Bild: Otto Martin 
Fenster bauen ohne Zwischenschliff

 

 

Die Schreinerei Wieser hat den Fensterbau in den letzten Jahren auf die Fertigung von Einzelteilen umgestellt.

Als bislang letzter Baustein kam im September eine Q-Fin von Martin hinzu, mit der sich der Zwischenschliff nahezu eliminieren ließ.

MICHAEL HOBOHM 

 

Fenster sind längst mehr als nur multifunktionale Elemente am Bau. Auch als Gestaltungselemente tragen sie mit ihrem Variantenreichtum zum individuellen Charakter eines Hauses bei. Die Schreinerei Wieser aus dem bayerischen Frauenneuharting stellt pro Jahr rund 4 000 Holzfenster, Innen- und Außentüren her, was dem Großteil der Produktion des 15-Mann-Betriebes entspricht. Der Kunde kann dabei zwischen Isolier-, Schallschutz- und einbruchhemmender Verglasung ebenso wählen wie zwischen individueller Form und Farbe der Fenster und Türen. „Um die vielfältigen Anforderungen bei der Fertigung bewältigen zu können, arbeiten wir seit 2012 mit einer Conturex 124 von Weinig“, berichtet Inhaber Hans Wieser. „Mit diesem Bearbeitungszentrum sind wir in der Lage, das komplette Spektrum an Fenstern im Holz- und Holz-Alu-Bereich zu bedienen. Das beginnt bei Denkmalschutzfenstern und setzt sich über Passivhausfenster bis zum Holz-Alu-Bereich fort, wo wir in der Lage sind, für den Neubaubereich Fenster von IV 68 bis IV 92 herzustellen. Dabei machen wir von CAD-Planung über die Produktion, Oberfläche und Verglasung bis hin zur Montage alles selbst.“

 

Umstellung auf Einzelfertigung


Während Wieser beim Bau der Haus- und Innentüren für die Flächen- und Rundbögenbearbeitung eine Venture 13L von Homag einsetzt, werden die zugehörigen Rechteckteile auf der Conturex produziert. Analog geht man bei den Hebe-Schiebe-Türen vor, wo die Zargen auf der Homag und die Flügel auf der Conturex gefertigt werden. Ausschließlich von der Conturex kommen dagegen die Fensterteile. „Hier haben wir uns vor etwa zwei Jahren die Frage gestellt, wie wir die Oberfläche dieser Teile verbessern können“, so Wieser. „Dabei mussten wir uns entscheiden, ob wir die Oberfläche künftig am Einzelteil machen wollen.“ Bislang hatte man die verleimten Rahmen klassisch getaucht und dann an den Haken gehängt. Nachdem sich Wieser aber für die Einzelfertigung und die sechsseitige Beschichtung entschieden hatte, musste er sich auf die Suche nach einem neuen Fluttunnel machen. Von einem italienischen Hersteller wurde er dabei auf eine Maschine von Otto Martin Maschinenbau aufmerksam gemacht, die sich damals, 2013, noch in der Entwicklung befand. Über eine deutliche Minimierung des Zwischenschliffs sollten sich die Teile durch den Fluttunnel schicken und nach dem Trocknen direkt verleimen lassen. „Ende 2014 habe ich die Maschine dann auf den Fenstertagen von Martin als Prototyp gesehen. Im Anschluss hat mich Martin von der Funktionsfähigkeit dieser Q-Fin so überzeugt, dass ich sie als Erster im Voraus gekauft habe“, erinnert sich Wieser.

 

