Nachwuchs für die Möbelindustrie

Betriebliche Ausbildung als entscheidende Ressource

Nach längerer Corona-bedingter Zwangspause trafen sich rund 25 Ausbildungsverantwortliche von Unternehmen der Möbelindustrie sowie Verantwortungsträgern der Verbände Holz und Möbel NRW (Herford) zu ihrer Arbeitskreissitzung am 3. Mai wieder in Präsenz. Gastgeber war der Standort Steinhagen im weit gefächerten Bang-Netzwerk, zu dem auch die künftige, als Brancheninitiative geplante Lehrfabrik der Möbelindustrie in Löhne gehören wird.

Zu Gast in der Steinhagener Lehrfabrik im Bang-Netzwerk: der Arbeitskreis Ausbildung der Möbelverbände NRW
Zu Gast in der Steinhagener Lehrfabrik im Bang-Netzwerk: der Arbeitskreis Ausbildung der Möbelverbände NRWBild: VHK

Die gut besuchte und gelungene Veranstaltung wurde von VHK-Geschäftsführer Klemens Brand eröffnet, der einen grundlegenden Überblick zur angespannten Situation bei der Fachkräfte- und Nachwuchsgewinnung in der Möbelbranche gab. Während die Alterskohorten ab 40 Lebensjahren in der Möbelindustrie identisch mit dem verarbeitenden Gewerbe insgesamt sind, zeigt sich in der Spanne 25 bis 40 Jahre ein auffälliges Altersdefizit der Beschäftigten.

Das nimmt kaum Wunder, denn nach einer brancheninternen Verbandserhebung kann in der Holz- und Möbelindustrie seit einigen Jahren nur jeder zweite Ausbildungsplatz erfolgreich besetzt werden und über 80% der Unternehmen können offene Stellen auch längerfristig nicht besetzen. Kaum überraschend liegen die Defizite insbesondere im gewerblichen Bereich, wie Christian Langwald, Leiter Wirtschaft und Statistik, von den Möbelverbänden in seiner Präsentation eindrucksvoll darstellen konnte.

Nahezu alle Unternehmen der Möbelindustrie bilden jedoch aus und beabsichtigen, noch mehr in Aus- und Weiterbildung zu investieren. An erster Stelle jedoch stehen arbeitgeberseitig Investments in die eigene Attraktivität. Bedenklich stimmt, dass einerseits die Zahl der Ausbildungsplätze künftig weiter steigen soll, andererseits die Nichtbesetzungsquote vorhandener Plätze aufgrund mangelhafter Eignung der Bewerber wächst. Als Kernzielgruppe für das Recruiting stehen Absolventen mit Hauptschulabschluss und Mittlerer Reife für die Firmen der Möbelindustrie im Fokus.

Markus Kamann (Zeus GmbH) berichtete nachfolgend über die geplante Lehrfabrik der Möbelindustrie in Löhne. Mit Standort ‚Sportplatz Brückenhaus‘ wird dort eine moderne, firmenübergreifende Ausbildungsstätte als Effizienzhaus 55 (BEG) errichtet werden. Das Projekt ist konzeptionell und inhaltlich abgeschlossen. Für September 2023 ist die feierliche Eröffnung vorgesehen.

Anschließend stellte Kamann die modernen Ansprachemöglichkeiten junger Auszubildender über das Projekt ‚Quick Job Stream‘ vor. Dahinter steht das digitale Kennenlernen von Unternehmen und Bewerbern durch einen Livestream. Dabei stellen sich drei bis vier Unternehmen gemeinsam potenziellen Auszubildenden vor. Die Schüler und Schülerinnen gewinnen unkompliziert, direkt und altersgerecht einen direkten Einblick in die werbenden Unternehmen. Ein großer Vorteil ist der relativ geringe Zeitaufwand, da die Unternehmen sich nur 10 Minuten vorstellen. Ein weiterer: die generationentypische Spontanität, die im Quick Job Stream zum Tragen kommt.

Auf großes Interesse der Teilnehmenden im Arbeitskreis stieß ein Tool zur digitalen Bewertung von Auszubildenden bei Hettich. Allein in Ostwestfalen bildet der inhabergeführte Konzern 160 junge Menschen in 14 Berufsbildern aus, wie Hettich-Ausbildungsleiter Dirk Bartz vortrug. In diesem Kontext kommen jährlich 1.000 Bewertungen sowie unzählige Feedbacks zustande, die schnell, objektiv und transparent ausgewertet und umgesetzt werden müssen. Für die im Unternehmen gelebte offene Feedback-Kultur ist das neue digitale Tool eine wertvolle Hilfestellung.

Bernd Steffestun zeigte nachfolgend die Möglichkeiten, die das Bildungswerk der ostwestfälisch-lippischen Wirtschaft (Bielefeld) bietet. Das BOW ist der branchenübergreifende Knowledge-Hub für exzellente berufliche Bildung und Personalarbeit in der Region OWL. Rund 400 Ausbilder/-innen arbeiten in Arbeitskreisen zum Thema Berufsausbildung mit, etwa 600 Personaler/-innen sind in den Arbeitskreisen zum Thema Personalentwicklung aktiv.

Der Umwelt- und Technik-Referent beim Dachverband HDH Dr. Gregor Pfeifer präsentierte abschließend das EU-Projekt ‚Allview‘ – die erste Plattform auf EU?Ebene für die duale Ausbildung im Bereich Holz und Möbel. Gestartet im November 2020, nehmen acht Länder mit 22 Partnern auf die Dauer von vier Jahren teil. Dr. Pfeifer berichtete explizit über die Aufgaben des HDH in diesem Kontext und warb intensiv um Unterstützung aus der unternehmerischen Praxis. Die Sitzung des Arbeitskreises Ausbildung wurde abgerundet von einer Begehung der gastgebenden Lehrfabrik Blechoptimierung in Steinhagen unter Führung von Markus Kamann.

Verbände der Holz- und Möbelindustrie

Das könnte Sie auch Interessieren

Bild: TeDo Verlag GmbH
Bild: TeDo Verlag GmbH
Maschine läuft auf Knopfdruck

Maschine läuft auf Knopfdruck

Maschinen mit hohem Automatisierungsgrad und möglichst großem Kundennutzen liegen in der Holzbearbeitung im Trend. Davon ist Denis Lorber, Leiter Forschung & Entwicklung von Holz-Her in Nürtingen, überzeugt. Ein Programmwechsel der Maschine sollte im Prinzip per Knopfdruck möglich sein. „Der Kunde möchte in der Regel die fertig eingestellte vorpositionierte Maschine. Früher war das ein Alleinstellungsmerkmal großer Industriemaschinen. Heute gilt das für alle Baureihen – runter skaliert bis hin zu Einstiegsmaschinen. Nicht zuletzt sorgt ausgeklügelte Antriebstechnik dafür, dass Holz-Her-Maschinen weltweit in der Topklasse der Holzbearbeitung spielen.