Bild: Holzma
Von Singapur bis Aberdeen – Sägen international

Langversionen für China, viel Hubraum für die USA, Ethanol-Motor für Brasilien – was in der Autoindustrie üblich ist, wird auch für Hersteller von Plattenaufteilsägen immer wichtiger: ein Produktportfolio mit länder- oder regionalspezifischen Modellvarianten.

„Denn wer global eine Rolle spielen will, muss sein Angebot auf die Nachfrage in unterschiedlichen Märkten abstimmen“, so Martin Kress, Homag Group Product Manager Plattenaufteiltechnik aus Calw-Holzbronn

 

Intelligenter, flexibler, vernetzter: Vor allem in Westeuropa forcieren viele Schreinerei- und Möbelbetriebe die Automatisierung aller Fertigungsprozesse. Nur so lässt sich der Trend zur Individualproduktion bei gleichzeitig meist hohen Personal-, Rohstoff- und Betriebskosten wirtschaftlich abbilden. Doch die nötige Effizienz ist mit Hardware allein nicht zu erreichen. Entscheidend sind auch intelligente Bedienassistenz- und Softwaresysteme. Deutlich analoger geht es dagegen noch in anderen Weltregionen zu. Beispiel China: Effizienz bedeutet hier ganz oft noch Output pro Zeit – auch in der Losgröße-1-Fertigung.

 

Losgröße 1 auf Chinesisch


China ist der Markt, auf den alle blicken. Weil er so groß ist, so dynamisch und so spannend. Das Reich der Mitte gilt als Fabrik der Welt – mit Massenproduktion in Serie. Die Fertigung von Individualmöbeln spielte dagegen lange Zeit kaum eine Rolle. „Doch nun erleben wir in China einen radikalen Wandel von der Serienproduktion hin zu einer Massen- Losgröße-1-Produktion mit deutlich steigenden Qualitätsansprüchen“, berichtet Kress. „Chinesische Kunden fragen beispielsweise nach Maschinenlösungen für einen Losgröße- 1-Zuschnitt mit Kapazitäten von mehr als 10000 Teilen – pro Schicht. Platz- und Personalaufwand spielten dabei noch eine untergeordnete Rolle. So kommt es, dass wir auch mal 20 oder mehr Sägen auf einmal an einen Kunden ausliefern, die dann in Reihe aufgestellt und von jeweils zwei Mitarbeitern bedient werden.“ Letztere würden meist nach Akkord bezahlt – also nach Anzahl der fertig gesägten Teile pro Schicht. So liegt es im Interesse des Chefs und der Bediener, dass die Sägen eine möglichst hohe Leistung bei maximaler Verfügbarkeit bringen. Speziell für diese Anforderungen hat Holzma die HPP 180 entwickelt – eine äußerst robuste und auf Leistung getrimmte Einzelsäge, die vor Ort in Shanghai gebaut wird. Ab März wird es sie zusätzlich noch mit dem Holzma Power Concept geben, einer zusätzlichen, getrennt zum Programmschieber verfahrbaren Spannzange. Der Grund: „Damit erreichen wir bis zu 40 Prozent mehr Output, was unseren Kunden in China sicherlich sehr gefällt“, schmunzelt Kress. Und er weist auf eine Stärke der für China typischen Losgröße- 1-Fertigung hin: „Trotz Losgröße 1 lassen sich durch die schiere Masse die Schnittpläne oft so zusammenfassen, dass quasi wieder eine Serienproduktion entsteht.“


Der Schlüssel zum Erfolg – gerade bei einer solchen Produktion in China – ist die Teileidentifikation. In China liefert Holzma daher kaum eine Säge ohne Etikettiersystem aus – sei es manuell oder automatisch. Dennoch: Wer die Teilestapel chinesischer Fabriken sieht, mag kaum glauben, dass sie sich jemals wieder zu Kundenkommissionen auseinander sortieren lassen.

 

Verkettete Systeme haben Konjunktur


Der Trend zu kleinen Losgrößen oder sogar Stückzahl 1 hat inzwischen viele Märkte erreicht. Und er geht einher mit steigender Materialvielfalt, verschiedensten Dekoren, Farben und komplexen Schnittplänen. Das hat einen erhöhten Handlings- und Personalaufwand zu Folge. Die Antwort auf diese Herausforderung heißt meist Automatisierung.


