2s + a = 65

Hätten sich die Verantwortlichen der Hamburger Elbphilharmonie an der Ausscheidung beteiligen dürfen, hätten es ihre Entwürfe möglicherweise gar nicht erst in die Vorauswahl zu den Treppen des Jahres geschafft. So oft nämlich ihr Design in jüngster Zeit gelobt wurde, so oft war die Funktionalität ein Problem: Denn 2s + a ist in der Elphi nicht gleich 65. Seit Eröffnung des Hauses stolperten Besucher denn auch mehrfach auf den über tausend, oft spitzwinkligen Stufen.

 

Mancher stürzte gar und verletzte sich. Dabei hatte François Blondel schon 1683 das Schrittmaß erstmals definiert. Nicht in ,Die Kunst Bomben zu werffen‘ oder in ,Neue Manier Vestungen zu bauen‘. Im fünfbändigen ,Cours d’Architecture‘ legte der französische Architekt dem definierten Maß die Länge des menschlichen Schrittes zugrunde. Bis heute sollten zwei Steigungen und ein Auftritt näherungsweise 65 Zentimeter ergeben. Inzwischen freilich kann, weil Menschen nun mal unterschiedlich groß sind, mit 60 bis 66 geplant werden. In Hamburg aber ist das Maß zu groß.


Auf Fragen des Designs und Raumkonzeptes, aber eben auch des Handwerks legt alljährlich die Wahl zu den ,Treppen des Jahres‘ Wert. Treppen.de als Plattform des Treppenbauhandwerks ruft dazu in jedem Herbst auf. Teilnehmen dürfen die rund 500 Mitglieder des Fachportals, deren Einreichungen eine vierköpfige Fachjury aus je einem Architekten, Fachredakteur, Zimmer- und Schreinermeister bewertet und pro Kategorie eine Siegertreppe wählt. „Wir erkennen eine immer stärkere Entwicklung hin zur Individualisierung im Treppenbau“, bringt Tilo Hauck, Inhaber von Treppen.de, den wichtigsten Trend auf den Punkt. Immerhin liegen dieser Einschätzung 381 eingereichte Anlagen zugrunde. Moderne Treppen würden sich durch mutige Materialkombinationen und große Werkstoffvielfalt auszeichnen. Ungebrochen sei die Beliebtheit geradliniger und reduzierter Designs. So finden sich im aktuellen Siegerfeld zahlreiche Vertreter geradliniger Entwürfe. Doch auch moderne Wendeltreppen sind vertreten. Der Mut der Treppenbauer zu kreativen Lösungen zeige sich im großflächigen Einsatz von Glaselementen ebenso wie in unsichtbar angebrachten Stufenaufhängungen, der selbstbewussten Positionierung der Treppen als dominierendes Element im Raum oder gewollt gebrochener Formensprache. Immer raffinierter würden auch Beleuchtungselemente eingesetzt, vor allem LED-Technologien eröffneten viele kreative Möglichkeiten. Dabei wird die Bandbreite in Design und Konstruktion nicht nur durch moderne Materialien möglich, zeitgemäße Bearbeitungslösungen tragen hier entscheidend bei. Lesen Sie dazu das aktuelle special der HOB.


In der Elphi hat man derweil das Unfallrisiko gesenkt. Überall, wo es heikel war, wurden Geländer angebracht. Außerdem hat die Kulturbehörde in Absprache mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg für eine bessere Sichtbarkeit der Treppenstufen in den Foyers und im Großen Saal gesorgt. So kann nun auch der Polizeichor Hamburg ein gefahrloses Weihnachtskonzert geben.

 

Ihr

Michael Hobohm

 

 

Editorial aus HOB 12.2017:

17_12_HOB_TS_188.jpg   

Gerne können Sie HOB 12.2017 mit weiteren interessanten Beiträgen bestellen:

E-Mail:  cedra@agt-verlag.de        
oder:     Kontaktformular

agt agile technik verlag gmbh
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56

agt_logo_200_60.png

 

spacer
Online Werbung @ HOB