Wolfgang Augsten, Homag Group
50 Jahre Holzma

Vom 20. bis 23. September hat Holzma den Holzma Treff 2016 veranstaltet. In diesem Jahr stand die Hausmesse, an der rund 2000 Besucher teilnahmen, ganz im Zeichen des fünfzigjährigen Firmenjubiläums. Zu den aktuellen Entwicklungen des Unternehmens sprach die HOB mit Wolfgang Augsten, als Executive Vice President zuständig für die Business Unit Plattenaufteiltechnik in der Homag Group.


Herr Augsten, Holzma feiert in diesem Jahr das fünfzigste Firmenjubiläum. Ein willkommener Anlass, auf das Erreichte zu schauen und den Blick nach vorn zu richten. Was sind die Themen, die Holzma derzeit am intensivsten beschäftigen?


Wolfgang Augsten: An erster Stelle geht es für uns darum, die Position als Weltmarktführer, die sich Holzma erarbeitet hat, zu verteidigen und auszubauen. Auf der technischen Ebene tun wir das in mehreren Richtungen. Dazu gehören Maschinenkonzepte in ihrer ganzen Breite, dazu gehören aber auch zunehmend Konzepte im Kontext von Industrie 4.0. Denn neben dem klassischen Maschinenbau, der vor allem in die Mechanik der Fertigungslösungen eingreift, geht die Entwicklung zunehmend in Richtung Vernetzung, intelligente Softwarelösungen und Bedienkomforterhöhung. Das sind die Themen, mit denen wir uns derzeit intensiv beschäftigen und von denen wir glauben, dass wir damit unsere führende Marktposition weiter ausbauen können.

 

Sie haben die Weltmarktführerschaft von Holzma bei den horizontalen Plattenaufteilsägen herausgestellt. Woran macht sich diese Rolle fest?


In der Homag Group können wir unsere internationalen Auftragsanfragen und Aufträge sehr genau beobachten und analysieren. Wir wissen, welche Aufträge wir weltweit erhalten und welche nicht. Legt man diese Analysen zugrunde, sind wir beim Umsatz wie auch bei den Stückzahlen Weltmarktführer. Zugleich bieten wir ein Programm von Plattenaufteilsägen an, das von der Größe S bis XXL reicht und das Lösungen für den kleinen Tischler oder Innenausbauer bis zum Großunternehmen enthält. Damit sind wir in der Lage, Konzepte zur Serien- und Losgröße-1-Fertigung ebenso anzubieten wie Einsteigermaschinen oder komplexe Integrationen in Fertigungsstraßen. Diese Bereiche decken wir – noch dazu mit verschiedenen Lösungen – voll ab. Zählt man all diese Fakten zusammen, fällt es mir schwer, einen Marktbegleiter mit ähnlicher Produktbreite zu finden.

 

Welche Neuentwicklungen gibt es, die zu dieser Marktführerschaft beitragen?


Mit dem module45 haben wir zum Holzma Treff 2016 eine Neuheit im Bereich des Gehrungsschnittes präsentiert. Durch dieses Modul, mit dem sich alle Modelle der Baureihen 2, 3 und 4 sowie die HPP 130 ausrüsten lassen, können auf einer Holzma Säge nun auch Gehrungsschnitte von 1 bis 45° ausgeführt werden. Abhängig von Baujahr und Modell lassen sich mit dem module45 zudem bereits ausgelieferte Maschinen nachrüsten. Das Modul bietet dabei nicht nur eine einfache Einmannbedienung - weil weniger Transportschäden auftreten, können damit auch der Ausschuss verringert und die Qualität erhöht werden.

 

Zu sehen war auf dem Holzma Treff auch ein neues Bediener-Assistenz-System.