„Die Vielfalt zwingt Betriebe zum Umdenken“, weiß Kress. „Sie brauchen mehr Struktur und Effizienz in ihren Abläufen.“ Erreichen lässt sich das mit Säge-Lager- Kombinationen. „Das erkennen immer mehr Hersteller“. Und so steigt weltweit die Nachfrage – selbst in kleinen Märkten: „Noch vor fünf Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, dass Länder wie Thailand, die Philippinen oder Indonesien Märkte für Säge-Lager-Kombinationen sein könnten“, so Kress. „Doch die Kunden wollen auch dort von den damit verbundenen Kostenvorteilen profitieren und installieren solche Systeme.“


In den klassischen Nesting-Märkten USA und Australien gelten Säge-Lager-Kombinationen für viele Kunden inzwischen als eine optimale Ergänzung zu vorhandenen Nesting-Maschinen. „Da bei uns alles aus einer Hand kommt, können wir relativ einfach sowohl die Nesting-Maschine als auch die Säge an das Lager anbinden“, beschreibt Kress den Vorteil der Homag Group. Das Ergebnis sind zunehmend automatisierte Fertigungsprozesse mit verbesserter Struktur, einer effizienten Resteverwertung und gleichzeitig sinkenden Personalkosten. Gerade die USA profitiert davon: „Viele Hersteller holen nun die Kapazitäten zurück, die sie in den Krisenjahren vor allem nach China ausgelagert hatten. Dazu brauchen Sie professionelle Maschinenlösungen.“

 

Es gibt sie noch, die reinen Serienproduzenten


Trotz des Trends zur Individualproduktion dürfen Maschinenbauer die Anforderungen klassischer Serienhersteller nicht aus dem Blick verlieren. Denn es gibt sie noch: die Märkte, in denen in hohen Stückzahlen gefertigt wird. Neben China zählt unter anderem die Türkei dazu, ebenso Russland oder auch viele Länder der ehemaligen Sowjetunion. Dabei findet man in jedem Land typische Eigenheiten. „In vielen Ländern im Osten ist es unseren Kunden zum Beispiel sehr wichtig, dass sie die Maschine in Eigenregie warten können. Gefragt sind daher eher gering ausgestattete, aber extrem robuste Maschinen“, erzählt Kress. Dennoch ist Holzma sicher: Automatisierung wird sich auch bei den internationalen Serienherstellern weiter durchsetzen. Das zeigt etwa ein Blick auf Polen oder Ungarn, die vergleichsweise viel in moderne Technologien und Automatisierungslösungen investieren und damit sehr erfolgreich unterwegs sind.

 

Große Erfolge mit kleinen Sägen


Völlig anders strukturiert ist die Möbelproduktion in Brasilien. Hier gibt es wenige Großbetriebe oder Zulieferer, die sich auf den Zuschnitt spezialisiert haben. Stattdessen dominieren viele kleine Generalisten – jeder mit eigener Plattenaufteilsäge. Günstig muss sie sein, kompakt und vielfältig im Einsatz. Holzma hat daher die HPM 120 entwickelt – eine Plattenaufteilsäge ausschließlich für die Kunden in Südamerika. Produziert wird sie direkt vor Ort in Sao Paulo. Das Besondere daran: Der hintere Maschinentisch mit Programmschieber und Spannzangen fehlt. Stattdessen übernimmt diese Aufgaben einfach ein zweiter Maschinenbediener. Ebenfalls für die Anforderungen der kleinen Betriebe in Südamerika eignet sich die neue HPP 130. „Wir haben diese hochwertige kleine Säge auf der Ligna 2015 präsentiert. Die HPP 130 ist eine echte Holzma-Druckbalkensäge mit allem drin und dran, was man so braucht – und mit einem bemerkenswerten Preis“, berichtet Kress stolz. Ursprünglich wurde die HPP 130 nur für den Einsatz in einer bestimmten Region entwickelt, hat sich dann aber quasi über Nacht zum Welterfolg gemausert. Das zeigt: Wer passgenaue Maschinenlösungen für spezielle Märkte und Regionen entwickelt, kann damit auch etwas schaffen, das sich rund um den Globus großer Beliebtheit erfreut.

 

Lokale Intelligenz


Was für die Hardware gilt, trifft auch auf die Software zu. Auch hier muss man auf regionale Besonderheiten eingehen. Für die Steuerungssoftware Cadmatic heißt dies beispielsweise, dass Kunden die Wahl aus inzwischen 20 Sprachversionen haben. „Und auch in der Steuerungslogik gehen wir auf regionale Besonderheiten ein und werden dies in Zukunft verstärkt tun“, kündigt Kress an. Unterschiedliche Anforderungen gäbe es zudem bei der Zuschnittoptimierung. Diese seien allerdings weniger marktabhängig, sondern eher durch das jeweilige Fertigungsportfolio und die Arbeit mit Drittsoftware begründet. Holzma Schnitt Profi(t) ist deshalb modular aufgebaut und lässt sich flexibel anpassen.

 

Marktgerechte Lösungen liefern


Diese Flexibilität und die Bereitschaft, gezielt auf marktspezifische Anforderungen einzugehen, sei für den Maschinenbau wichtiger denn je, meint Kress. „Es ist natürlich einfacher, europaorientiert zu entwickeln und die hier erfolgreichen Maschinenkonzepte in alle Welt zu exportieren“, so Kress. „Das wird aber den Anforderungen nur teilweise gerecht. Im Product Management gehen wir deshalb andere Wege. Wir arbeiten mit Kunden weltweit eng zusammen, sind über den Vertrieb und unsere Area Product Manager direkt vor Ort und holen uns so den Input, den wir für marktgerechte Lösungen brauchen.“

www.holzma.de

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Marktübersicht Plattenaufteilsägen 2018
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