Bild: Egger/EPLF
Qualität, Design, Nachhaltigkeit und permanente Innovation

1994 bis 2019: Das 25-jährige Jubiläum eines europäischen Wirtschaftsverbandes feiern zu können, ist ein Zeichen von Kontinuität und Verlässlichkeit. Jubiläen nimmt man gern zum Anlass, sich darüber auszutauschen, wie schön es früher war. Der EPLF lebt im Hier und Jetzt, die Gedanken und Diskussionen kreisen um die Zukunft. Dennoch: Wer nicht weiß, woher er kommt und wo er steht, kann nicht entscheiden, wohin er will. Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte von EPLF und Laminatboden sei daher gestattet. 

PETER H. MEYER, Geschäftsführer des EPLF


Es war um die Wende der 1980er zu den 1990er Jahren, als in Europa erste Laminatböden auf Basis der Direktbeschichtungstechnologie für Furore sorgten. Bis dahin hatte man HPL oder CPL mit abriebbeständigem Overlay auf Holzwerkstoffträger geleimt. Ein aufwendiger Prozess, der zu Produkten führte, die für viele alltägliche Anwendungen schlichtweg ,over-engineered‘ waren. Der HPL-Laminatboden führte ein Nischendasein. Der neue Einsatz von Kurztaktpressen wirkte als Disruptor, wie man heute sagen würde. Die Prozesskette verkürzte sich dramatisch, ,die Post ging ab‘ – Ausbruch aus der Nische.


Als 1999 erstmals alle damaligen ordentlichen Mitglieder des EPLF, die Produzenten von Laminatböden aus Europa, komplett ihre Absatzzahlen meldeten, lag die Summe bei 132 Millionen Quadratmetern. Den Weltmarktanteil der europäischen Werke der EPLF-Mitglieder schätzte man auf circa 60 Prozent. In den folgenden Jahren erreichten die EPLF-Mitglieder 2007 das bisherige Maximum mit 507 Millionen Quadratmetern – unmittelbar vor der Weltfinanzkrise: der EPLF-Weltmarktanteil betrug damals 56 Prozent von 905 Millionen Quadratmetern. 2018 stand der EPLF-Absatz inklusive einiger hochgerechneter Volumen aus dem Kreis der Mitglieder in Russland bei 483 Millionen Quadratmetern, was einem globalen Anteil von knapp 50 Prozent entspricht. Es entwickelten sich zwei etwa gleichgewichtige Absatzkanäle, nämlich der Fach- und Fachgroßhandel mit überwiegender Belieferung professioneller Bodenleger sowie DIY-Absatzstrukturen mit der Kernzielgruppe der Selbermacher.

 

Mitgliederschwankungen beeinflussen Verbandsstatistik


Besonders in der Langfristbetrachtung sind solche Verbandsstatistiken mit Vorsicht zu genießen. Sie zeigen immer nur Ausschnitte der Märkte – Schwankungen im Mitgliederbestand dürfen nicht vergessen werden. Ein eklatantes Beispiel bietet die Marktabschottung der Türkei 2015. Seit 2002 entwickelte sich das Land zu einem der größten Absatzmärkte der Welt für Laminatböden mit aktuell rund zehn Prozent des globalen jährlichen Konsums – nach China und den USA, vor Russland und deutlich vor Deutschland. Dynamisch wachsende türkische Hersteller befriedigten gemeinsam mit kräftigen Importen die starke Nachfrage. Als die türkischen Hersteller ihre Regierung motivierten, China-Importe wegen Preisdumping mit Strafzöllen zu belasten und damit aus dem Markt zu drängen, hielt man das noch für ‚business as usual‘. Aber nachdem das funktioniert hatte, nahmen die Türken sich 2013 die Importe aus Deutschland vor. Im Verbund struktureller Kostenvorteile der mitteleuropäischen Produktionen im Vergleich zur Türkei und nicht sachgerechter Kalkulationsmethoden innerhalb des WTO-Regelwerks gelang es, ab 2015 nun auch diese Importe mit Strafzöllen zu belegen. So gingen dem EPLF in der Türkei 44 Millionen Quadratmeter Absatz verloren, inklusive zweier türkischer Mitglieder.

