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26 Digitalisierte Fertigung Einsatzpotenziale von Montageassistenzsystemen In den letzten Jahren wurden unterschiedliche Assistenzsystemtechnologien für die Montage entwickelt und implementiert, um den Auswirkungen einer unzureichenden Informationsbereitstellung zu begegnen. Dieser Beitrag will den Nutzen derartiger Montageassistenzsysteme aufzeigen, einen Überblick über verschiedene Systemtypen geben und drei Systeme konkret vorstellen.  Sven Hinrichsen 1, Sven Bendzioch 1, Alexander Nikolenko 1, Ernst VoSS 2 MERKMAL MERKMALSAUSPRÄGUNG AUSFÜHRUNG DES ASSISTENZSYSTEMS Beschäftigte in der Varianten- oder Mehrproduktmontage leisten einen zunehmenden Anteil informatorischer Arbeit, indem sie permanent Auswahlentscheidungen im Hinblick auf die aufzunehmenden Bauteile, Werkzeuge, Hilfsmittel oder die anzuwendende Arbeitsmethode treffen müssen 1. Die steigende Bedeutung informatorischer   11.2018 Arbeit in der Montage hängt mit einer zunehmenden Komplexität von Montageaufgaben zusammen, die vor allem aus einer großen Anzahl an Produktvarianten und zu montierender Komponenten, kleinen Losgrößen und einer hohen Dynamik von Produktänderungen resultiert 2. Trotz der steigenden Bedeutung informatorischer Arbeit in der manuellen Montage zeigen empirische Untersuchungen zur Informationsbereitstellung, dass fünf Defizitkategorien unterschieden werden können 3: (1) Benötigte Informationen fehlen im Montagesystem. (2) Es werden unnötige 1 Labor für Industrial Engineering der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Lemgo 2 Homag Kantentechnik, Lemgo Informationen dargestellt. (3) Informationen werden zum falschen Zeitpunkt und in der falschen Menge bereitgestellt. (4) Informationen sind nicht aktuell und/oder (5) nicht so aufbereitet, dass diese einfach vom Beschäftigten aufgenommen und verarbeitet werden können. Konsequenzen sind beispielsweise Aufgabenunterbrechungen, Suchvorgänge, Rücksprachen mit Konstrukteuren oder Nacharbeiten, die zu einer geringen Akzeptanz des Informationsmanagements führen. Diese Defizite in Verbindung mit neuen technologischen Möglichkeiten haben dazu geführt, dass in den letzten Jahren unterschiedliche Assistenzsystemtechnologien für die Montage entwickelt und implementiert wurden. Vor diesem Hintergrund werden in dem öffentlich geförderten Verbundprojekt ,Exzellente Montage in der Industrie 4.0‘ (Montexas4.0) Formen assistenzgestützter Montagearbeit erforscht, prototypisch umgesetzt und erprobt. Ferner wird über empirische Untersuchungen ermittelt, welche produktivitäts und kompetenzförderlichen Potenziale informatorische Montageassistenzsysteme bieten. Im Ergebnis steht ein Praxisleitfaden, der Unternehmen bei der Auswahl, Konfiguration und Nutzung dieser Systeme unterstützt. Erreicht werden die Projektziele durch ein beteiligungsorientiertes Vorgehen, indem sich Theorie und Praxis anwendungsorientiert verzahnen. Dazu zählt die experimentelle Erprobung von Demonstratoren im Labor sowie die Umsetzung und Evaluation in echten betrieblichen Montagebereichen. Ziel dieses Beitrages ist es, den Nutzen von Montageassistenzsystemen herauszustellen, eine Übersicht zu unterschiedlichen Systemtypen zu geben und drei konkrete Assistenzsysteme vorzustellen. Begriff und Nutzen Während die Automation darauf abzielt, menschliche Tätigkeiten durch Maschinen vollständig zu substituieren, zielen Assistenzsysteme darauf ab, die besonderen Fähigkeiten des Menschen weiterhin zu nutzen und mit den positiven Eigenschaften von technischen Systemen zu kombinieren. Nach der Art der Systemunterstützung kann im betrieblichen Kontext zwischen energetischer (zum Beispiel Heben einer Last durch kollaborierende Roboter) und informatorischer (zum Beispiel Darstellen der Inhalte des relevanten Arbeitsschritts) Unterstützung unterschieden werden 4, 5. Energetische Assistenzsysteme – wie Exoskelette oder kollaborierende Roboter – dienen der Gewährleistung der Ausführbarkeit der Aufgabe und der Reduzierung der körperlichen Belastung für den Menschen 4. Informatorische Assistenzsysteme haben einerseits den Zweck, mentale Beanspruchungen der Beschäftigten zu reduzieren 1. Andererseits sollen sie einen Beitrag dazu leisten, dass der Beschäftigte die Montageaufgabe fehlerfrei (Effektivität) und in der dafür geplanten Zeit (Effizienz) Stationär (feste Installation) Beweglich (bewegliche Installation) Handgerät Wearable - Kopf - Oberkörper - Arme/Hände - Beine/ Füße MENSCH-MASCHINESCHNITTSTELLE Unimodal Multimodal ART DER INFORMATIONSAUSGABE Visuell (optisch) Auditiv (akustisch) Taktil-kinästhetisch (haptisch) ART DER INFORMATIONSEINGABE/ SYSTEMSTEUERUNG Manuell (über Stellteile) Verbal (Sprachsteuerung) Gestikulär (Trackingsysteme) Automatisch (Sensorik) BENUTZERERKENNUNG Keine Anmelden und Laden von Benutzerprofilen Automatische Erkennung, Nutzung und Aktualisierung von Benutzerprofilen p Tabelle 1: Ausschnitt aus einer Morphologie zu Montageassistenzsystemen 8 (Bilder: Hochschule Ostwestfalen-Lippe)


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