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HOB im Gespräch mit ...

Wolfgang Hormuth,

Geschäftsbereichsleiter Industrieklebstoffe
Kleiberit

 

 

Kompetenz PUR

 

 

 

Kleiberit versteht sich als Spezialist unter den Klebstoffherstellern. Im Bereich PUR-Schmelzklebstoffe sieht sich das Unternehmen gar als Innovationsführer. Wolfgang Hormuth, Geschäftsbereichsleiter Industrieklebstoffe, belegt diese Innovationsführerschaft an konkreten Projekten und zeigt, welche Dienstleistungen dem Kunden dabei geboten werden.

 

 

Herr Hormuth, auf der diesjährigen Xylexpo hat die SCM Group in der Kategorie Panel Processing den Innovation Award gewonnen. Mit einem speziellen PUR-Schmelzklebstoff hat Kleiberit entscheidend zu der prämierten Lösung beigetragen. Worin genau bestehen Lösung und Beitrag?


Wolfgang Hormuth: Die SCM Group hat die Auszeichnung für die Entwicklung einer neuartigen Technologie zur Herstellung von J-Kanten erhalten. Derartige Kantenformate und die zugehörigen Maschinen gibt es im Möbelbau ja schon seit längerer Zeit. Die Idee von SCM lag darin, eine kompakte und kleinere Softforming-/Kantenanleimmaschine zu entwickeln, wie sie bisher im industriellen Einsatz war. Damit war auch das Anforderungsprofil für den Kantenklebstoff in Bezug auf schnelle Anfangsfestigkeit bis hin zur offenen Zeit ganz speziell. Der PUR-Schmelzklebstoff von Kleiberit hat dieses Profil dann mit Bravour erfüllt.

 

Wie kam es zur Zusammenarbeit in diesem Projekt?


Als Spezialist für Klebstoffe stehen wir mit vielen Maschinenbauern im ständigen Kontakt. So auch mit SCM. Vor zweieinhalb Jahren wurde einer unserer italienischen Mitarbeiter angesprochen, ob Kleiberit einen PUR-Schmelzklebstoff für eine neue Kantenanleimkompaktanlage bereitstellen könnte. Diese Anfrage wurde an das Mutterhaus in Weingarten weitergeleitet, wo eine vorhandene Klebstoff-rezeptur optimiert wurde, um das Anforderungsprofil für eine neue Kantenanleimtechnologie zu erfüllen.

 

Wie setzte sich das Anforderungsprofil des Schmelzklebstoffs konkret zusammen?


Gefragt waren eine sehr gute Verarbeitbarkeit und Applizierfähigkeit sowie eine geringe Auftragsmenge zur Erzielung einer Nullfuge. Vor allem aber war wichtig, dass der Klebstoff in der kurzen Ummantelungszone von 1,5 m eine kurze offene Zeit und danach den schnellen Aufbau einer sehr hohen Anfangsfestigkeit bot.

 

Wie wurde dieses Bündel an Eigenschaften umgesetzt?


Bei der Bereitstellung des Klebstoffs haben wir auf vorhandene Kompetenz zurückgegriffen. Allerdings haben wir kein Produkt aus der Schublade gezogen, sondern auf ein Standardprodukt aufgesetzt, es modifiziert und so die geforderten Eigenschaften erreicht. Dabei haben wir verschiedene Muster erstellt und im Anschluss mit SCM auf Eignung geprüft. Schon mit der ersten Serie von Formulierungen, die getestet wurde, waren wir erfolgreich.

 

Zu welchem Zeitpunkt der Maschinenentwicklung hat Kleiberit den Klebstoff bereitgestellt? Gab es möglicherweise Auswirkungen auf die Konfiguration der Maschine?


Wir sind zu einem Zeitpunkt eingestiegen, als das Maschinenkonzept bereits stand. Man kann jedoch sagen, dass die Technologie mit unserem Klebstoff zur Marktreife geführt wurde, die SCM in dieser Einheit dann auch auf der Xylexpo präsentiert hat. Für die Technologie der J-Formkantenherstellung auf engem Radius, für die der Award verliehen wurde, war der PUR-Schmelzklebstoff mit ausschlaggebend.

