Bild: Meyer & Grave Tischlerei
Treppen bekommen ein Gesicht

„Holz ist ein einsilbiges Wort, aber dahinter ist eine Welt voller Märchen und Wunder.“ Wer hätte gedacht, dass dieses Zitat von Theodor Heuss, dem ersten deutschen Bundespräsidenten, stammt? Bis heute hat Holz nichts an Faszination verloren und ist, bis auf wenige Ausnahmen, im Treppenbau ein unersetzlicher Rohstoff.


„Der Bau einer Treppe erfordert viel Umsicht, Erfahrung und eine Menge Leidenschaft“, sagt Gregor Meyer, Geschäftsführer der Meyer & Grave Tischlerei, der 1990 sein Unternehmen im niedersächsischen Visbek gegründet hat. „Handwerkliche Qualität einer Manufaktur, gepaart mit Perfektion und Effizienz moderner Maschinen- und Computertechnik“, so beschreibt er das Firmencredo und verweist auf die Tatsache, dass bei ihm gut ausgebildete Tischler arbeiten und sogar noch der altehrwürdige Beruf des Drechslers ausgeübt wird. Im Wettbewerb zu den zahlreichen Treppenherstellern aus dem In- und Ausland hat sich Meyer & Grave darauf spezialisiert, Treppen zu bauen, bei denen andere die Segel streichen. Dazu gehört auch ein besonderes Nischenprodukt der Firma: Treppen, die auf Luxusyachten bis 100 Meter Länge und mehr zu bestaunen sind.

 

Hohe Ansprüche


Gerade in der Urlaubszeit sind diese schwimmenden Luxusbehausungen auf allen Meeren anzutreffen. Was an den mehrgeschossigen Yachten ins Auge fällt, sind zum Beispiel zweiläufige Bogentreppen im Innen- und Außenbereich, die man sonst nur in einem Opernhaus oder Schloss vermutet. Allein vier der rund vierzig Beschäftigten von Meyer & Grave sind ausschließlich in der Treppenherstellung für den gehobenen Yachtbau tätig.


Neben diesen speziellen Treppen werden viele andere Arten gefertigt. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Als hochwertige Massivholztreppen werden sie in Einzelarbeit individuell an die Wünsche der Kunden angepasst. Diese Endkunden freilich bekommt man bei Meyer & Grave selten zu Gesicht. Denn Auftraggeber und Ansprechpartner sind hauptsächlich Tischlereibetriebe. Sie vertrauen dem Know-how, der Kreativität und Sorgfalt, die diese Treppen zu etwas Besonderem machen und punktgenau den exklusiven Geschmack der Bauherren treffen. Ob eine Stadtvilla in Berlin, eine Schlossrenovierung im Schwarzwald oder eine Yacht in Barcelona: Überall erzielt man durch das Zusammenspiel von Treppe und Raum einen makellosen Eindruck. Weil die Treppenprofis aber außer dem Design vor allem auf Qualität Wert legen, ist der Einsatz moderner Maschinen unumgänglich.

 

Maßarbeit gefordert


Fünfachstechnik setzt Meyer & Grave seit vielen Jahren in der Produktion ein. Als 2017 eine Ersatzinvestition anstand, um für kommende Herausforderungen gewappnet zu sein, war den Verantwortlichen klar: Nur eine Reichenbacher kommt infrage. Warum? „Das Unternehmen gehört zu den Top-Adressen unter den Maschinenbauern“, so Meyer. „Wir wussten natürlich, dass das seinen Preis hat.“ Ziel war es, technisch einen beträchtlichen Schritt nach vorn zu machen, um noch diffizilere Projekte umsetzen zu können. „Bei einem Besuch am Produktionsstandort in Dörfles-Esbach beeindruckte uns dann die Vielfalt der Sondermaschinen“, erzählt Produktionsleiter Markus Bilstein. „Wir hatten ein super Gefühl und wussten: Hier sind wir richtig.“


An ihre neue Treppenfertigungsanlage stellten die Entscheider besondere Ansprüche, schließlich sollten sich Holz, Aluminiumplatten und Kunststoffbauteile bearbeiten lassen. Eine wichtige Anforderung war auch eine hohe Z-Achse, die laut Meyer bei anderen Herstellern nicht zu bekommen und dem Sondermaschinenbau vorbehalten sei. Das im Frühjahr 2017 gelieferte Bearbeitungszentrum Vision-ST-H beeindruckt mit einem Z-Hub von 700 mm, sodass es geeignet ist für die Bearbeitung schwerer, hoher Bauteile wie Krümmlinge oder Schablonen, die zur Herstellung von 3-D-Formteilen benötigt werden.


