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Standardelemente variabel aufteilen

Die Firma Günthner ist ein Hersteller von Kastensystemen für Sonnenschutz, der Standardprodukte in kleinen Serien fertigt. Das Aufteilen der nötigen Plattenwerkstoffe übernimmt seit Kurzem eine Kombi-Anlage von Holz-Her, bestehend aus einem Plattenlager Store-Master 5110 mit Etikettierstation ETR 300, einer Plattenaufteilsäge Tectra 6120 power und einer Nesting-CNC Dynestic 7516.

MICHAEL HOBOHM

 

Hochwertige Kästen für Rollläden und Raffstores sind pflegeleicht, licht- und witterungsbeständig, weisen gute Schall-, Wärmedämmungs- und Brandschutzeigenschaften auf und ermöglichen die einfache, wirtschaftliche und stabile Montage. Diese Eigenschaften kombiniert, bieten sie großes Energiesparpotenzial und tragen zur Erhöhung des Wohnkomforts bei. Circa 12000 hochwertige Kastensysteme aus der Flexi-Produktreihe pro Jahr stellt die Josef Günthner GmbH & Co.KG in Rottweil her. 1898 als Wagnerei gegründet, dann als Sägewerk fungierend, hat sich das Unternehmen später als Hersteller von Holzklapp- und -rollläden etabliert. Nachdem sich das Material zur Rollladenherstellung jedoch mit den sechziger Jahren mehr und mehr in Richtung Kunststoff verschob, stellt Günthner heute Holzrollläden nur noch in kleinen Stückzahlen her. Mit 70 Mitarbeitern produziert Günthner in Rottweil Kastensysteme und Rollläden für den Neu- und Altbau. Die Abnehmer dieser Produkte stammen zu 40 Prozent aus dem Bauträgergeschäft und zu 30 Prozent aus dem Holzbau. „Weitere 15 bis 20 Prozent repräsentieren Rohbauunternehmen, für die wir Flexi-Kästen fertigen, die in die Rohbauwand eingebaut werden. Der Rest verteilt sich auf Kunden aus dem Fensterbaubereich, die Einzelteile zukaufen, sowie private Abnehmer, für die wir zugekaufte Tore, Markisen und Terrassendächer montieren“, sagt Geschäftsführer Martin Günthner. „Dass wir beides machen – produzieren und montieren –, unterscheidet uns von Betrieben mit ähnlichem Produktspektrum. So können wir bei Problemstellungen, die bei der Montage vor Ort auftreten können, unsere Produkte schnell verbessern und somit notwendige Änderungen sofort in die Fertigung einfließen lassen. Wir ziehen unser technisches Produkt-Know-how aus der täglichen Arbeit bei der Montage.“

 

Standardprodukte flexibel herstellen


Die Fertigung in Rottweil ist aus der Historie heraus eher handwerklich ausgerichtet. „Allerdings bewegen wir uns im Übergangsfeld zu industriellen Fertigungsprinzipien – ein nicht ganz einfacher Schritt, den wir in den nächsten Jahren gehen werden“, schätzt Günthner ein. Gefertigt wird auftragsbezogen in kleinen Serien, wobei die Herstellung gewöhnlich in Standardprodukten erfolgt. „Das Flexi-Kastensystem von Günthner untergliedert sich in Flexi 4.0 für den Massivhausbau und in Flexi Fix für die Holzständerbauweise. Maßgebend für beide Systeme ist eine flexible und variable Gestaltung der jeweiligen Produktabmessungen und -formen. Günthner richtet sich dabei nach dem jeweiligen Wandaufbau, alle Systeme sind individuell anpassbar. Neben der Konfektion der Kastensysteme, der dazugehörigen Rollladen- oder Raffstorebehänge sowie dem Einsatz von eigens entwickelten Führungsschienen bietet das Unternehmen exklusiv die Möglichkeit, bei bodentiefen Fenstern in das jeweilige Element eine Glasscheibe als absturzsichernde Verglasung zu integrieren. Das entsprechende Produkt tosafe wurde vom Institut IFT aus Rosenheim geprüft und kann so bis zu einer Breite von 3000 mm als bauaufsichtlich zugelassenes Produkt eingesetzt werden. Diese Flexi Fix-Elemente, die überwiegend aus Plattenmaterialien bestehen und innen mit einer Wärmedämmung ausgefacht werden, nehmen später Komponenten wie die Rollladenwelle oder den Rollladenpanzer auf. Für die Herstellung der Holzbauelemente werden OSB-, Span-, Dreischicht- und Phonothermplatten, aber auch Fermacell- und Rigipsplatten eingesetzt. Nach dem Zuschnitt dieser Platten auf einer Druckbalkensäge oder dem Nesten, Bohren und Fräsen auf einer Nesting-Anlage gehen die fertigbearbeiteten Teile in die Montage, wo sie zu den Holzbauelementen verleimt, verschraubt und vernagelt werden. Dabei wird auch das spezifische Innenleben wie Rollladenmotoren oder Gurtbedienungen verbaut. Schließlich werden die Elemente auf Paletten verpackt und zum Kunden verschickt. „Das Know-how für die Entwicklung solcher hochwertigen Holzbauelemente ziehen wir insbesondere aus der Montage im Massivhausbereich“, bekräftigt Günthner noch einmal.