 

Handelt es sich bei dem Klebstoff um ein kundenspezifisches Produkt, das ausschließlich für SCM entwickelt wurde?


Mit SCM wurde klar festgehalten, dass wir diese Klebstofflösung frei vermarkten dürfen. Umgesetzt haben wir am Produkt ja vor allem einen schnellen, zeitlich genau definierten Aufbau der Anfangshaftung. Zugleich weist es das übliche Leistungsspektrum eines High-Performance-PUR-Kantenklebstoffs für das Softforming auf wie gute Applizierbarkeit, hohe Temperatur- und Feuchtebeständigkeit sowie Dauerfestigkeit. Mit diesen Eigenschaften ist der Klebstoff auch für andere Anwendungen und Kunden einsetzbar. In der SCM-Applikation finden als Trägermaterialien Spanplatte und MDF sowie als Beschichtungsmaterial zum Beispiel ABS-Folien der Stärken bis 0,45 mm Einsatz.

 

Ist das Projekt mit SCM zwischenzeitlich beendet oder gibt es weitere Optimierungsschritte?


Die Bearbeitung dieser Produkte ist abgeschlossen. Hervorheben möchte ich jedoch, dass wir diese Lösung in einem engen Zeitfenster realisiert haben mit dem Effekt, dem Maschinenhersteller SCM einen wichtigen Vorsprung am Markt zu ermöglichen. Wir gehen davon aus, dass wir mit SCM bei weiteren innovativen Projekten zusammenarbeiten werden.

 

Wie sind – in Verallgemeinerung dieser Zusammenarbeit – die Leistungen zu umreißen, die der Klebstoffspezialist Kleiberit seinen Kunden grundsätzlich bietet?


Als globaler Anbieter und Spezialist für Klebstofflösungen liegen unsere Stärken in der kompetenten Kundenberatung, im individuellen Service, in der Forschung & Entwicklung sowie in der modernen Fertigung und Qualitätssicherung. Die Leistungen, die wir in diesem Kontext erbringen, sind sehr umfassend. So steht den Kunden ein weltweites Netz von 75 Verkaufsingenieuren zur Verfügung, mit denen wir unsere hohe Produktkompetenz vor Ort weitergeben. Häufig werden in entsprechenden Gesprächen auch Versuche geplant, die in unserem Technologiezentrum in Weingarten zu kundenspezifischen Lösungen führen. Somit nimmt dieses Zentrum eine Schlüsselstellung in unserem Dienstleistungskonzept ein. Hier entwickeln und optimieren wir mit dem Kunden Produkte, die auf seine individuellen Problemstellungen zugeschnitten sind. Die Leistungsfähigkeit der Produkte demonstrieren wir dann auf unseren Anlagen, um sie schließlich auf die Anlagen der Kunden zu übertragen und einzufahren. Darüber hinausgehend kann der Kunde auf das komplette Paket der industrierelevanten Prüfungen wie Feuchte- und Temperaturbeständigkeit sowie diverse Festigkeitsanalysen zugreifen. Letztlich reichen die Dienstleistungen bis hin zur Erarbeitung neuer Prozesstechnologien. Erst kürzlich haben wir im Technologiezentrum einen Prozess zur Profilummantelung entwickelt, der im nächsten Schritt beim Hersteller implementiert werden soll.

 

Von welchen Bereichen der holzbe- und -verarbeitenden Industrie werden diese Dienstleistungen neben dem schon angeschnittenen Möbelbau genutzt?


In der Möbelindustrie, das möchte ich noch betonen, finden unsere Produkte und Dienstleistungen eine sehr breite Anwendung, wie die Bekantung, Profilummantelung, Flächenkaschierung, Oberflächenbehandlung oder das Kleben von Massivholzteilen zeigen. Demgegenüber arbeiten wir auch mit der Plattenindustrie zusammen, sobald spezielle Klebstoffe zur Weiterveredlung der Rohplatten benötigt werden. Denkt man an Endprodukte wie Treppen, Türen, Fenster oder Böden, sind unsere Lösungen in fast allen Prozessketten fest verankert. Regelmäßig greifen Anwender damit auch auf unser Dienstleistungspaket zurück.

 

Für die Herstellung der erwähnten Endprodukte werden häufig PUR-Klebstoffe eingesetzt. Wie sehen Sie die Marktstellung von Kleiberit in diesem Segment?


