf den Markt. Im Jahr der Erfindung der Kunststoffkette 1971 lieferte Igus die erste Energiekette aus. Seit 1983 entwickelte ein eigenes Konstruktionsteam das Kunststoffketten-Programm. Fortan standen bei Igus die Zeichen auf Wachstum: Immer mehr Kunden erkannten die Vorteile von Kunststoffketten: Sie sind leichter, preiswerter, gleitfähig und korrosionsbeständig. Verbunden mit niedrigeren Baukosten sind sie vor allem wartungsfrei, da sie nicht geschmiert werden müssen. Gemäß der Igus-Devise „meine-kette: Energieführen leicht gemacht“ konfiguriert, produziert und montiert das Unternehmen heute nach den Wünschen des Kunden das jeweils passende Energiekettensystem, die „Nabelschnur“ jeder modernen Maschine. Das erste spänedichte Energierohr wurde 1986 auf Wunsch eines Kunden entworfen. Dieser setzte Energieketten im Arbeitsraum der Maschine ein, wo ständig Holzspäne und Staub anfielen. Dort war der Leitungsverschleiß in der Energiekette höher, die erforderliche Lebensdauer damit nicht mehr vollständig gewährleistet. Gewünscht war eine Kette, die zwar beweglich ist, zugleich aber – ähnlich wie ein Rohr – Staub, Späne und andere Fremdkörper von den Leitungen und Schläuchen fernhält, montagefreundlich sowie aufklappbar ist. Das Ergebnis war 1987 das erste zweiteilige Energierohr R68.


Im Laufe der Zeit sind immer vielseitigere Ketten für neue Anwendungsbereiche hinzugekommen: Die Anwender wünschten sich stabile Ketten für lange Verfahrwege, torsionsfähige Varianten für 3D-Roboteranwendungen oder robuste Ausführungen für raue Umgebungsbedingungen. Bei der Befüllung der Energieketten ist die Qualität der Leitungen besonders wichtig, denn sie müssen immer höheren Taktzahlen, Beschleunigungen und Geschwindigkeiten standhalten. Aus diesem Grund entwickelt Igus seine Leitungen seit dem Jahr 1989 unter dem Namen „chainflex“ selbst. Igus chainflex-Leitungen sind Energie- und Datenleitungen, die speziell für den Einsatz in Energieketten konzipiert wurden. Je nach Bedarf lassen sie sich biegen oder sind torsionsbeständig. Heute liefert Igus über 1 000 verschiedene Leitungen ab Lager.

 

Investitionen in Forschung & Entwicklung


Durch jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung von Kunststoffen sind die Ingenieure bei Igus in der Lage, die verschiedensten Materialien miteinander zu kombinieren, um entsprechende Eigenschaften der Stoffe zu erreichen. Dabei greifen sie auf über 40 Werkstoffe aus der firmeneigenen Datenbank zurück. Synergien aus Forschung und Entwicklung im Bereich Gleitlager – dem zweiten großen Geschäftsfeld des Unternehmens – sind bei Igus üblich. In Köln betreibt Igus seit über 20 Jahren ein inzwischen auf 1 750 m2 angewachsenes Testlabor, um Energieketten und chainflex- Leitungen zu prüfen. Jährlich werden dort über zwei Milliarden Testzyklen an über 50 Versuchsanlagen absolviert. Durch die Dokumentation in der firmeneigenen Datenbank kann die Lebensdauer der Produkte verlässlich berechnet werden. Mit diesem Wissen können die Kunststoffspezialisten bei Igus die Materialien von Ketten und chainflex-Leitungen noch präziser aufeinander abstimmen.

 

Zum Systemlieferant entwickelt


Daher ist Igus im Laufe der Unternehmensgeschichte immer mehr zu einem Systemanbieter herangewachsen. Durch die perfekte Abstimmung von Kette und Leitung kann Igus seit über 20 Jahren unter der Bezeichnung „readychain“ Energieketten als fertige Systeme anbieten, die kundenspezifisch konfektioniert werden. Weil alle Komponenten das Igus-Testsiegel tragen, übernimmt das Unternehmen für die Gesamtsysteme eine einzigartige Lebensdauer- und Funktionsgarantie.

 

Energieketten – größer, länger, schneller


Die derzeit längste Kette mit 615 m Verfahrweg steht in Tschechien. Die Anlage ist an der Fördereinheit eines Braunkohlebaggers installiert und trotzt selbst größeren Verschmutzungen. Auch hier sind Rollen in den Kettengliedern gelagert, damit sich die komplette Kette leichtgängiger bewegen lässt. In der Kette befinden sich chainflex- Leitungen, die mit ihr perfekt harmonieren. So war es möglich, bei dieser Anwendung die Ausfallzeiten durch Kabelbrüche auf Null zu reduzieren. Die größte Kette aus dem Igus-Sortiment läuft auf einer Brücke in Antwerpen. Diese wiederum steht über einem großen Becken, in dem Schlick und Brackwasser aus dem Hafen aufbereitet werden. In der Kette befindet sich ein großer Schlauch, der den Schlick absaugt. Das Gewicht des Schlauchs beträgt etwa 100 kg pro Meter. An einem Datenhandschuh, der in einer virtuellen Segelanwendung zum Einsatz kommt, ist die kleinste Kette von Igus befestigt. Die sogenannte easy chain mit einer Innenhöhe von nur fünf Millimetern schützt die Sensoren in den Handschuhen, die hohen Belastungen standhalten müssen. Außerdem können die Handschuhe durch die Kette einfacher an- und ausgezogen werden. Im Jahr 2010 wurde das RX-Rohr von Igus vorgestellt, welches das dichteste Produkt aus dem großen Sortiment des Unternehmens ist. Hier werden nahezu 100 Prozent der typischen Verunreinigungen wie Holzspäne oder -staub vom Innenraum ferngehalten. Dennoch lässt sich das Rohr leicht öffnen und einzelne Glieder können ohne Probleme dem Rohr hinzugefügt oder abgenommen werden.

 

100 000 Produkte


Seit fünf Jahrzehnten bestimmt die Lösungsorientierung die Leitlinie des Kunststoffspezialisten, der als Pionier den Einsatz und die Entwicklung tribologisch optimierter Polymere im Maschinenbau vorangetrieben hat. Aus den beiden Hauptkunden der ersten Jahre sind mittlerweile rund 200 000 Endkunden auf dem gesamten Globus geworden, die sich auf ein dichtes Vertriebs-, Service- und Logistiknetz für die über 100 000 Igus-Produkte verlassen können. Fortschritt ist und bleibt ein großes Thema bei Igus: Allein auf der diesjährigen Hannover Messe hat Igus wieder 114 Neuheiten und Programmerweiterungen präsentiert. Innovationen hat Igus auch in Zukunft fest im Blick. Insbesondere in Kombination mit Produkten aus dem Geschäftsfeld Gleitlager eröffnet der „motion plastics“-Ansatz – Hochleistungskunststoffe in Bewegung – viele ungeahnte Möglichkeiten. 

www.igus.de

 

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