Abb. Anthon
Herausforderung XL gemeistert

Die Anthon GmbH ist ein Unternehmen mit Tradition.

Gegründet 1865 als Eisengießerei und Maschinenfabrik für forstwirtschaftliche Geräte, forcierte die Firma früh den Ausbau ihrer Produktpalette und den Beginn des Auslandsgeschäfts.

 

 

Die Marke Anthon ist zu einem Synonym für massiven Maschinenbau geworden, und die Produkte überzeugen durch hohe Qualität und innovative Technik – bis heute. Mit selbstentwickelten Software-Lösungen trägt Anthon zudem den steigenden Anforderungen Rechnung. Evergreen ist ein weltweit mit führender Hersteller von hochwertigen mitteldichten Faserplatten (MDF) und Spanplatten mit einer Jahresproduktion von mehr als 1,3 Mio. m3. Das Unternehmen aus Malaysia begann seine Geschäfte 1972 als Holzhandel und Furnierfertigungsunternehmen. Der Fokus des Unternehmens liegt auf einer verbesserten Ressourcennutzung und es bedient sich dazu fortschrittlicher Technologien. Die Produktpalette enthält auch Mitnahmemöbel, die sogenannten Ever-Lite-Möbel. Diese Serie wird komplett aus Qualitätsplatten von Evergreen hergestellt und ist aufgrund ihrer Leichtigkeit und einfachen Transportfähigkeit sehr beliebt. Durch eine innovative Spültechnik, die eine Kombination von MDF-Platten mit Spanplatten möglich macht, ist es dem Unternehmen gelungen, Materialkosten und den Holzanteil dieser Möbelprodukte zu senken.

 

Die Herausforderung war enorm


Zur Partnerschaft kam es durch eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe, bei der große Plattenstapel einer neuen Schleif- und Aufteilanlage von Anthon übergeben werden sollten. Die geforderten Arbeitsschritte aber vor allem die extrem engen Platzverhältnisse erhöhten die Komplexität der Aufgabe noch. Dass hier mit einer Standardlösung nichts zu erreichen war, erkannte der Vertriebsleiter Bernd Jochims schnell und so entwickelte man ein individuelles Konzept unter Einbindung der Ideen und Vorstellung von Evergreen. „Die hervorragende Umsetzung unserer Vorstellungen im Anlagenkonzept war ausschlaggebend für die Auftragsvergabe an die Firma Anthon“, erläutert Kuo Jen Chiu, Executive Direktor bei Evergreen Fibreboard. „Von Anfang an wurde stets versucht, unsere Ideen konstruktiv umzusetzen. Gemeinsam ist dann eine Lösung entstanden, mit der wir technisch und kaufmännisch für die nächsten Jahre sehr gut aufgestellt sind“, so Chiu weiter. „Die Aufgabenstellung konstruktiv den baulichen Gegebenheiten anzupassen und das erarbeitete Pflichtenheft dabei zu 100 Prozent zu berücksichtigen, ist eine Meisterleistung gewesen. Eine Standardanlage hätte uns hier nicht viel genützt“, so Chiu abschließend.

 

Konstrukteure übertrumpfen sich


Die Speziallösung sieht nun folgendermaßen aus: Die aufzuteilenden Rohplatten kommen von einem Stapellager zur Beschickung der Schleifmaschine. Die Beschickung ist so ausgeführt, dass sie kontinuierliches Schleifen von 120 m/min gewährleistet. Sie ist hierfür mit einem Zwischenspeicher ausgerüstet, der die Reststapel übernimmt. So wird die Beschickung der Schleifmaschine aufrechterhalten, während gleichzeitig ein neuer Stapel einlaufen und entsprechend positioniert werden kann. Durch diese neu entwickelte Zwischenfangvorrichtung gehören Schleifverluste durch Stapelwechsel der Vergangenheit an. Ankommende Plattenstapel können mit oder ohne Schon- und Deckplatte versehen sein. Die Entsorgung übernimmt eine separate Vakuumabstapelung, die die Schon- und Deckplatten aus der Anlage entnimmt und sauber abstapelt.


Im Anschluss an die Schleifmaschine befindet sich eine Oberflächeninspektion. Diese ermöglicht das automatische Erkennen von B-Ware. Diese wird der Säge nicht zugeführt, sondern in einer separaten Dropboxabstapelung aus dem Produktionsprozess ausgeschleust. Die B-Platten können mit einem Gabelstapler entnommen oder in einem separaten Aufteilungsprozess später der Anlage wieder zugeführt werden. Die Station für die Paketbildung ist online integriert. Sie ermöglicht die Paketbildung für die Paketsäge, ohne dass es zu einer Reduzierung der Schleifgeschwindigkeit kommt. Die Säge selbst ist als Paketsäge mit einer Schnitthöhe von 180 mm ausgeführt. Die Längssäge hat eine Schnittlänge von 6 500 mm, die Quersäge 2 700 mm.