Genau. Ein wichtiges Element dieses neuen Systems ist eine LED-Leiste im Bereich des Druckbalkens entlang der Schnittlinie. So führen wir den Maschinenbediener über Lichtsignale durch den Bearbeitungsprozess. Hintergrund dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass zum einen die Technologien komplexer werden und damit auch die Steuerung. Zum anderen haben wir aktuell einen Trend zum Fachkräftemangel - oder, weltweit betrachtet, häufig ungelerntes Bedienpersonal an der Säge. Mit dem neuen Bediener-Assistenz-System "LED" unterstützen wir hier unsere Kunden. Wir ermöglichen das Arbeiten an einer Druckbalkensäge, indem wir den Bediener beim Plattenzuführen oder Aufteilen führen. So weiß jeder Mitarbeiter intuitiv, ob er das Bauteil als nächstes erneut zuführen, drehen oder zwischenstapeln muss. Erhältlich ist das Bediener-Assistenz-System ab sofort für fast alle Modelle der Baureihen 3, 4 und 5.

 

Neben Lösungen für Holzwerkstoffe sieht Holzma insbesondere im Non-Wood-Geschäft und im Industriebereich Wachstumschancen beim Aufteilen plattenförmiger Werkstoffe. Wie werden diese Chancen umgesetzt?


Als erstes möchte ich betonen, dass Holzma, wenn vom Non-Wood-Bereich die Rede ist, den Fokus auf die Kunststoffverarbeitung legt. Das schließt nicht aus, dass wir im Einzelfall prüfen, ob es Lösungen für andere Anwendungsgebiete gibt. Auf die Kunststoffverarbeitung werden wir uns auch künftig konzentrieren, wofür es ein spezielles Produktprogramm im Portfolio gibt. Diese sogenannten P- oder Plastics-Lösungen werden auf der Basis etablierter Baureihen erstellt. Mit der Homag Group hat Holzma dafür ein weltweit aufgestelltes Vertriebssystem im Rücken, mit dem auch Zielgruppen erreicht werden, die nicht unmittelbar aus der Holzverarbeitung stammen.

 

Neben der Kunststoffbearbeitung hat Holzma als weiteres Wachstumsfeld den Industriebereich für sich ausgemacht.


Kennzeichen dieser Entwicklung ist unsere HPS 320 flextec, die wir im letzten Jahr auf der Ligna vorgestellt haben. Im Zusammenspiel von Robotik und Sägetechnologie haben wir damit ein einzigartiges Konzept für die Losgröße-1-Fertigung auf den Markt gebracht. Alle bisherigen Anfragen und Kaufabschlüsse bestätigen uns darin, dass in der industriellen Fertigung ein Trend von der Massenproduktion hin zur Losgröße-1-Fertigung besteht. Dafür liefern wir Lösungen. So konnten wir erst kürzlich in China, wo die großen Hersteller häufig in Masse fertigen, ein Großunternehmen von dieser Lösung überzeugen. Dieser Hersteller hat sich gleich für den Kauf mehrerer HPS-Zellen entschieden, mit denen er das Losgröße-1-Konzept in seinen Werken umsetzt.

 

Wenn man die HPS 320 flextec im ersten Schritt über die Hardware charakterisiert, ist das Handlingsystem, sprich die Robotik, das Besondere. Soll diese Richtung bei Industrielösungen vermehrt vorangetrieben werden?


Die HPS 320 flextec kann, je nachdem, wie hoch die Integration in einem Industriebetrieb ausgeführt werden soll, als Stand-Alone-Maschine mit Abstapelkonzepten betrieben oder in eine Fertigungsstraße integriert werden. Das ist sehr individuell. Inzwischen gibt es Kunden, die mit einer Einzelmaschine arbeiten, aber auch Kunden mit zwei Maschinen, die spiegelbildlich zueinanderstehen. Es gibt aber auch Lösungen, die in Fertigungsstraßen integriert wurden. Damit haben wir eine Maschine, die vom Invest her sehr attraktiv ist und die dem Kunden die Möglichkeit bietet, die Automatisierung in seinem Unternehmen schrittweise bis hin zu einem Fertigungsstraßenkonzept voranzutreiben.