Die Anlage verfügt über alle für die Treppenherstellung relevanten Ausstattungsdetails, zum Beispiel eine Stufentrennvorrichtung. Darüber hinaus setzt Reichenbacher bei Treppenzentren neben einem Hauptaggregat drei zusätzliche Fräsmotoren ein. So können Arbeitsschritte optimal auf die Aggregate verteilt und Werkzeugwechselzeiten verkürzt werden. Rund 20 Prozent Produktionszeit spart das laut Hersteller in der Treppenfertigung gegenüber herkömmlichen Maschinenlösungen. „Letztlich war für uns wichtig, dass die Fräsqualität stimmt und die Bearbeitungsgeschwindigkeit auf dem aktuellen Stand der Technik ist“, betont Bilstein. „Die Anlage arbeitet im Zweischichtbetrieb. Um Aufträge termingerecht abwickeln zu können, sind Zuverlässigkeit und Schnelligkeit unerlässlich.“

 

Schlichte Eleganz oder rustikaler Charme


Jede Art von Treppe bauen zu können – das reklamieren einige Hersteller für sich. Meyer & Grave beweist dieses Können mit einem aktuellen Projekt: Ein Privatkunde hat ein Haus im amerikanischen Stil mit rustikaler Optik gebaut. Eine normale Treppe kam da nicht infrage. Gemeinsam entwickelte man die Idee, eine Treppe im Blockhausstil zu bauen. Die Umsetzung sollte mit einem Grundkorpus aus einem unbehandelten Eschenstamm erfolgen. Dass ein solcher Plan überhaupt umgesetzt werden konnte, liegt daran, dass sich Meyer & Grave schon immer darauf konzentrierte, Einzelstücke zu projektieren. So wurde geplant, mit Alpha CAM eine 3-D-Zeichnung mit anschließender Werkzeugzuweisung erstellt, den Fehlerquellen mit einer 3-D-Simulation zu Leibe gerückt und so lange optimiert, bis der erste Dummy gefräst werden konnte. Erst dann ging es ans Eingemachte: Nach Anlieferung wurde ein 360 kg schwerer Baumstamm mit einem Stapler auf die Maschine gelegt. Acht Stunden dauerte es- bis alle Stufen eingestemmt waren – von der Beschickung und exakten Ausrichtung über die Fixierung auf der Spannvorrichtung und Bearbeitung von X+- und X--Seite bis Mitte des Stammes. Auch die 100 mm starken Stufen wurden auf der CNC-Anlage endbearbeitet.

 

Alles aus einer Hand


Als Zulieferer übernehmen die Niedersachsen die komplette fachliche Unterstützung: Planung, Entwurf, Zeichnung, Programmierung, Materialeinkauf bis zu statischen Berechnungen unter Einhaltung aller landestypischen Regelungen wie Brandschutz und Absturzsicherheit – alles aus einer Hand. Das gilt vom Geländer über die Stufen bis hin zu den Wangen – für jedes gewünschte Material, für jede Art von Treppe. Für freitragende Ausführungen etwa, die ohne Befestigung aus der Wand zu kommen scheinen – minimalistisch, aber zeitlos schön wirkend. Auch zweiläufige Bogentreppen mit steigend formverleimten Wangen und Handläufen bietet der Hersteller in vielen Ausführungen an. Dabei können darunterliegende Betonkerne verdeckt werden. Hervorzuheben sind Brüstungsgeländer, Stäbe und Pfosten, die bei Meyer & Grave überwiegend noch von einem Fachmann gedrechselt werden. Die Nachbearbeitung der Bauteile erfolge meist von Hand, so Meyer, weil die Programmierung solcher Vorgänge zu langwierig und die Maschine mit anderen Aufgaben ausgelastet sei.


Zudem wird nicht mit vordefinierten Materialien gearbeitet. So muss immer ein Profi entscheiden, ob die Rohlinge für die Bearbeitung geeignet sind. Liegt beispielsweise ein Ast oder ein Farbfehler vor, der hinterher im Bauteil sichtbar wäre und sich nicht überlackieren ließe, kann dieser Schritt nicht automatisiert erfolgen. Fachpersonal ist bei hochwertigen Produkten enorm wichtig – und ein Austausch von Personal durch Maschinen nicht möglich. „Die Reichenbacher-Anlage kann jederzeit bei uns begutachtet werden“, sagt der Firmenchef zum Schluss und spricht von einer offenen Werkstatt für alle interessierten Tischlereien. Das sagt genug darüber aus, wie stolz man auf das moderne Bearbeitungszentrum ist.


www.reichenbacher.de


www.meyer-grave.de

 

 

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