 

Gesamtkonzept gesucht


Die Plattenwerkstoffe zur Herstellung der Holzbauelemente bearbeitet Günthner heute mit einer Komplettlösung von Holz-Her. Neben einer Plattenaufteilsäge Tectra 6120 power und einer Nesting-Maschine Dynestic 7516 besteht diese Anlage aus einem Plattenlager Store-Master 5110 mit ETR-300-Etikettierstation, das beide Aufteilmaschinen mit Plattenwerkstoffen versorgt. „Wir hatten bereits vor dieser Kombi-Anlage eine Säge und eine Nesting-CNC, die aber beide überaltert waren und ersetzt werden mussten. Nicht mehr zeitgemäß waren zudem die Lagerung und der Transport der Platten mit Vakuumhebern. Hier wollten wir unsere Mitarbeiter entlasten und Ordnung ins Lager bringen“, berichtet der Geschäftsführer. „Das separate Ersetzen der beiden alten Maschinen kam dafür nicht infrage. Wir wollten ein Gesamtkonzept.“


Vor einem Jahr sah sich Günthner dann ein solches Konzept bei einem anderen Fertigungsbetrieb an. Sofort war klar: Genau das sollte es sein. Also informierte er sich bei verschiedenen Herstellern und lud sie nach Rottweil ein, wo sie ihren Entwurf vorstellen sollten. Dass man sich schließlich für Holz-Her entschied, geht neben der Maschinentechnik auf eine gute räumliche Anordnung des Konzeptes, die regionale Nähe zum Anbieter und das schlüssige Softwarepaket zurück. Seit Ende Mai ist die Anlage, die parallel zu den damals noch arbeitenden alten Maschinen aufgebaut wurde, im Haus.

 

Mit Standardmaschinen flexibel aufteilen


Das Nesten von Plattenwerkstoffen einschließlich Fräsen von Nuten sowie Setzen von Bohrungen und größeren Fräsungen führt inzwischen eine Dynestic 7516 in Standardausführung mit Beschickungseinrichtung aus. Mit der Coldgun wurde als Option eine Einrichtung zum Kühlen der Werkzeuge und Anblasen der Werkstücke auf die Maschine genommen, um die Nesting-CNC künftig auch zur Bearbeitung von Aluminiumplatten einsetzen zu können. Ein Wunsch von Günthner war es zudem, dass zwei genestete Platten auf das Abnahmeband geführt werden, damit der Bediener die fertigen Nester besser abnehmen kann. „Wir haben daher ein doppelt so langes Abförderband bereitgestellt“, berichtet Dietmar Fröhlich, Gebietsverkaufsleiter bei Holz-Her. „Damit die Maschine das erste und das zweite Nest erkennt, wurden die zugehörigen Vorgänge natürlich auch in die Steuerung integriert.“ Auch bei der Druckbalkensäge Tectra 6120 power, die heute direkt belegt wird, handelt es sich um eine Standardausführung. Alle Platten werden vor dem Zuschnitt aus dem Store-Master 5110 auf die Etikettierstation ETR 300 gebracht, hier etikettiert und dann der Säge beziehungsweise Nesting-CNC zugeführt.