 

Holzma will eigenen Aussagen zufolge das Produktportfolio in den nächsten Jahren durch gezielte Innovationen und Investitionen in neue Technologien erweitern. Was können Sie aktuell zu diesen Bestrebungen sagen?


Eine ganz wichtige Richtung sind die erwähnten Roboterlösungen, die als hochintegrierte Systeme für Automatisierung stehen. Weil sie sich variabel in Einzel- und Gesamtanlagen betreiben lassen, sind diese Lösungen für viele unserer Kunden interessant. Mit der Robotik schaffen wir zudem eine technische Voraussetzung für die Datenvernetzung innerhalb eines Unternehmens. Verallgemeinernd kann man sagen, dass wir für die Zukunft Systeme brauchen, die Informationen über Maschinenzustände in ein Gesamtkonzept einspeisen, mit dem vorbeugend reagiert werden kann. An diesen Systemen arbeiten wir.

 

Der Weg zu höherer Fertigungsqualität, Flexibilität und Effizienz in der Fertigung führt heute über Automatisierung, Vernetzung und frei fließende Prozesse. Welche Konzepte beschäftigen Holzma hier momentan?


Zunächst möchte ich betonen, dass die Hardware die Grundlage jeglicher Vernetzung ist. Hier profitieren wir seit Jahren von der Kompetenz der Homag Group, zu der wir seit 1987 gehören. Was die Softwaresysteme von Holzma betrifft, entwickeln wir die etablierten Programme seit Jahren kontinuierlich weiter. Ein Ergebnis ist zum Beispiel die neue Version der Optimierungssoftware Schnitt Profi(t), die wir auf dem Holzma Treff vorgestellt haben. Auch bei der übergeordneten Maschinensteuerung Cadmatic arbeiten wir derzeit an Neuerungen. Außerdem beschäftigt sich die Homag Group mit übergeordneten Software-Leitsystemen, wozu unter anderem die Integration von ERP-Daten aus Kundensystemen gehört. Ziel ist es, künftig umfassende Daten zu den Maschinenzuständen, Prozessen oder Ablaufstörungen zu gewinnen und für den Prozess gewinnbringend einzusetzen.

 

Welche konkreten Weiterentwicklungen bietet die aktuelle Version von Schnitt Profi(t)?


Im Mittelpunkt der aktuellen Weiterentwicklung stand die verbesserte Kommunikation von Schnitt Profi(t), Säge und Lager. Dabei wurde mit der neuen Version auch das automatische Reservieren von Platten beim Optimierungsprozess ermöglicht sowie die Parametrisierung für robotergesteuerte Konzepte verbessert. Nicht zuletzt lassen sich mit der Version 10.02, die ab November offiziell zur Verfügung stehen wird, auch Kleinteile noch effektiver verschachteln.

 

Weitere Bereiche, die in der modernen Fertigungslandschaft immer wichtiger werden, sind Handling-Systeme und die Vernetzung. Wie äußert sich das bei Holzma?


Das Thema Automatisierungstechnologie bilden wir in der Homag Group über unsere Schwesterfirma Homag Automation ab. Als Hersteller von Druckbalkensägen bedienen wir uns der Kompetenz der Säge-Lager-Kombinationen. Bei der Konzeption der standardisierten Lagersysteme arbeiten wir eng mit Homag Automation zusammen. So werden etwa neue Marktanforderungen gemeinsam analysiert, um gegebenenfalls Einzelanwendungen, die sich daraus ergeben, zu erkennen und das Potenzial für Serienanwendungen zu bewerten. Als Holzma stellen wir dafür standardisierte Schnittstellen zur Verfügung, auf die Homag Automation mit den Handling- und Automationssystemen zugreift. Gegenüber dem Kunden treten wir bei dem Zellengeschäft dann als Projektführer auf.

 

Neben Holzbronn produziert Holzma in Barcelona, Shanghai, Sao Paulo und Bangalore. Welche Entwicklung nehmen diese Standorte?


