Bild: Homag
Von der Plattenaufteilsäge zur Online-Schnittstelle

 

Säge mit Internetanschluss? Noch vor Kurzem hätte das bei vielen nur ungläubiges Kopfschütteln ausgelöst. Doch heute werden Maschinen zur Holzbearbeitung unter dem Stichwort Industrie 4.0 immer enger vernetzt. Wo das hinführt und wie sich die Branche entwickelt? Antworten versucht eine Zeitreise in die Zukunft.

 

 

Wir schreiben das Jahr 2030: Julian und Emilia suchen am Tablet neue Schränke und Regale für das Wohnzimmer. Ihre Ideen besprechen sie mit einem Chatbot. Der mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Onlineroboter ist ein unersetzlicher Berater. Er findet sofort ein passendes Design, lässt sich Zimmerfotos schicken, fragt alle Maße ab, entwickelt eine Lösung und präsentiert sie direkt auf dem Tablet. „Sieht klasse aus“, findet Emilia. „Aber können wir bei dem Regal links noch zwei weitere Böden einlegen und die Vitrine weglassen?“ Klar: Der Bot plant die Änderungen ein, aktualisiert die Teileliste und kalkuliert den Preis. „Das passt, Auftrag erteilt“, rufen beide wie aus einem Munde. „Wunderbar, ihr bekommt in zwei Tagen neue Möbel“, verspricht der Bot. Er leitet den Auftrag samt Teilelisten und automatisch optimierten Schnittplänen direkt weiter an eine vernetzte Losgröße-1-Fertigungslösung von Homag. 48 Stunden später klingelt es bei Emilia und Julian an der Tür: „Guten Tag, wir bringen Ihre neuen Möbel.“

 

Alles nur Science-Fiction?


„Keineswegs“, meint Arne Mömesheim. Der Homag-Produktmanager für Software im Bereich Plattenaufteiltechnik weiß: „Technisch ist das alles denkbar. Einiges wird sogar schon praktiziert – zum Beispiel von unserem polnischen Kunden meble.pl. Dort stehen auf mehreren hundert Metern Halle vernetzte Maschinen, die vom Lager über die Säge bis zu allen nachfolgenden Stationen verkettet sind.“ Ein Gabelstapler bringt die angelieferten Platten vom Lkw zum Einstapelplatz des 75 m langen Lagers. Ab hier läuft alles automatisch. Erst, wenn ein Teil versandfertig ist, nimmt ein Mensch die Ware in die Hand. Meble.pl geht noch einen Schritt weiter: Die Kunden – meist Schreinereien, aber auch Endkunden – können ihre Teile im Internet konfigurieren und bestellen. Von dieser Bestellung gehen die Daten direkt durch die Arbeitsvorbereitung bis zur Maschine. In Sachen Automatisierung vertraut der polnische Zulieferer seit Langem auf Homag-Lösungen. Mömesheim weiß warum: „Kunden wie meble.pl erwarten reibungslos funktionierende Gesamtlösungen aus einer Hand – für hohe Effizienz und Zuverlässigkeit in der Produktion. Dafür sind wir der richtige Partner, denn verkettete und umfassend vernetzte Maschinen bieten wir unseren Kunden seit mehr als 30 Jahren an.“

 

Automatisierung ist eine Frage des Produktionskonzepts


Ob ein hoher Automatisierungsgrad wie bei meble.pl künftig die Regel sein wird? Pauschal sei davon eher nicht auszugehen, meint IT- und Softwareexperte Mömesheim und betont: „Schließlich ist die hochvernetzte Produktion mit hohem Technologieaufwand verbunden. Das muss sich rechnen, was nur dann der Fall sein wird, wenn die Digitalisierungsmaßnahmen zur Fertigungsphilosophie des jeweiligen Unternehmens passen.“ Der Grad der Automatisierung sei deshalb immer auch eine Frage des Produktionskonzepts. Nicht alles ist für jeden Betrieb gleich richtig und gut. Allerdings dürfe man die Augen nicht vor der fortschreitenden Digitalisierung verschließen. Vielmehr bräuchten Hersteller und Anwender den Mut, immer wieder etwas auszuprobieren und in neue Technologien zu investieren, sagt Mömesheim und zitiert Clayton M. Christensen: „Es wird immer gute Gründe geben, ein Risiko nicht einzugehen. Aber wenn man immer nur macht, was in der Vergangenheit funktionierte, wird man eines Tages aufwachen und feststellen, dass man überholt worden ist“, hatte der Wirtschaftswissenschaftler und Autor der Change-Management-Bibel ,The Innovator‘s Dilemma‘ gesagt.

