Bekantungsanlagen

Das Gesamtkonzept zählt

Die Paul Ott GmbH im österreichischen Lambach hat sich zwar ganz und gar dem Thema Kantenleimen verschrieben. Aber jeder weiß dort, dass es nicht vorteilhaft ist, diesen Arbeitsschritt isoliert zu betrachten. Die eine Lösung zum Bekanten gibt es nicht. Wichtig ist das Gesamtkonzept und vor allem der hohe Anspruch an Qualität und Flexibilität. Für Einzelmaschinen ebenso wie für Komplettanlagen gilt: Losgröße 1 muss genauso realisierbar sein wie die serielle Fertigung im Mehrschichtbetrieb. Alles ist möglich bei Bekantungsanlagen: von kompakt bis hoch automatisiert.
 Diese TransCompact Rückführung an einer Tornado+ steht bei Schiffer & Sams in Bad Ischl (Österreich).
Diese TransCompact Rückführung an einer Tornado+ steht bei Schiffer & Sams in Bad Ischl (Österreich). Bild: Schiffer & Sams GmbH & Co KG

Effizientes Arbeiten erfordert, sich genau mit dem Materialfluss des gesamten Prozesses rund ums Bekanten auseinanderzusetzen. Schließlich sind die Maschinen in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich leistungsfähiger geworden. Sowohl die Arbeitsschritte vor und auch nach dem Bekanten der Werkstücke schaffen bessere Leistungsdaten als früher. Aber auch im Bereich Kantenverleimung ist nun eine andere Vorschubgeschwindigkeit Standard, als noch vor 15 oder 20 Jahren.

Arbeitsabläufe ganzheitlich betrachten

Wenn die Leistungsfähigkeit in allen Bereichen zunimmt, sind alte Arbeitskonzepte oft nicht mehr zeitgemäß. Deswegen macht es Sinn, Arbeitsabläufe ganzheitlich zu betrachten und sie auf die jeweilige Zielgruppe abzustimmen.

„Unsere Kunden rangieren vom klassischen Handwerker bis zum Möbelproduzenten“, sagt Beatrix Brunner, die Geschäftsführerin der Paul Ott GmbH: „Das Universalrezept für jeden Kunden gibt es nicht.“

Deswegen setzt man bei Ott auf Individualität und enge Zusammenarbeit mit Partnern.

Um dies zu ermöglichen, verwendet der österreichische Familienbetrieb ein ‚offenes System‘. „Wir haben schon mit zahlreichen namhaften Software-Entwicklern zusammengearbeitet. Unsere Maschinen und Bekantungsanlagen sind so angelegt, dass sie mit nahezu jedem Programm kommunizieren können“, sagt Beatrix Brunner. Dass unter dieser Voraussetzung jede neue Kantenanleimmaschine Industrie-4.0-fähig ist, gilt im Hause Ott als selbstverständlich.

 Ein Werkstück wird angescannt. Das Etikett mit dem Code und allen den Job betreffenden Daten wird beim Zuschnitt aufgebracht.
Ein Werkstück wird angescannt. Das Etikett mit dem Code und allen den Job betreffenden Daten wird beim Zuschnitt aufgebracht.Bild: Schiffer & Sams GmbH & Co KG

Schnittstelle als neutrale Basis der Kommunikation

„Kein Kunde wird bei uns zu einer bestimmten Lösung gedrängt“, erklärt die Geschäftsführerin den Grundsatz offen für viele verschiedene Ansätze zu sein. Dahinter steht auch oft eine langjährige Zusammenarbeit zwischen einem Kunden und dem EDV-Partner. „Diese wollen wir nicht aufbrechen, und wir setzen deshalb auf offene Lösungen“, betont die Geschäftsführerin. Erreicht wird dieses Ziel mit einer definierten Schnittstelle als möglichst neutrale Basis für die Kommunikation.

Deshalb können Kunden mit einer Bekantungslösung von Ott ihre Automatisierungskonzepte auf verschiedenste Weise umsetzen: von der quasi ‚Einstiegslösung‘, also beispielsweise nur das Verwalten der Kantenrollen mittels Handscanner bis zur kompletten Nachvollziehbarkeit jedes einzelnen Werkstückes und der Überwachung von Materialständen.

 Schonendes Arbeiten für Mensch und Material mit TransLift+
Schonendes Arbeiten für Mensch und Material mit TransLift+ Bild: Schiffer & Sams GmbH & Co KG

Materialfluss beim Bekanten

Ein Beispiel für eine durchdachte Lösung im Materialfluss beim Bekanten ist die Rückführlösung TransCompact. Sie kann mit jeder neuen Kantenanleimmaschine von Paul Ott kombiniert werden. Das Rückfördern der Teile erfolgt dabei materialschonend und auf die Geschwindigkeit der Maschine abgestimmt. Die Bedienung der Rückführung ist voll in die Steuerung der Kantenanleimmaschine integriert.

