Foto: Holz-Her
Zuschnitt-Optimierung in der Losgröße 1-Fertigung

Mit einer neu installierten Plattenaufteilsäge vom Typ „CUT 6220 Dynamic“, die über eine automatische Babaric- Lagerlösung beschickt wird, stellt sich die Tischlerei der Wetscher GmbH aus dem Zillertal den Herausforderungen einer effektiven und modernen Möbelfertigung.

GERD FAHRY 

 

Das Zillertal in Tirol ist nicht nur ein Hort des Tourismus, sondern auch der Holzbe- und -verarbeitung im großen Stil. Dieser Eindruck entsteht unwillkürlich, wenn man die Inntalautobahn an der Ausfahrt Achensee-Zillertal verlässt und der Bundesstraße taleinwärts folgt. Zahlreiche Firmen dieser Branche haben hier ihren Sitz, verarbeiten jährlich tausende Festmeter, gut sichtbar an den prall gefüllten Holzlagerplätzen und Silotürmen.


Auch die Wetscher GmbH, das Tiroler Einrichtungshaus mit Spezialwerkstätten für den Innenausbau, widmet sich mit Leidenschaft der Veredelung des Werkstoffes Holz. Und dies schon über 100 Jahre im Ort Fügen. Der Firmensitz, die Zillertalstraße 30, ist mittlerweile zu einer ersten Adresse für stilvolle Wohnkultur mit internationalem Format und feinstem Tischlereihandwerk geworden. Individuelles wird dabei nicht nur als Markenzeichen herausgehoben. Denn: Das über fünf Generationen erhaltene Credo der Unternehmensführung verbindet in besonderer Weise Erfahrung, Liebe zum Tiroler Handwerk und ein Feingefühl für die Verbindung von Tradition und Moderne. Dies spiegelt sich unter anderem in Möbelunikaten der besonderen Art wider, die in den eigenen Werkstätten entstehen.


Einer, der sich in diesem Segment des hochwertigen Möbelbaus auskennt, ist Robert Tanner. Seit 34 Jahren im Unternehmen, leitet er seit nunmehr 10 Jahren eine der modernsten Tischlereien Tirols mit den mittlerweile 40 Mitarbeitern. Er stellt nicht ohne Stolz heraus: „Neben dem Einrichtungshaus mit dem Angebot an internationalen Topmarken gehört die Tischlerei zur Kernkompetenz von Wetscher. Wir sind in der Lage, hier alles zu produzieren, von Altholz- bis zu Hochglanzmöbeln, vom modischen Design bis zu Landart, Küchen, Wohnzimmer oder auch Badmöbel, das komplette Angebot.“ Die exklusiven Möbeltrends der internationalen Hersteller seien auch für ihn Ansporn, denn wenn es zum Beispiel um Sondermaße oder Spezialanfertigungen ginge, müsse man diese Möbel in der gleichen Qualität und Ausführung fertigen, so sein Statement. Ergänzend stellt er noch heraus: „Meine direkten Kunden sind die Verkäufer in unserem Einrichtungshaus. Wenn diese ein gutes Produkt oder gute Qualität anbieten können, dann greifen sie natürlich eher auf die Werkstatt zurück als auf den Handel.“ Dies bedeute in der Regel ganz individuell angefertigte Möbel, also nur Losgröße 1.

 

Neuinvestition Plattenaufteilsäge plus automatisches Lager


Um in diesem „internen“ Wettbewerb bestehen zu können, müsse man natürlich auch fertigungstechnisch auf einem hohen Niveau sein, um flexibel auf Aufträge reagieren zu können und dies in einem vertretbaren Aufwand, stellt der Werkstättenleiter heraus. Deshalb habe man schon länger über eine Ersatzinvestition für die in die Jahre gekommene Panhans- Plattenaufteilsäge nachgedacht. Dass es im Auswahlprozess zur Kombination Holz-Her – Babaric kam, hatte wiederum mehrere Gründe. In erster Linie wollte man innovativer, moderner in der Fertigung werden. Dies sei auf alle Fälle gelungen, so Robert Tanner. „Wir könnten jetzt doppelt so viel über die Säge bringen. Vorher haben wir mit dem alten System einen ‚ganzen‘ Mann beschäftigt. Momentan benötigen wir für den Zuschnitt lediglich einen ‚halben‘ Mann. Das war eigentlich das Ziel. Und sollten wir mehr Aufträge bekommen, besitzen wir entsprechende Luft nach oben.“ Ein weiterer, nicht unwesentlicher Grund für diese Kombination sei zudem die Möglichkeit der softwareseitigen Anbindung an die Produktionsplanung und -steuerung gewesen. Diese habe mit Holz-Her besonders gut funktioniert, da der hauseigene EDV-Dienstleister, die Torschitz & Schanes GmbH, unter anderem auf das Einbinden von Holz- Her-Maschinen spezialisiert sei.