 

In fünf Ausbaustufen zu Industrie 4.0


Mit Blick auf die eigene Zielgruppe macht sich Mömesheim diesbezüglich keine Sorgen. „Unter unseren Kunden gibt es schon lange keinen mehr, der noch rein analog arbeitet – im Handwerk nicht und schon gar nicht in der Industrie.“ Der Umgang mit digitalen Daten ist längst Alltag, wenn auch in ganz unterschiedlichen Ausprägungen und Ausmaßen. Die Gründe dafür hängen vom Stand der technischen Entwicklung in den einzelnen Betrieben sowie von strategisch und wirtschaftlich motivierten Entscheidungen ab. Zur Orientierung gliedert Mömesheim den Entwicklungsstand einzelner Betriebe auf dem Weg zur vollen digitalen Vernetzung in fünf Ausbaustufen.


Diese lassen sich in aller Kürze wie folgt beschreiben:

- Ausbaustufe 1: Betriebe erfassen Produktionsdaten elektronisch und geben diese in die Fertigungsmaschine ein. Das ist digitale Datenvernetzung in Minimaldimension.

- Ausbaustufe 2: Hier erfolgt die digitale Arbeitsvorbereitung bereits im Büro. Die Daten werden dann über ein internes Netzwerk an die Maschinen geschickt.

- Ausbaustufe 3: Diese Betriebe verarbeiten in der Arbeitsvorbereitung schon die Daten ihrer Kunden – von einfachen xls-Dateien bis zu 3-D-Daten aus CAD/CAM.

- Ausbaustufe 4: Einzelne Maschinen sind miteinander vernetzt, was die Effizienz der Fertigung erhöht – ein Beispiel dafür sind Säge-Lager-Kombinationen von Homag.

- Ausbaustufe 5: Jetzt kommt das Internet hinzu – im Idealfall erhält die Produktion automatisch generierte Fertigungsdaten direkt vom Onlineshop.


Wo wir heute stehen? Digitalisierung bis zur Ausbaustufe 3 sei längst Standard, so Mömesheim: „Dafür sind schließlich nur kleine, für jeden leicht machbare Schritte nötig. Das ist keine Raketentechnik!“ Digitalisierung und Automatisierung im Sinne von Industrie 4.0 beginnt mit Ausbaustufe 4. Zu den Pionieren gehören zum Beispiel Betriebe, die mit modernen Säge-Lager-Kombinationen oder Aufteilzellen wie der HPS 320 flextec arbeiten. „Homag-Lösungen, etwa zum Plattenaufteilen, schaffen die Voraussetzungen für den nächsten großen Schritt“, betont Mömesheim. „Nämlich für die Anbindung der gesamten Fertigung, zum Beispiel an einen Onlineshop mit automatisierten Prozessen.“

 

Das Internet wird die Branche stark verändern


Wenn dieser Schritt gelingt, könnten die Prozesse in der Fertigung künftig noch intelligenter, interaktiver und effizienter ablaufen. Homag-Lösungen wie die Maschinensteuerung Cadmatic und die Optimierung Schnitt Profi(t) können dabei eine zentrale Rolle spielen, so der Experte. Denn über neue Module und Anwendungen sollen die Softwarelösungen künftig noch mehr Informationen erfassen und verarbeiten – Echtzeitdaten zu den Werkzeugeinstellungen zum Beispiel, zum Stand der Arbeiten einer Station oder zum Produktionsstatus insgesamt. Weiter verbessert werde auch die Kommunikation zwischen einzelnen Maschinen, etwa einer Plattenaufteilsäge und den vor- und nachgelagerten Systemen. „Bei unserer vollautomatischen Losgröße-1-Aufteilzelle HPS 320 flextec ist das schon heute der Fall. Die Anlage ist daher geradezu prädestiniert für die Einbindung ins Internet und eine Onlineshop-Lösung für Endkunden“, meint Mömesheim und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Statt von einer Plattenaufteilsäge müssten wir bei einer solchen Lösung dann wohl von einer Online-Schnittstelle sprechen.“ Sicher ist sich der Experte, dass die Anbindung an das Internet für Betriebe in der Holzbearbeitung steigende Relevanz erfahren wird. „Das ist der nächste logische Schritt“, so Mömesheim. „Auch, wenn die Möbelkonfiguration via Internet die Branche noch vor große Herausforderungen stellen wird.“ Dass diese grundsätzlich lösbar sind, zeigen erste Onlineshops der Zulieferindustrie und – im Endkundengeschäft – zum Beispiel die Firma Holzconnection.

