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Gastkommentar 3 www.hob-magazin.com Noch mehr Digitalisierung? Digitalisierung in der Holzbearbeitung – das ist doch ein alter Hut, machen wir schon seit Jahrzehnten. Was anderen Produktionszweigen als Fernziel von Industrie 4.0 vorschwebt – Losgröße 1 – ist in der Möbel- und Bauelementeherstellung Stand der Technik. Bei uns bekommt der Kunde die Oberfläche und die Maße, die er haben will. Brauchen wir also wirklich noch mehr Digitalisierung, noch mehr Vernetzung? Ist Industrie 4.0 für die Holzbearbeitung mehr als ein Slogan? Es sieht ganz so aus. Auf der Ligna 2017 beschäftigen sich zahlreiche Aussteller intensiv mit diesem Trend. Es wird immer deutlicher: Die Möglichkeiten, die neue Technologien und Medien bieten, werden auch die Holzbearbeitung voranbringen. Einige Beispiele: Die Vernetzung durch Online-Kommunikation (Internet of Things) macht einen viel stärkeren Austausch und eine engere Zusammenarbeit von Produzenten, Kunden, Lieferanten und Kooperationspartnern möglich, was über Unternehmensgrenzen hinweg zu enormen Effizienzverbesserungen führen kann. In der Produktion spricht man zudem von cyber-physischen Systemen, die als lernende, sich selbst optimierende Fertigungs- und Logistiksysteme im Endzustand autonom und besonders effizient und fehlerarm agieren sollen. Zugleich kann die zunehmende Menge „Ja, die Holzbearbeitung braucht mehr Digitalisierung“ von Produktionsdaten (Big Data) intelligent für die Verbesserung von Prozessen eingesetzt werden, sodass es möglich wird, Durchlaufzeiten zu verkürzen, Materialfluss, Produktions- und Serviceprozesse zu optimieren, Fehler vorausschauend zu analysieren und flexibel auf Störungen und Ausfälle zu reagieren. Die vorausschauende Instandhaltung (Predictive Maintenance) ist denn auch ein Paradebeispiel für die neuen Technologien: Indem niemals zu spät, aber immer dann gewartet wird, wenn es wirklich nötig ist, werden Ausfälle vermieden und das Servicepersonal entlastet. In der Gesamtheit sollen diese Trends zu mehr Effizienz in der Produktion und zu mehr Flexibilität führen, die vom Markt durchaus gefordert werden. Und um es klar zu sagen: Das ist kein Thema speziell für industrielle Hersteller. Im Gegenteil: Gerade kleinere und mittlere Unternehmen werden durch die neuen Technologien der Digitalisierung in die Lage versetzt, hocheffiziente Strukturen aufzubauen. Zusammenfassend möchte ich daher prognostizieren: Ja, auch die Holzverarbeitung braucht mehr Digitalisierung, und sie wird die Vorteile intensiv nutzen. Das Tempo wird in den kommenden Jahren sogar zunehmen. Schon die Ligna 2017 zeigt die neuen Entwicklungen auf einem bislang nicht erreichten Niveau, auch aus diesem Grund wird es eine spannende Ligna. Ihr Dr. Bernhard Dirr, VDMA Holzbearbeitungsmaschinen


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