 

Aufträge effizient abarbeiten


Die Kundenaufträge, die hinter dem Zuschnitt liegen, erfasst und optimiert Günthner in der AV in einem Pool. „Aus dem Pool ziehen wir dann die Zuschnittaufträge heraus und nehmen – unterteilt in Säge- und Nesting-Aufträge – eine Optimierung vor“, erläutert Berthold Bauer, Produktmanager bei Günthner. „Nach der Bearbeitung führen wir die Kundenaufträge vor der Montage wieder zusammen. Dafür wird jedes einzelne Teil auf der ETR 300 etikettiert und einem Bauvorhaben zugeordnet. Die Etiketten werden darüber hinaus für die eindeutige Zuordnung auf der Baustelle genutzt.“


Für das Abarbeiten der Zuschnittaufträge verwendet Günthner CSV-Dateien, die von AV-Software ausgegeben, in die Holz-Her-Optimierung eingespielt und dort verarbeitet werden. „Das ist eine sehr einfache, praktikable Lösung. In der CSV-Datei müssen nur wenige Angaben gemacht werden, den Rest erledigen die Maschinen“, betont Bernd Keller, Produktmanager bei Holz-Her. „Dabei werden die Aufträge für die Nesting-Anlage und die Säge über unseren Fileparser eingelesen. Anschließend erfolgt die Optimierung an der Nesting-CNC mit Betternest und an der Säge mit der Opti-Pro Optimierungslösung als Netzwerklizenz.“

 

40 Prozent Zeit sparen


Aus dieser einfachen Vorgehensweise von der AV bis zum Zuschnitt resultiert für Günthner ein wesentlicher Effekt. „Wir fertigen heute die Holzbauelemente um etwa 40 Prozent schneller“, so der Geschäftsführer. „Für ein Bauteil müssen wir nur noch einmal die Maße anlegen. Dann gehen die Daten per CSV-Datei in die Anlage, wo materialoptimiert zugeschnitten wird. So muss an der Nesting-Anlage mittlerweile auch kein Standardteil mehr programmiert werden. Das läuft alles über die Excel-Datei.“ Bei der alten Maschine gab es noch eine Stückliste, und der Maschinenführer musste jedes Teil erst programmieren und dann fertigen. „Entscheidende Effekte sind außerdem, dass wir Kapazitäten zur Produktionssteigerung geschaffen und den Einkauf optimiert haben“, resümiert Günthner weiter. „Früher mussten wir bestimmte Plattensorten mehrfach liefern lassen, weil wir nicht genügend Lagerplatz hatten. Heute können wir eine größere Menge zentralisiert lagern und kennen genau die Bestände. Wir wissen auch immer, wann wir neu bestellen müssen, sodass die Verfügbarkeit jederzeit gewährleistet ist.“ Außerdem lagert der Rollladenhersteller im Gegensatz zu früher nur noch Platten der Größe 3000 x 1350 mm ein, was die Variantenzahl verringert. Und schließlich verzeichnet der Geschäftsführer auch beim Personal zwei entscheidende Effekte: Wo früher zwei Mitarbeiter für den Zuschnitt nötig waren, wird heute nur noch einer gebraucht. Zugleich brachte das neue Lager Arbeitserleichterungen beim Transport und der Kommissionierung der Platten.

 

Anstehende Aufgaben


„Derzeit sind wir dabei, die Abläufe beim Zuschnitt weiter zu optimieren“, so Günthner zu den aktuellen Zielen. „Zum Beispiel wollen wir bei der Herstellung der Holzbauelemente nur noch OSB 12, statt OSB 12 und 15 verwenden. Das hat den Vorteil, dass wir beim Nesten einer Platte kleinere Teile herstellen und damit Material sparen können.“ Außerdem nestet Günthner inzwischen auch Rigipsplatten, die teilweise auf die Holzbauelemente aufgesetzt werden. Diese Platten wurden früher gesägt und dann von Hand gefast. Jetzt werden die Teile komplett genestet, was nicht nur schneller geht, sondern auch viel weniger Schmutz erzeugt. „Ein weiterer Punkt, den wir planen, ist das Fräsen von bis zum 2 mm starken Aluminiumplatten. Deshalb ist ja auch die Coldgun auf der Maschine“, erinnert Günthner. „Die Aluminiumteile wollen wir mit einer Abkantbank zu Winkeln weiterverarbeiten, die an den Holzbauelementen oder im Massivhausbau als Abdeckungen eingesetzt werden. Momentan müssen wir diese Teile noch komplett zukaufen.“ Das zeigt: Die Möglichkeiten der Holz-Her-Anlage sind bei Weitem noch nicht ausgereizt.

www.holzher.de  
www.guenthner.de

 

 

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