 

Der Zeit um Jahre voraus


Das Berliner Unternehmen steht für preiswerte Möbel nach Maß ,Made in Germany‘. Gefertigt werden sie weder in der Zentrale noch in den deutschlandweiten Ladengeschäften von Holzconnection, sondern bei externen Partnern. Das war schon so, als Alf Nagel die Firma 1984 gründete. Rasant gewachsen ist das Unternehmen aber erst, seitdem Gründersohn Denys Nagel die Geschäftsidee ins Internet gehoben und einen Onlineshop aufgebaut hat, der „seiner Zeit um Jahre voraus ist“, so Mömesheim. Wie Denys Nagel die Geschäftsidee beschreibt? „Ich nenne das Tischlerei 2.0. Wir besitzen nicht die Tischlerei, sondern die Daten. Das ist viel mehr wert.“


Tatsächlich ist es dem Familienunternehmen gelungen, einen ebenso nutzerfreundlichen, praktikablen wie intelligenten Onlineshop zu realisieren. Endkunden können sich hier Basismöbel wie Betten, Tische, Bänke oder simple Schränke zusammenstellen und dafür aus verschiedenen Standardmaterialien wählen. Die Material- und Zuschnittkosten sind für jedes Material hinterlegt. Fotorealistisch sieht der Kunde sofort, was er konfektioniert hat und wie viel es kostet. Dank des ausgeklügelten Konzepts von Holzconnection liegen die Kosten für ein Möbel häufig weit unter dem, was eine klassisch arbeitende Schreinerei anbieten kann. Wird der Auftrag per Mausklick erteilt, gehen die im Hintergrund erstellten Teilelisten und die optimierten Schnittpläne direkt an einen der Produktionspartner. „Wir selbst haben mit der Produktion gar nichts zu tun“, bestätigt Nagel. „Um das System zum Laufen zu bringen, mussten wir führende Softwarelösungen miteinander vernetzen – darunter auch Schnitt Profi(t) Professional. Die Homag-Optimierungssoftware war bei uns von Anfang an gesetzt, weil sie über den besten Algorithmus verfügt.“

 

Unterwegs in die Zukunft – mit Know-how von Homag


Das Beispiel Holzconnection zeigt: Wer die Chancen der Digitalisierung nutzt und sie in ein Gesamtkonzept einbindet, kann neue Maßstäbe setzen. „Dies erfordert viel Know-how in IT-, Software- und Vernetzungsfragen. Zugleich muss man genau wissen, welche Daten essenziell für eine reibungslose, effiziente Produktion sind“, betont Mömesheim. „Homag verfügt über dieses Know-how seit vielen Jahrzehnten. Damit unsere Kunden künftig noch stärker davon profitieren, bündeln wir unser globales Wissen für den Aufbau führender Industrie-4.0-Lösungen.“

www.homag.com

17_3_TT_PLATT_homag_SEI.jpg 

 

Diesen Beitrag und weitere interessante Beiträge finden Sie in HOB 3.2017:

17_3_TS_HOB_188.jpg
 

Gerne können Sie HOB 3.2017 bestellen:

per mail:  cedra@agt-verlag.de  
oder über das Kontaktformular


agt agile technik verlag gmbh
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56

 

agt_logo_200_60.png

spacer
VORSCHAU >>>

 

IM FOKUS

17_4_FOKUS_priess_154.jpg

Hochpräzise, automatische Beschlagbereitstellung
-
Quer durch die
Priess-&-Horstmann-Produktpalette können Beschläge den Maschinen vollautomatisiert nach dem Pick-and-Place-Prinzip bereitgestellt werden. ...
 [weiter lesen] 

spacer
Mediadaten 2017
17_HOB_media_154_107.jpg
spacer
Marktübersicht Plattenaufteilsägen 2017
12_1_Tabellenausschnitt.jpg
spacer
Marktübersicht  2015
CNC-Stationär-bearbeitungstechnik
13_TABELLE_CNC_start_154_10.jpg
spacer
Marktübersicht Breitbandschleifen
13_7_SCHLEIF_TABELLE_154_11.jpg
spacer
Social Bookmarks
Hier können Sie diese Seite Ihrem Portal dazufügen
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügenDiese Seite bei del.icio.us hinzufügenBei Linkarena verlinkenBei Windows Live verlinkenBei Blinklist verlinkenBei digg verlinkenBei Furl verlinkenBei Google Bookmarks verlinkenBei Webnews verlinkenBei Yahoo My Web 2.0 verlinken

HOB Die Holzbearbeitung online - Fertigungstechnische Fachzeitschrift für die Holzbearbeitung

Online Werbung @ HOB