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42 Betriebs- und Fertigungsbedarf CAM im Wandel In den letzten Jahren haben sich CAD- und CAM-System enorm weiterentwickelt. Neben Verbesserungen im Einzelnen scheinen die gesamtheitliche Betrachtung der Prozesse und die CAM-Einbettung von entscheidender Bedeutung zu sein. Über eine Reihe weiterer Details gibt Jörg Rudig Auskunft, Leiter des Competence Center CAM bei DPS Software. CAM, das deutlich älter als CAD ist, wurde schon Anfang der 60er Jahre eingesetzt, um wertvolle Teile – etwa im Flugzeugbau – sicher herzustellen. Grob gesagt, besteht ein CAM-System aus einem Prozessor, mit dem NC-Programme generiert werden. Das geschieht ohne Anpassung an eine spezielle Maschine. Vielmehr übernimmt diese Anpassung dann ein Postprozessor. Im Grunde könnte man mit beiden Komponenten NC-Programme erzeugen und auf einer CNC-Maschine ,abfahren‘. Dabei wäre allerdings ein ausführliches Einfahren der Programme auf der Maschine nötig, was man früher auch tat. Heute dagegen will man Programmfehler schon in der virtuellen Welt erkennen und bereini-   12.2019 gen. Auf der Seite des Prozessors hat man dafür die virtuelle Maschine sowie deren Simulation einschließlich der Werkzeuge und Aufspannsituationen. Auf der Seite des Postprozessors gibt es die Simulation nach dem Postprozessorlauf, welche mit ,echten‘ Steuerungsbefehlen (zum Beispiel Eureka) arbeitet. Fügt man nun noch ein Toolmanagementsystem und eine CAM-Datenverwaltung hinzu, erhält man das, was aktuell unter CAM verstanden wird. Gesamtzusammenhänge sehen „Heute geht es nicht mehr darum, eine Frässtrategie zu optimieren oder ähnliche Dinge, es geht darum, die Gesamtzusammenhänge in einem Unternehmen zu sehen“, betont Rudig. „Früher traf man Systementscheidungen anhand eines Werkstückspektrums, den Gesamtprozess aber hat man nicht gesehen.“ Die DPS-Fachleute gehen heute anders vor: Zunächst steht nicht der Verkauf eines Systems im Mittelpunkt, sondern die Analyse der Prozesse. Hat sich das Kompetenzteam ein Bild gemacht, „sitzen wir oft mit der Geschäftsleitung oder dem Chef der Fertigung zusammen und diskutieren, wie die Prozesse optimiert werden können, ohne erst einmal an ein konkretes Produkt oder Modul zu denken“, so Rudig. Danach erarbeiten die CAM-Fachleute ein Konzept, das die passende Lösung bezüglich der Prozesse und Datenflüsse enthält. Benötigt wird eine Lösung, die es erlaubt, die Daten aus der Konstruktion einfach in der Fertigung weiterzuverarbeiten. Ein Beispiel: Lange Zeit war es üblich, die Werkstücktoleranzen in die Zeichnung zu schreiben. Der Mann in der Fertigung ,klapperte‘ sie dann händisch in sein System. Die in der Produktion benötigten Mittentoleranzen musste er auch noch selbst ausrechnen und berücksichtigen. Viel einfacher wird es, wenn der Konstrukteur die Toleranzen in das Modell einträgt und das CAM-System sie verarbeitet. Die Bearbeitungszeit in der Werkstatt sinkt damit genauso wie die Fehlerrate. Eine andere Frage ist: Müssen in der t Jörg Rudig, Leiter Competence Center CAM bei DPS Software (Bilder: DPS Software) p imachining erlaubt es, Schruppbearbeitungen erheblich zu beschleunigen t Wichtiger als das Optimieren einzelner Punkte ist die Analyse der Gesamtsituation im Unternehmen, in welche das CAM-System passen muss


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