Bild: Staegi
Das Beste: lokal

Nein, keine Schreibfehler. Und es geht auch nicht um den schattigsten Biergarten, sondern um die Erfassung von Staub und Spänen nahe ihrem Entstehungsort. Das ist bei Ihnen selbstverständlich? Dann werfen Sie in einer Holzfabrik mal einen Blick nach oben. Was machen denn all die Rohrleitungen da?

DR. HANS-JÜRGEN GITTEL

 

Richtig, Energie vernichten. Etwa 45 Prozent des Energiebedarfs in der Holz- und Möbelindustrie werden für die Erfassung und Filterung von Staub und Spänen aufgewandt. Ein großer Teil davon deckt allein die Leitungsverluste. Eine Möbelfabrik mit circa 150 Mitarbeitern hat meist eine installierte Absaugleistung von 1 MW oder mehr, was jährlich einen siebenstelligen Betrag kostet. Hinzu kommt die Frage nach der Reinluftrückführung. Wo dies nicht möglich ist, wird im Winter Europa beheizt. Wenn der Reststaubgehalt der gefilterten Luft bei 0,2 bzw. 0,1 mg/m³ (H3) liegt, kann die Filteranlage das Prüfzeichen ,holzstaubgeprüft‘ erhalten und ist zur Reinluftrückführung geeignet und zugelassen. Die verwendeten Filtermedien dürfen bei der Prüfung nur maximal 0,5 Prozent des Prüfstaubs durchlassen.

 

Auf die Sonderfälle ist zu achten


Geprüft wird nach GS-HO-07 mit 5 g/m³ Buchenholzstaub mit einer mittleren Partikelgröße von 0,1 mm und einem Kornband, das zu 90 Prozent aus Partikeln zwischen 0,02 und 0,3 mm besteht. Das ist für den normalen Staub- und Späneanfall auch okay. Aber es gibt ein paar Sonderfälle. Das fängt schon beim ganz normalen Sägen auf der Formatkreissäge an. Mit einem Sägeblatt Durchmesser 300 Z 96 bei 5000 min-1, 5 m/min Vorschubgeschwindigkeit, 20 mm Materialstärke und 15 mm Sägeblattüberstand beläuft sich die mittlere Spandicke auf gerade einmal knapp 6 µm. Noch übler sieht es beim Feinhobeln auf einer Abricht- oder Dickenhobelmaschine aus. Bei 0,5 mm Spanabnahme ist mit einer mittleren Spandicke um 2 µm zu rechnen. Nicht zu reden von allen anfallenden Schleifvorgängen, bei denen die Spandicken meist im Nanometerbereich liegen. Solche Stäube werden von den üblichen Filteranlagen eher nicht erfasst. In einer Möbelfabrik fallen sie zwar meist nur in relativ geringer Menge an, sodass ihr Volumen nicht wirklich ins Gewicht fällt. Anders sieht es aber aus, wenn zum Beispiel in großem Umfang geschliffen wird. Die Anlagenhersteller kennen das Problem, nennen es ,industrielle Sonderanwendungen‘ und empfehlen wirksamere Filtermedien. Im Rahmen einer zentralen Filteranlage ist das jedoch eine schwierige Entscheidung – wirksamere Filtermedien bedeuten höheren Druckverlust, geringere Luftmenge und höheren Energieverbrauch.

 