Abgestimmte Bekantungscenter

Eine Lösung für besondere Anforderungen ist das Bekantungscenter TransEdge. Je nach Kundenwunsch wird es von Ott in verschiedenen Ausführungen konzipiert. „Eines haben alle TransEdge-Zentren gemeinsam: Optimale Verarbeitungsqualität und alltagstaugliche Lösungen“, beschreibt Beatrix Brunner den Grundgedanken, der hinter der Technik steht. Realisierbar sind z.B. eine Gesamtlösung mit zwei Kantenanleimmaschinen und komplett automatisierter Übergabe, Bar-Code-Scannung, automatischer Ausschleusung bzw. Abstapelung, Winkelzuführung und vielem mehr.

 Ein Teil des perfekten Kantenlagers: sauber, ordentlich und immer griffbereit
Ein Teil des perfekten Kantenlagers: sauber, ordentlich und immer griffbereitBild: Schiffer & Sams GmbH & Co KG

Die Umsetzungsart in den Betrieben ist dabei so vielfältig wie die Kunden und ihre Leistungsspektren selbst. Man möchte vermuten, dass sich nur Großbetriebe an diese Thematik heranwagen, aber das ist ein Trugschluss. Auch bei kleineren Betrieben macht es Sinn, die perfekte Kommunikation zwischen Arbeitsvorbereitung und Produktion herzustellen und so ein neues Level an Effizienz zu erreichen.

Ein Beispiel aus der Kaiserstadt

Ein perfektes Beispiel dafür ist der in der ‚Kaiserstadt‘ Bad Ischl in Österreich beheimatete Betrieb Schiffer & Sams. Dort arbeitet man zwar mit einer klassischen Handwerkslösung aus dem Hause Ott – nämlich mit einer Tornado+ mit der platzsparenden Rückführung TransCompact. Die Umsetzung mit übergeordneter Software und Produktionsplanung ist aber schon fast industriell. Der Bediener scannt jedes Werkstück mit einem Ringscanner an. Auch das Kantenlager im Traditionsbetrieb Schiffer & Sams kann sich sehen lassen: Perfekt organisiert und aufgeräumt – Kanten suchen muss dort keiner nicht mehr.

„Konsequent muss man dann natürlich schon sein, damit es Sinn macht“, bestätigt man bei Ott die Vorgehensweise wie beim Kunden Schiffer & Sams. „Aber viele Kunden sehen sehr schnell den Vorteil. Man vermeidet beispielsweise Überlagerung von Materialien und kann auch jedem Auftrag viel besser die jeweiligen Kosten zuordnen.“

PUR-Klebstoff für die Nullfuge

Bei Ott setzt man weiterhin auch auf die optimale Verarbeitung des PUR-Klebstoffes für die Erreichung der Nullfuge. „Die Klebstoffhersteller haben ihre Materialien weiterentwickelt und wir unser Verleimsystem“, erklärt Frau Brunner. „Es gibt keinen Grund, sich vor der Verarbeitung von PUR zu scheuen. Im Gegenteil, es bringt etliche Vorteile, wie z.B. die hohe Wasserbeständigkeit, die sonst kein alternativer Ansatz erreicht.“

Der internationale Erfolg gibt Ott mit seinen Lösungen recht: Auch z.B. in Südafrika und Neuseeland verkaufen sich die Maschinen beständig gut, und man punktet mit den alltagstauglichen Konzepten in ganz Europa.

Ständig neue, spannende Projekte

Ott produziert seit den 1960er Jahren in Lambach Holzbearbeitungsmaschinen, in den letzten Jahrzehnten hat sich das Unternehmen komplett auf Kantenleimen und die damit verbundenen Logistik-Lösungen konzentriert. Auch die Planung und Produktion von Sonderlösungen, wie Maschinen für die Türenfertigung, stehen auf der Tagesordnung. Von der Einzelmaschine bis zur hoch automatisierten Losgröße-1-Anlage hat man bei Ott schon vieles umgesetzt und freut sich auf weitere, spannende Projekte.

Produkte und Spezialisierung

Das Unternehmen hat sich auf die Herstellung von Kantenanleimmaschinen spezialisiert und beliefert unzählige Tischlereien, Baufachmärkte, die Möbelindustrie und viele andere Interessenten weltweit.

Angeboten werden verschiedenste Modelle, die auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind. Von der Kaufberatung über den Aufbau bis hin zur Inbetriebnahme und Wartung erhalten Kunden ein Rundum-Service-Paket.

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