Bild: Koch Interactive
Lackierung in H-Dur

Ein Klavierkonzert ist eine feine Sache: Einfach zwei Stunden der Virtuosin oder dem Virtuosen beim Spiel lauschen und große Kunst genießen. Am Flügel zeigt der Pianist Fingerspitzengefühl, das Instrument arbeitet mit präziser Technik, perfekt lackierte Hochglanzoberflächen geben dem Moment den ästhetischen Rahmen.


Die Arbeit mit Klavierlacken und die Herstellung hochwertiger Oberflächen ist eine der Königsdisziplinen in der Holzbearbeitung und -veredelung. Nicht nur, weil der Lack für eine gelungene Optik sorgt, sondern auch, weil er einen entscheidenden Einfluss auf den Klang hat. Hier ist viel Erfahrung gefordert: in allen Vorbereitungsphasen, während der kritischen Lackierprozesse und in der langwierigen manuellen Nachbearbeitung. Das Ergebnis dieser Erfahrung und der Liebe zum Produkt ist die sichtbare, hörbare und spürbare Perfektion der Instrumente.

 

Zukunftssichere Lösung geschaffen


Die Seiler Pianofortefabrik GmbH aus dem unterfränkischen Kitzingen fertigt seit 1849 Klaviere. Fast 170 Jahre Instrumentenbauerfahrung werden heute mit modernen Bearbeitungsmethoden kombiniert. Frischer Wind sollte 2016 auch durch den Lackierbereich wehen. Julius Feurich, der bei Seiler die Produktion leitet, sondierte mit seinem Team den Markt und lotete die Expansionsmöglichkeiten für die vorhandenen Räumlichkeiten aus. Der langjährige Partner für die Ausstattung des Maschinenparks, die Koch-Mannes Maschinen-Handels-GmbH aus Schweinfurt, stellte den Kontakt zu den Lackierkabinenexperten von Höcker Polytechnik her. Nach umfassenden Planungen wurde eine zukunftssichere Lösung geschaffen, die bei niedrigem Energieeinsatz für optimale Lackierergebnisse sorgt.

 

Anforderungen an komplexe Lackierprozesse erfüllt


Feurich ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Eine perfekte Lackierung und das gekonnte Finish machen unsere Instrumente zu edlen Glanzstücken in Wohnzimmern oder Konzertsälen. Das war in den letzten 169 Jahren so und wird auch künftig so sein. Mit dem neuen Höcker-Lackierzentrum haben wir einen zukunftsweisenden Schritt getan. Es ist für uns nun leichter, unsere hohen Standards bei der Oberflächenqualität durchgängig sicherzustellen. Die Zusammenarbeit mit dem Höcker-Team war angenehm und transparent. Unsere Arbeitsabläufe wurden analysiert und auf dem beschränkten Platz in der Fertigung eine optimale Lösung entwickelt. Die Arbeitsbedingungen für unsere Lackierer sind nun optimal, und die Lackierergebnisse überzeugen.“


Seit August 2016 arbeitet Seiler mit dem Lackierzentrum, das alle Anforderungen an die komplexen Lackierprozesse im Instrumentenbau erfüllt. Der mehrschichtige Auftrag des Polyesterlacks fordert nicht nur das Können des Lackierers, der stark haftende Farbnebel verklebt auch besonders schnell die Filter der Farbnebelabsaugung. Hier wurde eine Lösung entwickelt, die für niedrige Filterkosten und lange Standzeiten sorgt. Zugleich wurde das Lackierzentrum nahtlos in die bestehenden Werkstatträumlichkeiten integriert. Auf einer Fläche von 148 m2 befinden sich nun die Lackierkabine, der Trockenraum sowie der Aggregate- und der Applikationsraum. Alles verbirgt sich hinter einer durchgängigen Paneelwand.

 

Overspray filtern und absaugen


Die 36-m2-Lackierkabine wurde speziell auf die Verarbeitung des Polyesterlacks ausgelegt und erfüllt die Vorgaben des Lackherstellers. Bei einer konstanten Temperatur von 25°C sowie einer Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent kann der Lack optimal abdunsten. Für hygienische Bedingungen sorgt der vorgeschaltete Luftbefeuchter mit integrierter Wasseraufbereitung und UV-Entkeimung. Der stark haftende Overspray des Polyesterlacks wird durch eine Kombination aus Paintgrid-Vorabscheider und Paintblock-Filtern gefiltert und abgesaugt. Dabei sammelt der Vorabscheider einen Großteil des Polyesterlacks und entlastet so die Filter. Die Intervalle für die teuren Filterwechsel verlängern sich damit auf bis zu sechs Monate. Nochmals reduzieren lassen sich die Filterkosten durch den Austausch stark mit Lack frequentierter Filterblöcke aus dem unteren Bereich gegen die weniger belasteten mittleren und oberen Blöcke.