Holzfasern querkappen


Gekauft hat Wieser damit eine Maschine, die per Schleifprozess die Holzfasern an der Oberfläche kappt. „Dabei wird der Zwischenschliff im besten Fall eliminiert, die Qualität aber in jedem Fall spürbar erhöht“, so Michael Mühldorfer, Leiter Produktmanagement bei Martin. Im Durchlauf betrachtet, ist die Q-Fin dafür eingangs rechts mit einem Tellerschleifaggregat ausgerüstet. Darauf folgen unten und oben auf der rechten und linken Seite Bürstenaggregate, woran sich oben und unten Querschliffaggregate anschließen. Das Besondere an der Q-Fin-Technik ist ein Kanalrollensystem, das sich Martin schützen lassen hat. Die Werkstücke laufen damit in einem allseitig geschlossenen Kanal aus Rollen. „So kann selbst ein Z-Profil in der Maschine nicht kippen“, sagt Mühldorfer. „Indem die Rollen ineinander greifen, können Querschnittbereiche von 10 x 10 bis 250 x 250 mm gefahren werden.“ Mit Hilfe einer Steuerung lassen sich unterschiedliche Kanalgrößen einstellen und die Aggregate ab- oder zuschalten beziehungsweise in ihren Schleifgeschwindigkeiten variieren. Zugleich kann die Neigung des Telleraggregates und der Bürsten links und rechts mechanisch verändert werden. Die Positionierung erfolgt in Abhängigkeit vom Rollenkanal über die Steuerung. Außerdem übernimmt die Steuerung das direkte Abspeichern unterschiedlicher Kanteln und die Zuordnung angepasster Schleifgeschwindigkeiten zu den einzelnen Hölzern.

An Wieser geliefert hat Martin die Q-Fin dann Anfang September. Von der Conturex kommend, laufen die Einzelteile seither erst durch die Q-Fin, wo die Fasern gekappt werden, und anschließend durch einen Fluttunnel von Finiture. Nach der Beschichtung werden die Einzelteile über drei, vier Stunden getrocknet, um dann verleimt zu werden. Im Anschluss an die Presse kommen die Rahmen in den Lackierraum, wo sie am Haken zwischenbeschichtet und endlackiert werden. „Diese Vorgehensweise ist eine Riesenverbesserung zu dem vorherigen Tauchen: Es gibt keine Läufer mehr, und das Fenster ist durch die sechsseitige Grundierung mit Hirnholzschutz qualitativ besser geworden“, betont Wieser. Zwar wäre es möglich, die Zwischenbeschichtung auch am losen Stück zu fahren, aber das ist nicht die Philosophie der Schreinerei. Die Stöße sollen überlackiert werden.

 

Erwartetes und Unerwartetes


„Ich bin Realist“, sagt Wieser von sich selbst. „Von der Q-Fin habe ich nicht erwartet, dass der Zwischenschliff zu 100 Prozent entfällt. Je nach Holzart und -qualität muss immer nachgeschliffen werden. Ich habe jedoch erwartet, dass der Zwischenschliff an der Kantel deutlich minimiert wird. Diese Erwartung hat sich voll erfüllt.“ Übererfüllt wurden seine Erwartungen gar beim Schleifen von Leisten, das er als Möglichkeit gar nicht einkalkuliert hatte. „Bei jedem Fenster gibt es Glasleisten, Sprossen oder Schlagleisten en masse“, weiß Wieser. „Mit der Q-Fin, die auch Querschnitte von 10 x 10 mm fahren kann, lassen sich alle eckigen Leisten hervorragend schleifen. Dabei laufen sie in dem Rollensystem wie an der Schnur gezogen durch. Sogar Wetterschenkel können wir so bearbeiten. Das spart viel Zeit.“


Einen deutlichen Sprung nach vorn hat die Schreinerei zudem bei der Qualität gemacht. Bis heute arbeitet man in Frauenneuharting mit einem Hydrohobler, der eigentlich abgeschafft werden sollte. Grund waren Qualitätsmängel, die vor allem bei stumpfer werdenden Schneiden auftraten. Wo die Oberfläche erst glatt aussah, stellte sie sich nach dem Fluttunnel als rau heraus. Außerdem traten bei dunklen Lasurtönen wiederholt unregelmäßige Beizbilder auf, die per Mehraufwand kaschiert werden mussten. Heute garantiert der Hydrohobler genau die Hobelqualität, die für die Q-Fin erforderlich ist. Durch die Martin- Maschine wird dann eine gleichmäßige, saubere Oberfläche erzeugt. „Damit tritt der natürliche Charakter des Holzes wieder mehr in den Vordergrund, und der subjektive Eindruck ist eine ansprechende, schön lackierte Oberfläche mit einem wesentlich gleichmäßigeren Farbgebungsbild“, betont Mühldorfer.