 

Mit dem Gummihammer


Laminatböden gestern und heute haben kaum mehr als den Namen gemeinsam. Man darf nicht glauben, dass Laminatboden gleich Laminatboden ist, obwohl das vielen Konsumenten immer noch nicht richtig klar ist. In den frühen Neunzigern fügte man die Planken mit klassischen Nut- und Federprofilen aneinander, der Gummihammer war ein unabdingbares Handwerkszeug beim Verlegen. In technischen Arbeitskreisen stritten sich die Fachleute, ob man den Boden besser fest verkleben oder schwimmend verlegen sollte. Ein zugkräftiges Verkaufsargument für Renovierer war es, den abgetretenen Teppichboden liegen zu lassen und den neuen Laminatboden mit der naturgetreuen Eiche- oder Buche-Optik einfach schwimmend obendrauf zu legen.


Nichts von dem trifft heute noch zu. Schwimmendes Verlegen ist seit Jahren unbestrittener Stand der Technik. Dazu Eberhard Herrmann (Classen Gruppe), Vorstandsmitglied und Obmann des Arbeitskreis Technik des EPLF: „Aus den Laminatböden sind zusammen mit den vielfältigen Unterlagsmaterialien komplexe Fußbodensysteme geworden. Umfang und Tiefe der vom EPLF publizierten technischen Anleitungen sprechen Bände. Ebenso wie die große Zahl der Hersteller von Unterlagsmaterialien, die sich dem EPLF als außerordentliche Mitglieder angeschlossen haben und dort gemeinsam mit den Bodenherstellern die technische Entwicklung akribisch vorantreiben.“ Zum Wohl der Verbraucher, denn intelligente Systeme reduzieren nicht nur Raum- und Trittschall, sondern verlängern die Lebensdauer der verlegten Böden, weil sie die Verbindungen der Planken schonen.


Klassische Nut-Feder-Verbindungen sind von gestern. Immer ingeniösere, werkzeuglose Klickverbindungen machen das Verlegen zum Kinderspiel – ganz zu schweigen vom Austausch beschädigter Planken bis hin zum Extrem, den Boden beim Umzug sogar mitnehmen zu können. ,Klicken‘ ist in der Fußbodenbranche zu einem gebräuchlichen Verb geworden. Allerdings hat ein objektiver Chronist an dieser Stelle zu erwähnen, dass die Entwicklung und Vermarktung dieser Verbindungen zu jahrelangen Patentstreitigkeiten zwischen den verschiedenen Lizenzgebern führten. Dass man sich innerhalb des EPLF dennoch zusammenfand, um gemeinsam die Märkte zu erobern, spricht für kaufmännischen Pragmatismus und hat das dynamische Wachstum unterstützt.

 

Ökologisches Profil von Laminat als Maß der Dinge


Laminatböden waren, sind und bleiben unter ökologischen und ökonomischen Aspekten einer der besten Bodenbeläge. Sie bestehen überwiegend aus Holz und Holzfasern beziehungsweise Zellulose. Holz ist ein nachwachsender, erneuerbarer Rohstoff, weshalb der Laminatboden als umweltfreundliches, nachhaltiges Produkt gilt und sogar recycelt werden kann. Laminatböden haben eine feste, geschlossene Oberfläche, in die kein Staub oder Schmutz eindringen kann. Daher sind sie sehr hygienisch, pflegeleicht und für Allergiker besonders geeignet. 2017 belohnte das die EU-Kommission mit dem Regelwerk für Laminatböden für das Erlangen des EU-Ecolabels. Dieses wird in Zukunft noch intensiver zu kommunizieren sein. Die jüngste Ökowelle könnte hierfür ein gutes Vehikel sein.


Dreißig Jahre Design, Forschung und Entwicklung haben europäisches Laminat zu einem der weltweit beliebtesten, hochwertigsten Fußbodenbeläge gemacht. Laminat ist der Bodenbelag für mehr: mehr Dekorvielfalt, mehr Nutzerkomfort und mehr Freude an einem haltbaren, umweltfreundlichen Fußboden. Und dennoch: Eine im Oktober 2017 EPLF-intern erstellte Analyse enthüllt ohne Vorbehalte nicht nur die Stärken, sondern auch die wichtigsten Bedrohungen. Viele Verbraucher assoziieren mit Laminatboden, dass er ,klappert‘ und ,quellen kann‘ – obwohl das speziell für Premium-Laminate der neuesten Generation längst nicht mehr der Fall ist.