Während wir am Stammsitz Holzbronn die gesamte Entwicklung der Baureihen 3, 4, 5 und 6 betreiben, ist das Werk in Barcelona für die Entwicklung der Baureihen 1 und 2 verantwortlich. In Shanghai fertigen wir die zwei Varianten der HPP 180 für den asiatischen und speziell den chinesischen Markt. Wir betreiben hier auch die Entwicklung lokaler Adaptionen, weil chinesische Ansprüche teilweise von den europäischen oder amerikanischen Anforderungen abweichen. In Sao Paulo produzieren wir seit längerer Zeit bestimmte Modelle der Baureihe 1 in zwei Varianten. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation in Brasilien sind die Stückzahlen im Augenblick aber etwas zurückgegangen. In Bangalore haben wir in diesem Jahr die Produktion gestartet. Hier fertigen wir all jene HPP 130 Sägen, die in den indischen, aber auch in den kompletten asiatischen Markt gehen. Dem Thema marktgerechte Positionierung unserer Produkte unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten, das sich in diesen Standorten ausdrückt, werden wir uns künftig noch viel intensiver widmen.

 

Während asiatische Kunden ihren Bedarf an High-End-Maschinen noch immer aus Europa decken, geht die Tendenz bei der Maschinenproduktion vor Ort zunehmend in den mittleren Bereich?


Ja, diese Tendenz sieht man zum Beispiel bei unseren chinesischen Marktbegleitern. Im High-End-Bereich glauben wir hier, die größere Erfahrung bei der Projektierung zu haben, aber auch hinsichtlich des Maschinenbaus vertrauen wir unserer Kompetenz. Doch selbstverständlich beobachten wir unsere Marktbegleiter vor Ort und nehmen sie sehr ernst.

 

Die Frage nach den Standorten beinhaltete auch deren Entwicklung …


Wie beim Standort Holzbronn, wo wir seit 2009 kontinuierliche Steigerungen verzeichnen, registrieren wir auch für Barcelona eine sehr gute Entwicklung. Und mit den chinesischen Standorten, die sich schon immer gut entwickelten, haben wir inzwischen eine gute Marktabdeckung in China erreicht. Zugleich erwarte ich hier durch die verstärkte Regionalisierung unserer Produkte ein weiteres Wachstum im Bereich kleinerer Kunden und der Industrie. Die Steigerungsraten im indischen Markt, wo wir mit der Fertigung der HPP 130 gerade erst begonnen haben, sind sehr erfreulich. Allerdings sind die absoluten Zahlen noch überschaubar und liegen deutlich hinter China. Weil wir die HPP 130 aber auch für andere Regionen des asiatischen Marktes produzieren, wird der Absatz in den nächsten zwei, drei Jahren deutlich zunehmen. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Schwerpunkt unserer Aktivitäten derzeit ganz klar China ist.

 

Herr Augsten, eine Frage die aus Ihrem persönlichen Werdegang herrührt: Bei Ihrem Amtsantritt als Geschäftsführer von Holzma vor rund einem Jahr haben Sie den Fokus auf ein kontinuierliches, organisches Wachstum gelegt. Welche Zwischenbilanz können Sie heute ziehen?


Als Business Unit Panel Dividing sind wir verantwortlich für das gesamte Sägengeschäft der Homag Group weltweit. Kontinuierliches Wachstum ist für uns die Voraussetzung, die Entwicklung von Produkten vorantreiben zu können. Wir sind davon überzeugt, mit unseren Produkten die richtigen Antworten für die Zukunft zu haben, um auch weiterhin ein jährliches Wachstum generieren zu können. Das heißt ganz klar: Wir wollen Marktanteile von unseren Marktbegleitern gewinnen. Das ist uns in den letzten Jahren gelungen, und da wird es weitergehen. Was das Geschäftsjahr 2016 betrifft, können wir schon heute sagen: Es läuft sehr erfolgreich.

www.holzma.de

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Diesen Beitrag und weitere interessante Beiträge finden Sie in HOB 9.2016:

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