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28 Digitalisierte Fertigung Das ausgewählte Arbeitssystem gehört zum Bereich der Aggregatemontage und hat die Montage von Pneumatikbaugruppen zum Gegenstand. Die Baugruppen bestehen zumeist aus einer Grundplatte, Pneumatikventilen, Verbindungselementen und Schläuchen. Insgesamt werden in dem betrachteten Arbeitssystem aus 383 verschiedenen Komponenten   11.2018 92 unterschiedliche Pneumatik- Baugruppen montiert. Das Arbeitssystem wurde in etwas vereinfachter Form im Labor für Industrial Engineering der Hochschule Ostwestfalen-Lippe aufgebaut. Zudem wurden drei unterschiedliche Assistenzsysteme im Arbeitssystem installiert (Bilder 1 bis 3). Ziel dieses Aufbaus ist es, über Laboruntersuchungen herauszufinden, wie sich die Art der visuellen Informationsausgabe auf Größen wie Auftragszeit oder Fehlerrate auswirken. Die verwendete Assistenzsystemsoftware wurde vom Unternehmen Assembly Solutions bereitgestellt. Das Unternehmen ist im Jahr 2016 aus Forschungsaktivitäten am Fachbereich Produktion und Wirtschaft der Hochschule Ostwestfalen-Lippe hervorgegangen. Beim projektionsbasierten Assistenzsystem handelt es sich entsprechend Tabelle 1 um ein stationäres Assistenzsystem. Die Informationsausgabe erfolgt in erster Linie visuell. Die Informationseingabe kann im Sinne einer multimodalen Interaktion manuell, verbal oder gestikulär erfolgen. Die benötigten Informationen werden sowohl auf die Arbeitsfläche als auch auf einzelne Behälter (Pick-by-Light) projiziert (Bild 1). Die Software ermöglicht es, in kurzer Zeit selbstbeschreibungsfähige Arbeitsanweisungen zu erstellen. Bei der Informationsausgabe über einen Bildschirm werden alle für die Montage relevanten Informationen auf einem Touchdisplay angezeigt (Bild 2). Der Beschäftigte wird durch die Montage geführt und kann seine Arbeitsschritte nach der Fertigstellung am Bildschirm oder über einen Taster quittieren. Ein weiteres Informationsausgabemedium stellt die Augmented-Reality-Brille (AR) dar (Bild 3). Mit dieser werden Montageinformationen permanent im Sichtfeld des Werkers angezeigt. Fazit und Ausblick Beschäftigte in der Varianten oder Mehrproduktmontage leisten einen zunehmenden Anteil informatorischer Arbeit. Montageassistenzsysteme haben den Zweck, einerseits mentale Beanspruchungen der Beschäftigten zu reduzieren. Andererseits sollen sie einen Beitrag dazu leisten, dass der Beschäftigte die Montageaufgabe fehlerfrei (Effektivität) und in der dafür geplanten Zeit (Effizienz) durchführt. Dazu haben die Systeme den Anspruch, den Beschäftigten die richtigen Informationen (what) zur richtigen Zeit (when) in der gewünschten Form (how) bereitzustellen. In der betrieblichen Praxis kommt es darauf an, Assistenzsysteme so zu konfigurieren, dass sie den Anforderungen der Beschäftigten und des Betriebes möglichst weitgehend entsprechen. Im Rahmen von Labor- und Felduntersuchungen sollen weitere Erkenntnisse gewonnen werden, wie die Informationsdarstellung zu erfolgen hat, damit Aufgaben effektiv und effizient durchgeführt werden können und die Assistenzsysteme eine hohe Akzeptanz bei den Beschäftigten erfahren. Das Verbundprojekt ,Montexas4.0‘ (Förderkennzeichen 02L15A260) wird im Rahmen des Programms ,Arbeit in der digitalisierten Welt‘ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds gefördert. u www.montexas40.de u www.hs-owl.de u www.homag.com Literatur 1 Bornewasser, M.; Bläsing, D.; Hinrichsen, S.: Informatorische Assistenzsysteme in der manuellen Montage: Ein nützliches Werkzeug zur Reduktion mentaler Beanspruchung? In: Zeitschrift für Arbeitswissenschaft 73(2018) 2 Stork, S.; Schubö, A.: Human cognition in manual assembly: Theories and applications. 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