Bild: Schüller
Alles muss zusammenspielen

Die Schreinerei Schüller, beheimatet in der Vulkaneifel – im beschaulichen Daun-Waldkönigen, bewegt sich derzeit an der Schwelle von der konventionellen zur digitalisierten Fertigung. Eine fünfachsige Rover und die Branchensoftware aus dem Hause OS Datensysteme sind Bausteine des neuen Prinzips. Ergänzt werden sie schon bald von neuer Zuschnitttechnik. MICHAEL HOBOHM

Schüller ist eine durchaus typische Schreinerei mit lokalem Kolorit – und das im besten Sinne des Wortes: Ein breites Leistungsspektrum wird bei vorrangig regionalem Zuschnitt für private und gewerbliche Kunden umgesetzt – oft in exklusiver Einzelfertigung. Inhaber Rainer Schüller, der den zwölf Mitarbeiter starken, auf über 100 Jahre Geschichte zurückblickenden Familienbetrieb in vierter Generation führt, verantwortet ein Portfolio, das sich von der Planung und Gestaltung, Einrichtungen für Küche, Bad und Wohnen, individuellen Innenausbauten, Parkettböden, Treppen und Geländern, Haus- und Zimmertüren, Fenstern in Holz, Holz-Alu und Kunststoff, Ladenbau und Objekteinrichtungen bis zur Ausführung und fachgerechten Montage erstreckt. „Diese Leistungen erbringen wir zu 70 bis 80 Prozent für Privatkunden, die meist im Umfeld angesiedelt sind“, erzählt Schüller, der als Obermeister auch die Westeifel-Innung leitet. „Wenn ein Kunde zum Beispiel ein neues Haus baut, liefern wir ihm die Innentüren oder Fenster, können aber auch den Fußboden verlegen, den Trocken- und Innenausbau ausführen oder Möbel und Treppen bereitstellen.“ Dabei wird im Möbelbau, der immerhin 70 Prozent der Aufträge ausmacht, die komplette Bandbreite geboten: Küchen-, Ess-, Wohnzimmer- und Badmöbel, Kleiderschränke, Tische, komplette Ankleidezimmer. „Wollen die Leute eine neue Küche kaufen, gehen sie oft davon aus, dass sie in einem Möbelhaus günstiger kommen“, benennt Projektleiter Johannes Funk ein verbreitetes Vorurteil. „Wenn wir ihnen dann ein Angebot für ihre Küche machen und kleinste Schrägen oder Lücken im Raum berücksichtigen, sind sie oft erstaunt. Denn preislich können wir mithalten. Und von der Qualität und Individualität her sowieso.“ Das wissen auch die gewerblichen Kunden von Schüller, zu denen meist kleinere Unternehmen wie Gastronomien, Hotels, Arztpraxen oder Industrieunternehmen gehören. „Wir scheuen aber auch nicht vor größeren Projekten zurück“, ergänzt Funk. „In enger Absprache mit Malern, Elektrikern und Sanitärfachleuten arbeiten wir dann Hand in Hand auf Gewerk zu.“

 

Geschlossene Lösung


Maschinentechnisch beginnt die Umsetzung der Aufträge mit einer stehenden Säge von Holz-Her, nach deren Grobzuschnitt mit einer Altendorf auf Format geschnitten wird. Im Anschluss werden auf einer Holz-Her die Kanten angefahren, um dann auf einer fünfachsigen Rover A alle nötigen Bohr- und Fräsbearbeitungen auszuführen. Mit dem Biesse-BAZ hatte Schüller vor fünf Jahren vor allem in Bearbeitungsbreite und -flexibilität investiert. Kurze Zeit später folgte der Kauf des CNC-Generators von OS Datensysteme. „Heute würde ich das etwas anders machen“, betont Schüller. „Um schneller zu Ergebnissen zu kommen, würde ich die Technik parallel einführen.“ Seit 1995 ist Schüller überzeugter OSD-Anwender. Damals ging es mit dem ERP-Branchenprogramm aus Ettlingen los, wurden Module zur Kalkulation und Auftragsabwicklung in die Fertigung gehoben. 2001 folgte das CAD-System OSD-Spirit 3D, 2003 der Korpusgenerator OSD-Corpus+, 2014 kam das Modul zur Maschinenanbindung hinzu. Heute ist mit den Modulen OSD-Kundenauftragsabwicklung, -Kalkulation/Stücklisten, -Corpus+, -Spirit 3D und dem OSD-CNC-Generator eine geschlossene Lösung im Einsatz. „Das enge Zusammenspiel, die Durchgängigkeit der Daten zwischen Rover, CAD/CAM-System und CNC-Generator machen die Fertigung erst effizient“, geht Reinhard Krautwurst, im Vertrieb der OS Datensysteme GmbH tätig, auf ein Kernelement ein. „Diese Durchgängigkeit der Konstruktions-, Material- und Beschlagdaten bis hin zum CNC-Programm wird von vielen Anwendern aber noch immer unterschätzt.“ Nicht so bei Schüller.