In erster Linie gibt es also ein Imageproblem: Die ersten Käufer von Laminatfußböden machten vielleicht schlechte Erfahrungen mit der schwierigen Verleimung der Profilverbindungen und mit kritischen Qualitäten bei Trägermaterial und Beschichtung. Durch die Entwicklung der Klickverbindungen ließ sich das Laminat zwar einfacher verlegen, zur breiten Imageverbesserung trug das jedoch kaum bei. Vor allem in Zentraleuropa denken viele Menschen bei Laminatboden an ihre Erfahrungen aus der Anfangszeit oder mit früherer Baumarktaktionsware. Die Innovationen sind an ihnen vorbeigerauscht. Dass ein Laminatboden von heute im Vergleich zu den Laminatböden der 1990er Jahre mehrere technische Entwicklungssprünge mitgemacht hat, ist ihnen nicht bewusst. Dabei hebt permanente Innovation heutige Laminatböden Lichtjahre über die Pionierprodukte von vor 30 Jahren hinaus. Moderne V-Fugen mit erhöhter Feuchteresistenz stoßen sogar die Türen auf zu bisher verschlossenen Anwendungsgebieten wie Küche, Bad oder Toilette.


Der 2013 eingeführte Claim ,Quality and Innovation made in Europe‘ war ein Schritt, Laminatböden aus europäischer Produktion stärker auf den internationalen Märkten zu profilieren. Das ist gelungen. Laminatböden aus europäischer Produktion werden heute in 123 Länder verkauft.

 

Wo Laminatboden heute steht


Stillstand trägt den Keim des Rückschritts. Das trieb Ludger Schindler (Meisterwerke, EPLF-Präsident von 2002 bis 2018) um. Unter seiner Präsidentschaft wurde im Sommer 2017 ein ,Innovations-Manifest‘ erarbeitet und verabschiedet. Darin verpflichten sich die Mitglieder des EPLF, sich den Herausforderungen der Zukunft ebenso innovativ und tatkräftig zu widmen, wie sie das in der Vergangenheit getan haben. Erfahrung, Nachhaltigkeit, Marktnähe und -präsenz, Wettbewerb, Qualifikation, konstruktiver Dialog, Normenentwicklung, Teamgeist und Mut sind Kategorien dieses Manifests. Das macht Sinn, denn Innovationen tragen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken in sich.


Der EPLF diskutiert aktuell, vor allem Premium-Laminate der neuesten Generation (ab 10 mm Dicke, hoher Abrieb, Wasserresistenz, Synchronpore, V-Fuge) durch geeignete Kommunikationsinitiativen von den ,festgefressenen Vorurteilen‘ der Verbraucher zu entkoppeln. Max von Tippelskirch (Swiss Krono Group), Obmann des Arbeitskreises Märkte + Image und als Stellvertreter des im letzten Herbst in die USA berufenen letzten Präsidenten Paul De Cock (Unilin) für die derzeitige Führung des EPLF verantwortlich, sieht das so: „Die technische Überarbeitung des Produktes Laminat haben die Hersteller in den letzten Jahren forciert und vorangetrieben. Negative Verbrauchererfahrungen sind zu Vorurteilen mutiert und treffen im Kern die Produkte neuester Generation nicht mehr. Jedoch bleibt immer noch dieser fade Beigeschmack. Hier muss anders und mehr in Richtung der Endkunden kommuniziert werden. Laminatfußböden waren, sind und bleiben unter ökologischen und ökonomischen Aspekten einer der besten Bodenbeläge überhaupt.“


25 Jahre Geschichte liegen hinter dem EPLF. Das Jubiläum begeht man in einer Zeit großer Herausforderungen. Absolutes Marktvolumen, internationale Präsenz, technisches Know-how, gestalterische Kreativität, Ideenreichtum, Kapitalkraft und eine unter den Fußböden einmalige ökologische Position sind hervorragende Voraussetzungen, den Strukturwandel in den Heimatmärkten sowie Imageschwächen in den Griff zu bekommen. Da passt es, dass man in dieser Zeit als Aktualisierung von 2006 und 2011 ein weitreichendes qualitatives Marktforschungsprojekt in Deutschland, Frankreich und Polen starten will sowie für die Domotex 2020 in Hannover erneut einen großen Auftritt plant.

www.eplf.com

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