Bild: Birgit Lutzer
FHM setzt auf digitalisierte Produktion

An der Fachschule Holztechnik Melle (FHM) werden staatlich geprüfte Techniker und Meister des Tischlerhandwerks ausgebildet. In der Produktion setzt die Fachschule dabei auf Industrie 4.0. Damit sich die Digitalisierungsprozesse optimieren und standardisieren lassen, ist die Refa-Lehre ein fester Bestandteil der Ausbildungsgänge.


An der FHM lernen Studierende wie Nils Warskulat, Lars Hübner und Franz Zenner, Produkte vom Rohstoff bis zum Möbelstück oder Bauelement komplett zu planen und herzustellen. Für die Fertigung steht den Studierenden ein umfangreicher Maschinenpark mit moderner Holzbearbeitungstechnologie zur Verfügung. Zugleich sind Refa-Lehrgänge fester Bestandteil der Ausbildung. Was sich hinter dem Begriff Refa verbirgt, erläutert der Regionalverbandsvorsitzende Olaf Keisker von Refa Nordwest: „Es geht darum, betriebliche Prozesse menschengerecht so zu gestalten, dass sie gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens verbessern.“ Für die angestrebte Leistungssteigerung erlernten Refa-Absolventen in Theorie und Praxis die notwendigen Methoden. Keisker nennt Beispiele wie Datenermittlung, Prozessanalysen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Instrumente zum Aufdecken von Verschwendung. „Basis für die Umsetzung von Industrie 4.0 ist zunächst die Akzeptanz der beteiligten Beschäftigten. Hinzukommen müssen standardisierte Prozesse und genormte Schnittstellen zwischen den Arbeitssystemen.“ Dieses Zusammenspiel sei insbesondere dann wichtig, wenn es um digitalisiertes Zusammenwirken mit Externen wie Kunden oder Zulieferern gehe.


Refa-Kenntnisse vielfach gefordert


Auf diese Herausforderungen werden die Studenten der FHM auch mithilfe von Refa-Lehrinhalten vorbereitet. An der Fachschule lernen sie alle Produktionsschritte von der Konstruktion über den Zuschnitt und die Bearbeitung bis hin zur Endmontage. Im Blick steht dabei immer der gesamte betriebliche Prozess. Damit die vermittelten Inhalte an den Bedarf des Arbeitsmarktes angepasst sind, pflegen Studiendirektor Roland Cramer und sein Team engen Kontakt zu Branchenunternehmen. Auch das regelmäßige Überprüfen von Stellenanzeigen gehört dazu. Cramer: „Gut die Hälfte aller Ausschreibungen verlangt Refa-Kenntnisse. Deshalb legen wir großen Wert auf deren Vermittlung.“ Auch Fachschüler Torben Höfelmeier ist angetan von den Lehrinhalten. Er könne sich gut vorstellen, einige Jahre nach Abschluss der Holztechniker-Weiterbildung den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. „Dafür habe ich dann einschließlich der Refa-Bausteine das ganze theoretische und praktische Rüstzeug. Denn wir wickeln hier den gesamten Produktionsprozess ab.“

 

Prozesskette Stehtisch


Wie sieht dieser Prozess zum Beispiel bei der Herstellung eines Stehtisches aus? Der Startschuss fällt im EDV-Raum. Nach der Konstruktion werden mit einem CAM-Programm die Fertigungsdaten erzeugt und an die Maschinen weitergegeben. Alternativ ist über eine WOP-Oberfläche die schnelle Programmierung ohne diese Schnittstelle möglich. So kann der Bediener an der Maschine einfache Bauteile programmieren oder die Programme aus der Arbeitsvorbereitung bei Bedarf anpassen.


Ein Bestandteil der vernetzten Fertigung sind optimierte Zuschnittpläne für die horizontale Plattenaufteilsäge. Hier kann der Ablauf mit möglichst wenig Verschnitt oder möglichst kurzer Bearbeitungszeit verbessert werden. FHM-Dozentin Anja Stolte nennt ein Beispiel für den Ablauf: „Um möglichst wenig Material zu verbrauchen, werden die Bauteile unter Berücksichtigung der Maserung verschnittoptimiert angeordnet.“ Die Maschine bilde die angepasste Platte grafisch ab und gebe dem Bediener Informationen zu den jeweiligen Bearbeitungsschritten. „Über ein Etikett erhält jedes zugeschnittene Bauteil einen Barcode. Dieser übermittelt den Namen und Speicherplatz für das Programm zu weiteren Arbeitsschritten am CNC-Bearbeitungszentrum.“


Als nächstes wandert das Werkstück zum CNC-Bearbeitungszentrum, wo dem Bediener per LED-Anzeige die richtige Spannposition vorgegeben wird. Im Anschluss rufen die Studenten per BDE-Lesegerät das von ihnen erstellte CAM-Programm auf. Zu den Informationen, die auf dem Display erscheinen, gehören zum Beispiel die Bauteilzeichnung mit den Bohrungen für die Verbindungsmittel oder Formatierungen. Nach Prüfung der Informationen und des eingespannten Elementes wird die Bearbeitung per Knopfdruck gestartet. In einem der nächsten Arbeitsschritte werden dann die Kanten des künftigen Möbelstücks gefräst und beschichtet. Schließlich erfolgt nach der Bekantung mittels Lasertechnologie die Montage des Stehtisches.

 

Der Kreis schließt sich


Stolte gibt einen Ausblick auf die geplante technologische Weiterentwicklung in der Fachschule: „Die Basis haben wir dank der konsequenten Umsetzung der Refa-Lehre gelegt. Künftig soll der gesamte Arbeitsprozess digital abgebildet werden. Das Bauteil muss an jeder Stelle verfolgbar sein.“ Gut wäre es, wenn die Programme so angelegt würden, dass bei jedem Fehler sofort eine Meldung erfolgt. „So läuft unser soziotechnisches Arbeitssystem noch flüssiger – und unsere Studenten sind jeweils auf dem neuesten technischen Stand.“ Verwirklicht wird das Konzept in Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen. Und die sind sehr interessiert an Holztechnikern von der Fachschule Melle. So schließt sich der Kreis.


www.refa-nordwest.de


www.fh-melle.de

 

 

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