 

Einfache, schnelle Konstruktion


Bei der Einführung der einzelnen Module gab es in Daun-Waldkönigen keine Probleme. „Das lief vom ersten Tag an“, so Funk. Natürlich hätte man sich einarbeiten müssen. Der Korpusgenerator beispielsweise sei aber selbsterklärend. Der einfache Gebrauch zeige sich beispielhaft an einem Ankleidezimmer, das man kürzlich in L-Form mit offenen Korpussen samt Schubladen, Kleiderstangen und Hosenauszügen für eine Privatperson aus Daun-Waldkönigen gebaut habe. „Solche Projekte planen wir immer in Corpus+, weil es schnell geht und die Daten bis in die Fertigung hinein verwendet werden können. Außerdem ist der Aufwand bei Änderungswünschen gering. Nach Aufnahme der Maße beim Kunden entwerfen wir parametrisiert die Konstruktion und präsentieren ihm dann das Produkt in 3-D. Sind zusätzliche Farben oder Texturen gewünscht, machen wir das in Sketchup.“ Dass sich mit OSD-Corpus+ dreidimensionale Möbel schnell und einfach per Parametereingabe erstellen lassen, sei auch der umfangreichen Bibliothek zu verdanken, die für den Korpusgenerator und Spirit zur Verfügung steht. „So haben wir zum Beispiel als Texturen und Farben eine ganze Egger-Kollektion hinterlegt. Bei den Beschlägen können wir auf das komplette Programm von Hettich zugreifen“, so Funk. Über die jeweilige Schnittstelle werden neue Produkte stets aktuell ins System geholt. „Ist der Schrank – oder eben das Ankleidezimmer – im Korpusgenerator geplant, werden dann im CAD-System die nötigen Schnitte hinterlegt und bemaßt. Schließlich werden die Fertigungszeichnungen herausgelassen und die Stücklisten erstellt.“

 

Durchgängiger Datenfluss


Durch Verknüpfung der geometrischen Objekte mit den in der Materialdatenbank hinterlegten Informationen übergibt der OSD-CNC-Generator die Konstruktionsdaten für die Fertigung direkt an die Rover A. Neben dem bei Schüller angesprochenen NC Hops kann mit dem CNC-Generator auf alle gängigen Formate wie Woodwop bis Imawop gegangen und so die Maschinen aller bekannten Hersteller angesteuert werden. Problemlos läuft bei Schüller auch diese Datenübergabe an die Fertigung ab. „Das gilt für OSD-Corpus+, OSD-Spirit wie auch die CNC-Einzelteilbearbeitung“, betont der Obermeister. „So gehen unsere Möbel heute zu hundert Prozent durch und müssen an der Maschine nicht nachprogrammiert werden.“ Die Effekte, die man durch diese Verknüpfung von CAD/CAM-System, CNC-Generator und Fünfachs-BAZ generiert, beziehen sich auf die frühere Bearbeitung per Lochreihenbohrmaschine und Dübelautomat. Ein unpassender Vergleich? Nicht, wenn ein Betrieb für sich erkannt hat, dass er den Weg in die digitalisierte Fertigung gehen muss. So wie Schüller, wo heute der hohe Qualitätsanspruch, den man verkörpert, deutlich schneller und mit weniger Aufwand umgesetzt werden kann. „Es gibt Tage, an denen ich immer noch staune, wie schnell alles geht: Am Morgen noch habe ich die Daten in die Werkstatt gegeben, am Nachmittag schon sind die Teile fertig“, ist Funk zufrieden. „Und bei Nachbestellungen, wenn der Kunde zum Beispiel einen Einlegeboden braucht, kann das Teil einfach aufgerufen und mit wenig Aufwand nachgefertigt werden.“ Fehler treten dabei kaum noch auf, weder in der Fertigung, noch beim Zeichnen oder der Datenübergabe. „Wenn überhaupt, haben wir vielleicht mal einen Zahlendreher in der Arbeitsvorbereitung“, so Funk. „Aber was hinten rauskommt, passt immer.“

 

Fortgesetzte Zusammenarbeit


Mit der Konstruktion wie auch der Maschinenansteuerung ist man bei Schüller im Reinen. Die Prozesse laufen schnell, sicher, fehlerfrei. Die Zusammenarbeit mit unserem Softwarelieferanten soll daher bald in eine neue Richtung gehen. „Wir beschäftigen uns schon länger mit der Zeiterfassung“, konkretisiert Schüller. „Um hier von vornherein Probleme bei der Schnittstelle und der Durchgängigkeit zu vermeiden, werden wir das entsprechende Modul wieder bei OS Datensysteme kaufen.“ Parallel dazu wächst der Betrieb in der Vulkaneifel weiter. Im Juli soll ein Hallenneubau stehen und schnell bezogen werden. Platz finden wird hier eine neue Zuschnittanlage, aber auch als Lager soll der Neubau dienen. „Mit OSD haben wir dann wieder einen kompetenten Partner, der uns hier unterstützt“, weiß Schüller. Speziell bei der Anbindung der neuen Säge – im direkten Zusammenspiel mit dem CNC-Generator und den vorgeschalteten OSD-Modulen.

www.osd.de  
www.schreinerei-schueller.de

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Oberflächenveredelung mit Mehrwert
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Erst die richtige Oberfläche macht ein Möbelelement zu etwas Besonderem. Aber nicht die Optik allein ist entscheidend. Auch die Weiterverarbeitungs- und Gebrauchseigenschaften sind von großer Bedeutung:
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Die Technologie Kleiberit Hotcoating verbindet diese Eigenschaften. ...
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