Im Anschluss an die Aufteilung befindet sich eine Rechenabstapelung. Sie ist mit 3 Abstapelplätzen ausgerüstet, um so die entsprechende Sortierung der Aufteilbilder vorzunehmen. Selbstverständlich ist jeder Platz mit einem automatischen Schon- und Deckplattenhandling ausgerüstet, so dass diese entsprechend der Abstapelvorschrift zugeführt werden können. Danach können die Stapel mit einem Gabelstapler entnommen werden oder aber der automatischen Umreifungslinie zugeführt werden. Sie ermöglicht sowohl das Folienumwickeln als auch eine Quer- und Längsumreifung. Die automatische Verpackungslinie implementiert alle bekannten Verpackungsvorschriften.

 

Das Herzstück: Steuerung


Die Steuerung der Anlage erfolgt durch eine Siemens Simatic S7-1516. Mit ihr sind alle Ein- und Ausgänge der Anlage wie Sensoren, Ventile und Antriebe vernetzt. Die Vorteile liegen eindeutig in Performance, Speicherumfang und Datensicherheitsfunktion. Die HMI wird durch ein Comfortpanel realisiert. Es wird dem Bediener ermöglicht, alle Parameter der Anlage zu beeinflussen und zu kontrollieren sowie jeden einzelnen Antrieb von Hand zu bewegen. Die Steuerung lässt sich über einen VPN-Zugriff aus der Ferne warten. So haben die Servicetechniker von Anthon umfassenden Zugriff auf die Steuerung und können Fehlerursachen schnell analysieren und bestenfalls beheben. Das garantiert minimale Ausfallzeiten für den Kunden. Durch das modulare System ergeben sich für die Zukunft vielfältige Erweiterungs- und Optimierungs-Möglichkeiten. Die integrierten Security-Mechanismen garantieren zudem einen optimalen Schutz vor unerwünschtem Zugriff und Manipulation.

 

Innovative Software-Lösung komplettiert das Ganze


Der Leitrechner hat die Aufgabe, die Verbindungen zu den übergeordneten Systemen, wie das Fertigungsleitsystem und das Lager, herzustellen sowie die Anlage mit den notwendigen Parametern und Bearbeitungsschritten zu versorgen. Die Software des Leitrechners ist vollständig im Hause Anthon entwickelt worden und steht auf den Betriebssystemplattformen Linux und Windows zur Verfügung. Programm Editor und Browser können durch das vollständig umgesetzte Server/Client-Konzept mehrfach und auf verteilten Rechnern auch über VPN parallel betrieben werden. So kann die Belegung auf der Maschine auch aus der Ferne beobachtet werden. Im Programm Editor von Anthon werden Schnittpläne erstellt, kontrolliert und editiert. Im Standardfall werden die Schnittpläne über das Netzwerk an die Linien-PCs automatisch übertragen.


Gefertigte Teile werden zur Buchung an das Fertigungsleitsystem zurückgemeldet und Stapelzettel gedruckt. Die Schnittstellen zum Fertigungsleitsystem und zum Lager sind als Datenbankschnittstellen ausgeführt.


Größte Anforderungen stellte dieses Projekt an die Schnittoptimierung. Hierzu hat Anthon auf den langjährigen Partner PSL und dessen Optimierungsprogramm „Secant“ zurückgegriffen. Der Fokus lag nicht nur auf der optimalen Materialausnutzung, sondern auch auf der Zusammenarbeit zwischen Fertigungsleitsystem, Flächenlager und Säge. Standardaufgaben wie die Berechnung von Schnittplänen, Schnittzeiten, Abfall und die grafische Ausgabe von Schnittplänen wurden überarbeitet.

 

Schnittoptimierung ganz von alleine


Ein besonderes Merkmal der Schnittoptimierung ist die automatische und praktisch bedienungslose Handhabung. Dazu wurde der sogenannte „Silent Modus“ implementiert, bei dem die Schnittoptimierung im Hintergrund läuft. Fertigungsaufträge werden aus dem Fertigungsleitsystem generiert und an das Programm gesendet. Dieses optimiert mit drei verschiedenen Einstellungen die Fertigungsaufträge und sendet drei Vorschläge an das Leitsystem zurück. Bei den drei Varianten wird der Fokus entweder auf die Schnittzeit, die Materialausnutzung oder auf eine Balance von beiden gelegt. Der Arbeitsvorbereiter wählt nach seiner Einschätzung den optimalen Bearbeitungsmodus aus und gibt diesen für die Säge frei. Bis auf die Vordefinition der Einstellungen hat der Arbeitsvorbereiter in Bezug auf die Optimierung keine weiteren Anstrengungen zu leisten und kann so schnell auf Fertigungsaufträge reagieren und die Pläne entsprechend einplanen.


„Wir haben die Anlage Ende letzten Jahres, nach einer kompletten Inbetriebnahme in Flensburg, an Evergreen ausgeliefert. Nach der Montage- und Anlaufphase wird sie im Sommer 2015 am Anfang der Bearbeitungskette im Produktionsablauf bei Evergreen voll im Einsatz stehen. Auch in Zukunft wird Anthon weiterhin ein offenes Ohr für die Wünsche der Kunden haben, um so 2015 im Jubiläumsjahr des 150-jährigen Firmenbestehens weitere, gemeinsam mit den Kunden generierte Anlagen liefern zu dürfen“, resümiert der Vertriebsleiter Bernd Jochims abschließend.

www.anthon.de     

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Marktübersicht Plattenaufteilsägen 2017
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