Bild: Leuco
„Die Komplettbearbeitung steht“

Der Komplettbearbeitung von Werkstücken sind trotz 5-Achs-Technologie mitunter Grenzen gesetzt.

Über die Grenzen hinaus ging die Ruhsi GmbH mit einem kegelstumpfförmigen p-System-Fräser, der eigens entwickelt wurde, um die derzeit oft gewünschten schrägen Kanten von Tischplatten lackierfertig auf dem BAZ zu bearbeiten. 

 

Aus Erfolgserlebnissen wie dem p-System-Fräser von Leuco zieht Michael Neuburger, Technischer Leiter bei der W. Ruhsi GmbH im mittelbadischen Rheinau, seine Motivation für den nächsten Tag. Er weiß: Erfolg heißt immer auch Teamleistung. Wenn Neuburger eine Maschineninvestition plant, nimmt er auch diejenigen mit, die später daran arbeiten sollen. Gleichzeitig hat er fest im Blick, dass die gegebenen Aufgabenstellungen wirtschaftlich für Ruhsi zu lösen sind.

 

Auf der Höhe der Zeit


Einen zeitgemäßen Maschinenpark zu betreiben, heißt für Ruhsi heute, auf industriellem Niveau zu produzieren. „Wir fertigen als Zulieferer für die Objektmöbelindustrie überwiegend Tischplatten in den unterschiedlichsten Größen, Formaten, Materialien, Belags- und Kantenausbildungen“, sagt Neuburger. Am Tag werden etwa 400 Stück produziert. Bei einer durchschnittlichen Losgröße von 5,5 Teilen je Auftragsposition, gelingt es dem Unternehmen durch intelligente Planung, die tatsächliche Fertigungslosgröße etwa zu verdoppeln. Die auftragsbezogene, stückzahlgenaue Fertigung führt zu einem kaum vorhandenen Zwischenlager. Reproduzierbarkeit ist eine spezielle Anforderung für den Tischplattenhersteller. Bestellungen in mehreren Chargen für ein und dasselbe Objekt sind keine Seltenheit, weshalb der Verfügbarkeit, Flexibilität und Qualität des Maschinenparks ein hoher Stellenwert zukommt.


„Eine Maschine allein sorgt noch nicht für ein gutes Ergebnis. Eine große Bedeutung haben auch der Maschinenbediener und die eingesetzten Werkzeuge“, betont Neuburger. Damit die Prozesse reibungslos funktionieren, setzt man bei Ruhsi schon seit 2010 Leuco-p-System-Werkzeuge ein. Zunächst an einer CNC-Oberfräse, dann in der Kantenbearbeitung auf einer neuen Formatstraße und schließlich auf einem ebenfalls neuen 5-achsigen Bearbeitungszentrum. Formatierungen, Ausfräsungen und Bekantungen samt Schleifvorgang werden auf der CNC-Maschine in einer Aufspannung am Werkstück ausgeführt. Dazu hat man das maßgeschneiderte Bearbeitungszentrum mit zwei verschiedenen Kantenaggregaten bestückt. Neben Schmelzkleber- können auch Laserkanten erzeugt werden – schließlich ist die Kante für den Tischplattenproduzenten ein zentraler Punkt. Damit die Qualität am Ende stimmt, ist die Fügegüte am Werkstück entscheidend.

 

Kante gut, alles gut


Neben einer Vielzahl an Formaten und Formen mit Detailbearbeitungen werden an verschiedensten Trägermaterialien von 6 bis 70 mm Dicke und Beschichtungsmaterialien auch unterschiedlichste Kantenausbildungen realisiert. „Theoretisch beläuft sich die Anzahl der täglich abrufbaren Varianten auf eine Million“, so Neuburger. Dabei sind die Ansprüche der Kunden hoch. Besonders beliebt bei den Ruhsi-Kunden sind derzeit stark abgeschrägte Kantenausbildungen. Bis zu zwölf Grad flache Profilierungen sind gefragt, bei unterschiedlichster äußerer – auch geschweifter – Form. Solche Schrägprofile werden in zwei Arbeitsgängen auf der 5-achsigen CNC-Maschine erzeugt. „Danach sind sie ohne Nachbearbeitung lackierfähig – und das auch im Gegenlauf bei einer möglichen Breite der Kantenbearbeitung von 78 mm“, freut sich Neuburger.

 

Eigens entwickelt


Was so einfach klingt, war für die Entwicklungsabteilung von Leuco und den Maschinenhersteller eine große Herausforderung. Bei der 5-Achs-Bearbeitung müssen die Schnittbreiten aufgrund von Winkeln oft länger sein. Die Werkzeuge fallen mitunter größer und schwerer aus. Dagegen stehen seitens der Maschinen in der Regel kleinere Absaughauben – bedingt durch den größeren Bewegungsradius der Aggregate. Die Lösung: Entwicklung eines kompakten, kegelstumpfförmigen Fräsers auf Leuco-p-System-Basis, der durch seine schräg verlaufenden Schneideflächen mit einem geringeren Schwenkbereich des Aggregats betrieben wird. So lässt sich die Haube vollständig absenken und der Staub wirksam absaugen.


Mit diesem Ansatz entstand in der Entwicklung bei Leuco ein innovatives Werkzeug, dessen Schneiden mit 70°-Achswinkel der konischen Rundung des Kegelstumpfes folgen. Dabei mussten die Schneiden so exakt produziert werden, dass mit dem Werkzeug eine Nachbearbeitung entfallen kann. „Schon kleinste Differenzen führen gerade bei MDF zu unbefriedigenden Ergebnissen“, sagt Neuburger. Das Ergebnis begeisterte aber wohl alle: „Die Schneidenübergänge liegen so eng aneinander, dass sie ohne Überschnitt arbeiten“, erklärt Albrecht Maier, Regionalleiter bei Leuco. Mit dem erstmals realisierten Kegelstumpf-p-System-Fräser konnten die Anforderungen von Ruhsi erfüllt werden – neben der einwandfreien Maschinenfunktion ist das Fräsergebnis vor allem ausriss-und versatzfrei. Und das auch im Gegenlauf über eine Furnierkante hinaus.


„Bevor nach neun Monaten geschärft werden muss, können wir das diamantbestückte Werkzeug drei-, viermal verfahren und so immer für eine optimale Schnittgüte sorgen“, berichtet Neuburger. Damit eine solche Optimierung Erfolg hat, braucht es die Bereitschaft aller Entwicklungspartner, im Sinne des Anwenders zu denken: Kurze Durchlaufzeiten ohne aufwendige Nachbearbeitung – bei hohen Anforderungen an das Ergebnis. „Die Komplettbearbeitung steht“, sagt Neuburger sichtlich zufrieden mit dem Erfolg des ganzen Teams.

www.leuco.com

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