Wir sind seit fast 70 Jahren Partner der holzbe- und -verarbeitenden Industrie. In die verschiedenen Prozessketten liefern wir das gesamte Portfolio, das gefordert ist. Dabei verzeichnen wir über alle Prozesse hinweg nicht nur die Nachfrage nach höherwertigen Produkten, sondern in vielen Fällen können die Anforderungen neu entwickelter Prozesse nur durch den Einsatz von PUR-Schmelzklebstoffen erfüllt werden. Kleiberit hat früh angefangen, sich in dieser Technologie ein umfangreiches Know-how zu erarbeiten. Wir nennen das heute Competence PUR. Damit sehen wir uns ganz klar als Innovationsführer bei PUR-Schmelzklebstoffen. Sie sind das Zugpferd für die gesamte Palette unserer Produkte.

 

Herr Hormuth, noch einmal zurück zum Dienstleistungskonzept. Wie sind Sie als Geschäftsbereichsleiter Industrieklebstoffe hier eingebunden?


Als Mitglied der Geschäftsleitung bin ich verantwortlich für das globale Geschäft aller Industrieklebstoffe für die gesamte Wertschöpfungskette Holz. Für konkrete lokale Märkte haben wir die Vertriebsverantwortung personell aufgeteilt. Bahnen sich in Zusammenarbeit mit den regionalen Verantwortlichen in deren Märkten Projekte an, so ist es meine Aufgabe, zusammen mit Produktentwicklung und Anwendungstechnik Lösungen zu entwickeln, umzusetzen und global zu implementieren. Deshalb ist auch das Training der Verkaufsingenieure, das kürzlich in unserem Haus stattfand, eine meiner Aufgaben. Für diese internationale Tagung haben wir alle Verkaufsingenieure weltweit nach Weingarten geholt, um Wissen über neue Produkte zu vermitteln und den Queraustausch zu pflegen. Natürlich haben wir dabei auch über Trends am Markt diskutiert.

 

Welche Trends haben Sie ausmachen können?


Wir erkennen unter anderem drei wesentliche Themenbereiche. So besteht nach unserer Einschätzung im PUR-Bereich ein steigender Bedarf nach Microemission-Produkten. Immer mehr Firmen tragen sich mit dem Gedanken, auf ME-Produkte umzustellen. Kleiberit ist bestens dafür vorbereitet und in der Lage, solche Produkte in größerem Umfang zu liefern. Zweitens ist die steigende Anforderung aus der gesamten Möbelbranche nach hohen Beständigkeiten ihrer Produkte bezüglich Feuchte-/Wärme- und Kältebeständigkeit zu erkennen. Kleiberit ist als Spezialist für reaktive Klebstoffsysteme maßgeblicher Innovationstreiber und bietet hierfür vielfältige Lösungen für extreme Klimabedingungen. Drittens wird unsere Kompetenz als Klebstoffhersteller intensiv in die Bemühungen der Möbelindustrie mit einbezogen, künftig ohne formaldehydhaltige Produkte auszukommen. Kleiberit bietet hierfür ebenfalls effiziente Umstiegslösungen und UF-Ersatzprodukte an.

 

Herr Hormuth, lassen Sie uns zum Schluss in das laufende Ligna-Jahr blicken. Wo werden 2017 die Schwerpunkte von Kleiberit liegen?


Mit Blick auf die Ligna wird es für uns in diesem Jahr mehrere große Themen geben. Sie werden verstehen, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht detailliert darauf eingehen kann. Nur so viel: Wir werden neue Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten der Oberflächenveredelung zeigen, das heißt Kleiberit-Hotcoating. Hierzu kommen Neuentwicklungen für die Herstellung von trendigen Bodenbelägen, Stichwort LVT-Beläge, wo wir neue Produkte vorstellen werden, die den Produktionsprozess und auch die Langlebigkeit der Produkte verbessern können. Und zum Thema Leichtbau haben wir einiges anzubieten, um Herstellung, Funktionalität und Qualität der Produkte zu verbessern.

www.kleiberit.com

 

 

Diesen Beitrag und weitere interessante Beiträge finden Sie in HOB 1-2.2017:

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