Bild: Homag Group
Schritt für Schritt in die digitale Welt

Auf der Suche nach der richtigen Route wälzte man früher den Atlas oder studierte die Landkarte. Heute zückt man häufig das Smartphone oder nutzt ein Navi. Privat werden solche oder andere digitale Hilfsmittel oft gern genutzt. Warum nicht auch im Arbeitsalltag?


Speziell für kleine und mittelständische Unternehmen setzte sich Homag in den letzten Monaten mit zentralen Fragen zu dieser Thematik auseinander: Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung insbesondere Betrieben dieser Größe heute? Welche einfachen Assistenten und Features können den Schreiner/Tischler bei der täglichen Arbeit unterstützen? Wie findet jeder Betrieb seine individuellen Bausteine für die ,Werkstatt der Zukunft‘?


Homag zeigte auf der Ligna dieses Jahres Hilfsmittel, die den Arbeitsalltag mit kleinen Eingriffen vereinfachen und Arbeitsabläufe unterstützen können. Der Anwender muss dabei nicht in ein Gesamtsystem investieren, sondern entscheidet sich für einzelne Maschinen, smarte Hardware, Software und digitale Assistenten, die miteinander kommunizieren, und integriert diese in seine Werkstatt. Durch diesen Ansatz werden digitale Lösungen auch für kleine und mittelständische Unternehmen zunehmend interessant. Zu erkennen war das unter anderem in einem integrierten Werkstattkonzept speziell für Schreiner/Tischler, das Homag als ,vernetzte, digitale Werkstatt‘ bezeichnet.

 

Schrittweise anpassen


Im Werkstattkonzept ,vernetzte, digitale Werkstatt‘ beschreibt Homag ein Szenario, bei dem jede Maschine von einem Mitarbeiter bedient wird. Die Bereiche Arbeitsvorbereitung, Maschinenpark und Bankraum sind organisatorisch voneinander getrennt. Den Maschinenbedienern liegen die Auftragsdaten zum Teil in digitaler Form vor. Dabei ergeben sich folgende Herausforderungen: Wie können digitale Daten aus verschiedenen Systemen genutzt werden? Ist es möglich, die Bestände der Kantenbänder zu verwalten? Wie können Bauteile schnell nachbestellt werden? Wie wird sichergestellt, dass alle Teile für den Bankraum vollständig sind? Wie können die digitalen Daten im Bankraum genutzt werden? Über den gesamten Fertigungsprozess hinweg stehen dem Maschinenbediener dazu verschiedene Softwarelösungen oder Apps zur Verfügung, die ihm die Schritte an den einzelnen Maschinen stark vereinfachen. Im Fertigungsprozess finden holzbearbeitende Betriebe bei Homag verschiedene Helfer.

 

Planung und Gestaltung mit woodcad|cam


In der Konstruktionssoftware woodcad|cam kann der Anwender schnell und einfach Möbel und Aufträge konstruieren und digitale Zeichnungen, Stücklisten und CNC-Programme erzeugen. Mit der Software setzt er auf Durchgängigkeit von der Planung, 3-D-Konstruktion und Präsentation bis hin zur Fertigung der Möbel. Die benutzerfreundliche Bedienoberfläche ermöglicht die Realisierung von individuellen Einzelstücken bis hin zu Inneneinrichtungen in großer Stückzahl.

 

Auftragsverwaltung mit productionmanager


In vielen Betrieben sind heute noch handgeschriebene Stücklisten in Papierform im Einsatz. Um die Daten durchgängig in der Produktion einzusetzen, kommt der productionmanager – eine digitale Auftragsmappe – zum Einsatz. Er fasst alle produktionsrelevanten Daten zusammen und ersetzt die einzelnen Papierdokumente. Aus der Konstruktionssoftware woodcad|cam lassen sich alle Daten einfach in die digitale Auftragsmappe importieren und sind so jederzeit über Smartphone oder Tablet abrufbar. Der Bediener verfügt jetzt über einen transparenten Status über alle Aufträge und kann anschließend zusätzliche Teile wie Blenden schnell und flexibel ergänzen.

 

Optimieren mit intellidivide Nesting


Die Software intellidivide Nesting optimiert Nestingpläne nach unterschiedlichen Kriterien und generiert die Daten für die Nestingmaschine. Zudem liefert die Software Kennzahlen rund um den Nestingprozess. Wer mit intellidivide Nesting arbeitet, kann vor allem den Aufwand bezüglich Personal und Zeit reduzieren: Die Software verschachtelt automatisch woodwop-Programme auf Rohplatten, die Optimierung startet direkt nach dem Hochladen der Daten. Der Anwender kann sich Nestingpläne für rechteckige Teile wie auch für Freiformteile erstellen lassen. Weitere Kosten spart er, da sich Material und Verschnitt durch die optimierte Plattenausnutzung reduzieren lassen. Etiketten druckt er per Klick. Damit ist jedes Teil eindeutig identifizierbar und die Bearbeitungsinformationen für Kantenanleimmaschine und Bearbeitungszentrum werden geliefert.