Aber auch anfängliche Hürden verschweigt er nicht. Mit der Investition in die Säge und das Lager habe ein neuer Anbau an die Werkstatt auf der Tagesordnung gestanden. Dies müsste man der Geschäftsleitung natürlich überzeugend begründen.

 

Die Plattenaufteilsäge


Über die neue Sägeanlage vom Typ „CUT 6220 Dynamic“ läuft seit Sommer des vergangenen Jahres jetzt alles, was in einem Tischlereibetrieb benötigt wird – Massivholz-, Sperrholz-, Kunststoff- bis hin zu Spanplatten und Laminat. Von der Maschinenleistung her stehen nun 50 000 bis 60 000 m² im Jahr auf der Habenseite; dies seien dann ungefähr 1 000 Platten im Monat, die über die Plattenaufteilsäge laufen können, so Tanner. Auch könnten nun Plattengrößen von bis zu 5,60 x 2,10 m problemlos gehandelt werden. Die Plattenaufteilsäge selbst bringt eine Schnittlänge von 5 900 und eine Schnittbreite von 6 250 mm mit. Der maximale Sägeblattüberstand beträgt 130 mm. In der Standardausführung steht für das Sägeaggregat eine Motorleistung von 21 kW zur Verfügung, welche dem Sägeblatt mit Durchmesser 430 mm bis zu 3 570 min-1 verleiht. Der Sägewagen kann mit einer Vorschubgeschwindigkeit von bis zu 100 m/min verfahren, die Rücklaufgeschwindigkeit liegt bei 150 m/min. Die Werkzeugspannzangen besitzen ein Öffnungsmaß von 130 mm. Für die Schnittlänge von 5 900 mm sind neun im Einsatz. Vier Luftkissentische erleichtern dem Bediener das Handling der zugeschnittenen Teile beziehungsweise Platten. Gesteuert wird die Anlage über die Holz- Her eigene Cutcontrol Typ 2. Zum Bedienen und Abrufen der Programme steht eine 19“ Touchscreen-Bedieneinheit zur Verfügung. Das manuelle Restelager wird automatisch vom System gepflegt. Eine Software zur Schnittoptimierung war ebenfalls Bestandteil des Lieferumfangs an Wetscher. In der Arbeitsvorbereitung werden die CAD-Daten von der Schnittoptimierung übernommen und anschließend über ein Netzwerk an die Maschine geschickt. Erworben wurde in diesem Zusammenhang eine Lizenz für fünf User.

 

Babaric-Lager


Dank der serienmäßigen Vorbereitung der „CUT 6220 Dynamic“ für entsprechende Beschickungslösungen, stellte die Anbindung des automatischen Barbaric-Lagers kein Problem dar. Mit 22 Lagerplätzen biete es genügend Spielraum, so Tanner. Und auch in Sachen Materialschonung sehe man sich damit in einer sehr guten Position. Es gebe keine beschädigten Platten mehr, Bediener verursachte Fehlbelegung entfalle ebenfalls. Außerdem gestalte sich mit der Positionierung des Lagers im neuen Hallenanbau der gesamte Fertigungsfluss in der Tischlerei durchgängiger.

 

Resümee


Auch für Kurt Dam, zuständiger Produktmanager bei Holz-Her, war das Projekt Wetscher eine besondere Erfahrung. Neben der intensiven Mitarbeit bei den Softwareanbindungen an das bestehende Warenwirtschaftssystem, sei es vor allem die strikte Einhaltung der Terminplanung nach den Vorgaben im Pflichtenheft in der Realisierungsphase gewesen, die ihn herausgefordert habe. „Es ist für mich jedes Mal eine totale Bestätigung, dass solche Projekte und Anbindungen super funktionieren“, stellt er resümierend fest.


Und der Werkstättenleiter ergänzt: „Wenn man so eine Produktion hat, sich eine neue Maschine kauft und ein neues Gebäude baut, da darf man sich bei den Terminen nicht verzetteln. Mit Holz-Her war es super, wir haben die Maschine in der verabredeten Woche bekommen. Vom Aufstellen bis zur Inbetriebnahme hat es drei Wochen gedauert. Es lief alles hervorragend. Das war für beide Firmen gut.“

www.wetscher.com  
www.holzher.com

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