Lösungsansatz dezentrale Entstauber


Eine neue Möglichkeit ergibt sich aus der Neufassung der Norm EN 16770, nach der Entstaubungsanlagen nun mit einem Nennvolumenstrom bis 8000 m³/h direkt im Arbeitsraum beziehungsweise an Maschinen aufgestellt und betrieben werden dürfen. Was bedeutet das in der Praxis? Zum einen wird es mit einer solchen (meist mobilen) Entstaubungsanlage möglich, auf das teure Rohrgewirr unter der Decke und die damit verbundenen erheblichen Druck- und Energieverluste zu verzichten. Die Homag AG verlangt zum Beispiel für den Betrieb einer Kantenanleimmaschine der Ambition-Baureihe Absaugleistungen zwischen 3830 und 5590 m³/h. Das kann so ein Entstauber locker leisten. Ein geeigneter dezentraler Entstauber verbraucht dazu nur zwischen 5 und 8 kW und kostet als deutsches Markengerät zwischen 10 000 und 15 000 Euro. Bei einem dezentralen Entstauber ist es auch deutlich einfacher, sich für spezielle Produktionsbereiche für wirksamere Filtermedien zu entscheiden. Ob diese Entstauber eine Alternative für eine große Möbelfabrik darstellen, muss sicher im Einzelfall geprüft werden, denn es entsteht natürlich Aufwand, die lokal erfassten Späne oder Holzbriketts einzusammeln und zum Lagerort oder zur Heizung zu bringen. Anders sieht es für kleine und mittlere Betriebe des Holzgewerbes aus. Hier dürfte sich die lokale Entstaubung schon allein durch die geringeren Energie- und Anlagenkosten rechnen.

 

Den Feinstaub in den Filter locken


Offen bleibt noch die Problematik der Feinstäube, wie sie vor allem beim Schleifen anfallen. Untersuchungen der BGHM zeigen, dass die Staubbelastung im Bankraum oft unzumutbar hoch ist. Abhilfe schaffen hier vor allem Schleiftische, die an einen Entstauber angeschlossen werden, oder Wand- und Bodenabsaugungen in Schleifräumen. Aber es geht auch einfacher. Wenn neben einer guten Maschinenabsaugung mit einem Entstauber/Staubsauger der Klasse M oder H der Raum für Schleifarbeiten vom Bankraum abgetrennt und ein leistungsfähiger Luftreiniger eingesetzt wird, kann der Staubgrenzwert sicher eingehalten werden. Die Abtrennung kann baulich fest oder mobil erfolgen. Eine einfache Möglichkeit ist zum Beispiel die Verwendung eines Staubschutzzeltes, wie es als mobile Spritzkabine oder bei der Asbestsanierung eingesetzt wird.


Der Luftreiniger sollte der Richtlinie der BauBG entsprechen und über ein zweistufiges Filtersystem der Klassen M oder H und eine Volumenstromkontrolleinrichtung verfügen, beim Ansprechen der Kontrollleuchte ,Filter voll‘ noch 15 Luftwechsel pro Stunde gewährleisten und möglichst zugluftfrei arbeiten.


Die Stauberfassung der von der Berufsgenossenschaft empfohlenen Schleifgeräte ist zwar gut, hat aber kritische Betriebszustände. So lässt sich beim Schleifen über den Rand keine sichere Erfassung gewährleisten, da zum Beispiel bei einem Exzenterschleifer die Umfangsgeschwindigkeit und damit die Anfangsgeschwindigkeit eines Schleifpartikels meist größer als die Absaugluftgeschwindigkeit sind. Feinstaub bewegt sich nach eigenen Regeln. Er kann fast ewig schweben und lässt sich von großen Luftgeschwindigkeiten mit Turbulenzen nur wenig beeindrucken. Deshalb ist eine gleichmäßige Luftumwälzung mit niedriger Luftgeschwindigkeit der beste Weg, Feinstaub in einen Filter zu locken.


Schleifstaub ist aber nicht nur im Bankraum ein Problem. Beim Parkettschleifen sind selbst Markengeräte trotz Staubabsaugung nicht in der Lage, den Holzstaubgrenzwert im Arbeitsraum einzuhalten. In einer Untersuchung der Bauakademie Feuchtwangen wurde er um das 3,5-fache überschritten. Dass der Staub von Eichen- und Buchenholz, aus denen Parkett überwiegend besteht, als krebserregend eingestuft ist, wirkt sich besonders kritisch aus. Durch den Einsatz eines Luftreinigers, der etwas leistungsschwächer als der im Bild gezeigte AC2500 war, konnte in dem Versuch die Staubkonzentration im Test um 75 Prozent verringert und der Grenzwert sicher eingehalten werden.

www.staegi.de

 

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