 

Kantenbänder managen


Mit dem Kantenband-Management System kann der Maschinenbediener Kanten direkt am Arbeitsplatz verwalten. Dabei kommt ein spezielles Kantenbandregal zum Einsatz. In Verbindung mit der App materialassist Edge sorgt dies für eine sortierte, übersichtliche Lagerung aller Kantenbänder (inklusive Restlängen), die an der Maschine benötigt werden. Zugleich ermöglicht die App den Druck von Etiketten zur Kennzeichnung der Kanten. Im Produktionsprozess dokumentiert der materialassist die Ein- und Auslagerungen von Kanten und zeigt – durch den Einsatz von LED-Leisten am Regal – den Lagerplatz der entsprechenden Kanten an. Für ein einfaches Kantenhandling sorgt die spezielle Homag-Kantenbandverpackung. Damit gehört das aufwendige Handling beim Kantenbandwechsel der Vergangenheit an. Weil die Verpackung den Kantenwechsel beschleunigt und sich die Rüstzeiten reduzieren.

 

productionassist Sorting


Der Sortierassistent productionassist Sorting stellt sicher, dass die Teile für die Montage im Bankraum vollständig und vorsortiert sind und vermeidet die Suche danach. Wartezeiten durch Fehlteile gibt es nicht mehr – die Organisation in der Produktion wird weiter optimiert und einfacher gestaltet. Die Voraussetzung, um den Produktionsassistenten zum Sortieren zu nutzen, ist ein spezielles Sortierregal. Der Anwender scannt den Barcode auf dem Werkstück und erhält die Anweisung, in welches Regalfach das erste Teil des Möbels einzusortieren ist. Zur visuellen Unterstützung zeigen leuchtende LED-Leisten den richtigen Platz an. Ein einfacher, schneller und sicherer Prozess.

 

productionassist Assembly


Der Produktionsassistent productionassist Assembly für die Montage zeigt dem Anwender im Bankraum beziehungsweise am Montageplatz, welche Teile zum Möbel gehören, das er als nächstes montieren möchte. Wurden die Teile vorher mit dem productionassist Sorting im Sortierregal abgelegt, kann der Mitarbeiter die Teile dort wieder entnehmen. Den Hinweis auf die richtigen Fächer erhält er wieder per LED-Anzeige. Bei der Montage helfen ihm Explosions- und Teilezeichnungen sowie die 3-D-Zeichnung des Möbels. In einer Übersicht befindet sich eine Liste aller benötigter Beschläge und die Anzeige der Möbel, die im Moment montiert werden können. Der Anwender hat so alle Informationen zum Auftrag immer verfügbar.


In Summe haben alle digitalen Assistenten das gleiche Ziel: die Unterstützung der Schreiner/Tischler in der Produktion. Mit den Apps lassen sich Aufträge schneller bearbeiten, die Zeit für die Suche nach Bauteilen oder Informationen kann reduziert werden, und es besteht ein geringeres Potenzial für Fehler. Zugleich erhöhen sich die Qualität und Transparenz in der Fertigung. So kann sich der Anwender in kleinen Schritten auf den Weg in seine digitale Zukunft machen.

www.homag.com


Interview Digitale Lösungen:

Drei Fragen an Hendrik Albers, Product Management Digital Factory bei Homag


Welche Voraussetzungen braucht der Anwender, um die digitalen Produkte nutzen zu können?


Hendrik Albers: Wir bieten unseren Kunden offene, modulare Anwendungen, die sich unabhängig von Hardware und Betriebssystem auf allen stationären und mobilen Geräten nutzen lassen. Dazu braucht der Anwender nur einen aktuellen Browser und einen Internetzugang. Zudem ist ein Zugang zu tapio erforderlich. Dazu kann sich der Anwender einfach und in wenigen Schritten auf der tapio-Plattform als Benutzer registrieren. Die Maschinen, mit denen gearbeitet wird, müssen aber nicht zwingend an tapio angebunden sein. So haben wir einen Assistenten für einen geführten Zuschnitt inklusive Etikettendruck, der auch an einer manuellen Formatkreissäge funktioniert.

 

Muss der Anwender jetzt entscheiden, welchen Weg er in seine digitale Zukunft einschlägt?


Hendrik Albers: Auf keinen Fall. Unsere Apps stehen kostenlos zum Testen zur Verfügung und können anschließend in Monats-Abos gebucht werden. Somit sind die Apps jederzeit kündbar beziehungsweise bei Bedarf buchbar. Unsere Kunden können all ihre Investitionen wie Maschinen, smarte Hardware und Apps nach Bedarf modular erweitern – wir liefern alles aus einer Hand und arbeiten mit kompatiblen, untereinander abgestimmten Schnittstellen.

 

Braucht der Betrieb einen Softwareexperten vor Ort, wenn er die digitalen Lösungen von Homag nutzen möchte?


Hendrik Albers: Nein, unsere Anwendungen sind einfach in der Bedienung. Eine aufwendige Installation und Konfiguration entfällt. Wir setzen bei unseren Apps auf eine intuitive Nutzerführung und einen geringen Schulungsaufwand.

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