 

LED-Beleuchtung reduziert Energiekosten


Für das Lackierergebnis entscheidend sind letztendlich das handwerkliche Können und der geschulte Blick des Lackierers. Ein energiesparendes, ex-geschütztes LED-Lichtsystem leuchtet die gesamte Lackierkabine mit 2240 lm aus und hilft bei den regelmäßigen visuellen Zwischenchecks. Auch hier wird Energie gespart, da sich diese LED-Technik mit 45 Prozent des Strombedarfs herkömmlicher Systeme begnügt. Praktisch für den Lackierer ist die Automatik an der Spritzapplikation, die die Beleuchtung und Farbnebelabsaugung einschaltet, sobald die Spritzpistole in die Hand genommen wird. In der 48 m2 großen Trockenkabine reduzieren kontrollierte Aushärteprozesse die Ruhezeiten der lackierten Teile zwischen den Lackierphasen. Es bildet sich ein fester, durchgehender Film, und die verbliebenen Lösemittel können ausdünsten.


Nach den Lackier- und Trocknungsphasen wird der Lack mit Aufbereitungs- und Polierprozessen in Hochform gebracht. Mit der Erfahrung und dem handwerklichen Können der Finishing-Spezialisten von Seiler erhalten die Instrumente ihren einzigartigen Tiefenglanz und den wertigen Charme. Im Aggregateraum wird gefilterte, vorgewärmte Frischluft durch einen Gasflächenbrenner mit hohem feuerungstechnischen Wirkungsgrad erhitzt. Die erwärmte Luft wird befeuchtet und über die Zuluftfilter dem Lackierraum zugeführt. Die Zuluft des Trockenraumes wird nicht befeuchtet. Ein Kreuzwärmetauscher nutzt die Abluft und senkt den Energieeinsatz zusätzlich um über 50 Prozent.

 

Energiesparpotenziale ausgeschöpft


Steuerungstechnisch wurde der Fokus auf ein fortschrittliches Energiemanagement und auf Bedienerfreundlichkeit gelegt. Der Lackierer kann über das Touchpanel alle Einstellungen für die Lackier- und Trockenprozesse unkompliziert vornehmen. Eine Filter- und Drucküberwachung zeigt den aktuellen Wirkungsgrad der Filter an und informiert über anstehende Filterwechsel. Licht, Wärmeerzeuger und Farbnebelabsaugung sind nur in Betrieb, wenn sie gebraucht werden; die frequenzgeregelten Motoren in der Zu- und Abluftventilation werden stufenlos angesteuert, und die Wärmerückgewinnung mit Kreuzwärmetauscher reduziert den Energieeinsatz beim Gasflächenbrenner. Der Energieeinsatz wird so auf das Nötigste reduziert.


Uwe Kaczmarek, Projektleiter der Höcker Polytechnik GmbH, ist nach Abschluss des Projektes rundum zufrieden: „Das Lackierzentrum bei Seiler in Kitzingen ist nun seit drei Monaten im Einsatz, und die Lackierergebnisse überzeugen. Das Team um Herrn Feurich und die Lackierkabinenexperten von Höcker Polytechnik haben vom Start weg gut und transparent zusammengearbeitet. Zusammen entwickelten wir eine Lösung, die perfekt auf die individuellen Arbeitsabläufe von Seiler abgestimmt ist. Das Lackierzentrum wurde platzsparend in die bestehenden Hallen integriert und bietet auf 148 m2 alle Annehmlichkeiten moderner Lackier- und Trockenkabinen. Die Luftbefeuchtung, die optimierte Farbnebelabsaugung und die Ausleuchtung erleichtern den Lackierern den Job. Es ist schön, heute einen Seiler-Flügel zu sehen, den ästhetischen Charme des Flügels auf sich wirken zu lassen und zu wissen, dass wir mit unserer Technik einen Beitrag dazu leisten durften.“


 www.hoecker-polytechnik.de

 

 

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