 

Vorreiter beim Fertigungsprozess


Neben dem minimierten Zwischenschliff und der erhöhten Qualität brachte die Q-Fin auch beim Handling deutliche Verbesserungen für die Schreinerei. „Bislang mussten unsere Mitarbeiter Elemente wie Balkontüren teilweise zu zweit bewegen“, so Wieser. „Während das Schleifen oft gar nicht so lange dauerte, waren die Verteilzeiten und das Transportieren ein Riesenthema. Inzwischen sind unsere Mitarbeiter spürbar entlastet und die Handlingkosten und -zeiten wurden dramatisch gesenkt.“ Nicht unwesentlich rechnet sich dabei auch, dass ein Mitarbeiter, der früher nur geschliffen hatte, heute in der Verleimung und Endlackierung eingesetzt werden kann. Außerdem wird ein weiterer Mitarbeiter künftig vermehrt in der Montage tätig sein. „Die Kombination aus eingesparten Schleif- und Handlingkosten ist folglich sehr hoch. Wir gehen davon aus, dass sich die Fertigungskosten für ein Fenster mit der Q-Fin um 20 Prozent reduzieren lassen. In Einzelfällen sogar um 25 Prozent“, sagt Mühldorfer, der darin von Wieser bestätigt wird.


„Mit dem Fertigungsprozess Conturex – Q-Fin – Fluttunnel sind wir heute Vorreiter in der Region“, betont der Schreinereiinhaber. „Wenn man konventionell grundiert und dann schleift, werden die Grundierungen teilweise wieder durchgeschliffen und damit Mängel eingebaut. Mit unserem Verfahren ist das nicht der Fall, wir gewährleisten neben dem sechsseitigen Schutz des Bauteils auch eine hochwertige Grundierung.“ Wichtig ist zudem, dass in die neue Prozessführung zwischen Conturex und Q-Fin heute eine Qualitätskontrolle eingebaut ist. Bei Bedarf können so Reparaturarbeiten ausgeführt werden, die bei Fichte zwangsläufig anfallen. Stichwort: Schiffchen für Harzgallen. Während solche Reparaturen früher an der Verleimstation ausgeführt wurden, was den Materialfluss unterbrochen hat, kann nun direkt nach der Conturex ausgebessert werden. Die Q-Fin schleift dann das ausgebesserte Teil bündig. „Durch das Egalisieren der Fläche ist das Schiffchen später nahezu unsichtbar. Der Aufwand, der für das Erreichen einer hohen Qualität betrieben werden muss, ist damit geringer“, so Mühldorfer.

 

Leistungsspektrum erweitern


In der Schreinerei Wieser arbeitet man seit etwa drei Monaten mit der Q-Fin. Dabei versucht man derzeit, die Anwendungsmöglichkeiten der Maschine auszureizen. Durch die Variation der Schnittgeschwindigkeiten und Abtragmengen soll das Fahren besonderer Leisten ermöglicht werden. Ein weiteres Ziel ist die Verwendung der Q-Fin als Lackschliffmaschine, sollte nach der Grundierung mal ein zusätzlicher Schleifvorgang erforderlich sein – ein wichtiges Thema gerade bei heiklen Leisten. „Am Ende werde ich flexibel aufgestellt sein“, sagt Wieser. „Funktioniert das Schleifen im ersten Durchlauf, geht das Teil weiter in der Fertigung. Brauche ich einen weiteren Schliff, schicke ich es nur mit Bürsten durch eine Lackschliffmaschine.“


Der Fertigungsablauf Hobeln, Conturex, Kosmetik, Schleifen, Tauchen, Rahmen, Fertigstellen hat sich für Wieser als idealer Prozess herausgestellt. Mit diesem Prozess als Basis möchte Wieser das Leistungsspektrum seines Betriebes erweitern und zunehmend auch Kollegen bei der Fertigung von Fenstern unterstützen. Im Augenblick bedient der Betrieb vor allem Privatkunden und das Projektgeschäft, forciert werden sollen aber auch der Handel und Wiederverkauf. Ein wichtiges Argument, das für diesen Ansatz spricht, ist die effiziente, wirtschaftliche Fertigung mit der Q-Fin, die eine Lieferung in hervorragender Qualität garantiert.

www.martin.info  
www.schreinerei-wieser.de

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