Bild: Anthon
Partnerschaftliche Lösung einer anspruchsvollen Aufgabe

Gemeinsam haben der schwedische Küchenhersteller Ballingslöv und der Flensburger Maschinenbauer Anthon eine kundenindividuelle Lösung für das Aufteilen diverser Plattenwerkstoffe erarbeitet.

Im Mai dieses Jahres soll die Anlage in Produktion gehen.

 

Als die vorhandene Aufteilanlage im Werk Ballingslöv nicht mehr zeitgemäß und am Ende ihrer Lebensdauer war, machte sich der schwedische Premium-Küchenhersteller Ballingslöv auf die Suche nach einer optimalen Lösung für das Aufteilen seines Rohplattenmaterials. Nach kurzer Sondierung entschied man sich für einen Herstellerwechsel und die Firma Anthon. Die Entwicklung der Lösung wurde dann in enger Zusammenarbeit von Ballingslöv, der Ingenieursfirma Mared, langjähriger Partner, und dem Maschinenbauer Anthon realisiert. Dabei wurden mehrere Lösungsansätze verfolgt und ausgearbeitet. Nach zahlreichen Treffen und gemeinsamen Besichtigungen von Anthon-Referenzanlagen ist schließlich eine abschließende Lösung entstanden. Dafür musste eine Plattenaufteilanlage projektiert und integriert werden, die sich für die komplette Küchenausstattung – und damit für die Herstellung von Korpussen, Fronten, Sockeln, Tops, Rückwänden und Zerlegemöbeln – einsetzen lässt. So sollen aus Rohplattenformaten von 3300 x 2550 Millimeter unter anderem Teile in den Abmessungen 250 x 100 Millimeter hergestellt werden. Neben Span- und MDF-Platten sind aber auch Leichtbauplatten aufzuteilen, die in den Stärken von 2,5 bis 30 Millimeter variieren. Als Beschichtungsmaterialien kommen Papier und Melamin sowie verschiedene Folien zum Einsatz. Zu lösen waren diese Aufgaben unter Berücksichtigung der eingeschränkten Platzverhältnisse und der Materialflussrichtung. Schließlich soll auch eine neue Schnittoptimierungssoftware in den Fertigungsablauf integriert werden.

 

Technisch und kaufmännisch gut aufgestellt


„Die hervorragende Umsetzung unserer Vorstellungen in einem Anlagenlayout war ausschlaggebend für die Auftragsvergabe an die Firma Anthon“, berichtet Kent Eliasson, Projektleiter bei Ballingslöv. „Von Anfang an fühlten wir uns wohl mit dieser Entscheidung, zumal Anthon stets versucht hat, unsere Ideen konstruktiv umzusetzen. In gemeinsamer Arbeit ist dann ein Anlagenkonzept entstanden, mit dem wir technisch und kaufmännisch für die nächsten Jahre sehr gut aufgestellt sind“, so Eliasson weiter. Dabei war die Aufgabe selbst für die Firma Anthon, die stets versucht, individuelle Kundenwünsche auf hohem technologischem Niveau zu erfüllen, sehr anspruchsvoll. „Die Anforderungen konstruktiv den baulichen Gegebenheiten anzupassen, die Kundenwünsche umfassend zu berücksichtigen und eine hohe Prozessflexibilität zu realisieren, ist eine kleine Meisterleistung gewesen“, so Projektleiter Patrick Schulze von Anthon. Dass hier mit Standard nicht viel zu erreichen war, zeigen verschiedene Besonderheiten der Anlage:


– Sägenbeschickung vom Stapel mittels Abschieber für Einzelplatten oder Plattenpakete sowie mittels Vakuum für empfindliche Oberflächen,

– kundenspezifische Ausführung in Bezug auf Funktion, Ablauf und Produktvarianz,

– kompakte, platzsparende Bauweise mit optimaler Position der 0-Kanten für hohe Sägenkapazität,

– Kopfschnitte mittels Drehtisch möglich,

– automatische Speicherung von Streifenpaketen vor der Quersäge,

– integrierte Teilespeicherung in der Abstapelung zur Lagenbildung, Paternostersystem,

– schnelle Abstapelung mit Seitengreifer und zusätzlicher Drehfunktion für vier automatische Abstapelplätze,

– automatische Unterlagenpräparation aus Palette und Schonplatte sowie Versorgung der einzelnen Abstapelplätze,

– zusätzliche Handabstapelung für Kleinserien von Kleinteilen und Übergrößen,

– speziell weiterentwickelte Absaugung für staubarme Plattenaufteilung.


Die aufzuteilenden Rohplattenstapel werden per Gabelstapler der Anlage zugeführt. Die durch die Beschickung gebildeten Pakete werden über einen Drehtisch, der die Pakete in Kopfschnitt- oder in Längsschnittstellung positioniert, der Längssäge zugeführt. Nach dem Aufteilen auf der Längssäge werden die Pakete in der Regel über eine Winkelübergabe zur Quersäge transportiert. Zusätzlich ist eine Längsstreifenpufferung installiert, die Streifen für eine volle Quersägenauflage sammelt und somit die Quersägezeit optimiert. Nachdem die Teile auf der Quersäge aufgeteilt wurden, werden komplette Lagen auf der Abnahmestation gebildet. Hierzu wird eine Streifenseparierung und eine Paternosterpufferung genutzt, um das Lagenbild optimal der zu verwendenden Palettengröße anzupassen. Der automatische Seitengreifer mit Drehfunktion nimmt die Lagen anschließend auf und setzt sie auf einen der vier Abstapelplätze. Durch dieses Zusammenspiel wurde beinahe die Flexibilität eines Roboters erreicht, ohne die Schnelligkeit der Abstapelung zu verlieren. Die Möglichkeit, Kleinteile und Übergrößen abzustapeln, wurde zusätzlich mit zwei kombinierbaren Abstapelplätzen realisiert. Die auf den Abstapelplätzen erzeugten Stapel werden an einen Verfahrwagen zum Transport auf die Abnahmerollenbahn übergeben.

 

Maßgeschneiderte Schnittplanoptimierung


Große Anforderungen stellt das Projekt auch an die Schnittoptimierung. Hierzu hat Anthon auf den langjährigen Partner PSL und dessen Optimierungsprogramm Secant zurückgegriffen. Wie Anthon selbst, erstellt auch PSL maßgeschneiderte Lösungen, die auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse abgestimmt sind. Standardaufgaben wie die Berechnung von Schnittplänen, Schnittzeiten und Abfall sowie die grafische Ausgabe von Schnittplänen wurden überarbeitet. Zugleich wurde die Stapelbildung integriert. Verantwortlich ist die Schnittoptimierung nicht nur für die Vorkommissionierung der Plattenpakete, sondern auch für die Berechnung der Stapelkonstellation, die den einzelnen Stapelplätzen vorgegeben ist.


„Wir werden die Anlage im Februar 2016 nach einer kompletten Inbetriebnahme in Flensburg an Ballingslöv ausliefern. Nach einer Montage- und Anlaufphase wird sie dann im Mai 2016 die Produktion für den Kunden übernehmen und sicher für viele Jahre am Anfang der Bearbeitungskette im Produktionsablauf bei Ballingslöv wertvolle Dienste tun“, so abschließend Projektleiter Schulze.

www.anthon.de

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