Holzpackmittel

Paletten tragen den deutschen Export

Der Welthandel verläuft aktuell an vielen Stellen turbulent. Seien es Engpässe bei Waren aus Fernost, die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine oder spürbare Inflation auf großen Märkten – die globalen Lieferketten sind an diversen Stellen unter Druck. Gerade in einer solchen Lage ist es gut zu wissen: Die physischen Grundlagen des Warentransports sind intakt, wie auch die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes zum deutschen Außenhandel zeigen. Die wenigsten aber wissen, welcher wichtige, oft unscheinbare Gegenstand aus Holz diesen Handel trägt.

Wir gehen einkaufen, fahren mit dem Bus oder shoppen in der Stadt – all dies ist für uns selbstverständlich. Aber damit Nahrung, Kleidung oder Elektronik zu den Kunden kommen, braucht es eine aufwändige Infrastruktur. Bevor zum Beispiel Nahrungsmittel ihren Weg in die Supermarktregale finden, haben sie häufig einen langen aber in der Summe nicht unbedingt klimaintensiven Weg hinter sich. Hierfür sind Paletten ein elementarer Baustein, ohne den unsere modernen Versorgungsstrukturen nicht funktionieren würden. Warum Paletten so wichtig sind und wie man diese Stützen der Globalisierung produziert, erklärt Marcus Kirschner, Geschäftsführer des Bundesverbandes Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) e.V..

Trotz aller wirtschaftlichen Krisenstimmung: Im ersten Halbjahr 2022 stiegen Deutschlands Güterexporte im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 13,4% auf rund 764Mrd.€, gleichzeitig erhöhten sich laut Angaben des Statistischen Bundesamtes die deutschen Einfuhren um 26,5% auf rund 730Mrd.€. Dazu trugen Paletten maßgeblich bei. Denn nach ihrer Herstellung und häufig zuvor schon als Zwischenprodukte reisen die Güter für Unternehmen oder Verbraucher auf dieser soliden Grundlage aus Holz. „Für die Planung der nachhaltigen und widerstandsfähigen Paletten muss vieles bedacht werden: Wie viel wiegt die Ladung? Wird sie per Lastwagen oder Zug transportiert? Ist es ein Schifftransport oder geht es in die Luft? All dies muss abgewogen werden, um über Ausführung, Holzart, Vernagelung, Trocknungsgrad und Kennzeichnungen der Paletten zu entscheiden“, erläutert Kirschner.

Die Produktion der Paletten, die bekannteste ist die Europalette und besteht aus elf Holzbrettern, neun Verbindungsklötzen und 78 Nägeln, findet auf hochautomatisierten Produktionsstraßen statt. „In der Regel bestehen die Fertigungsstraßen aus Sortier-, Holzbearbeitungs- und Nagelmaschinen sowie aus Transport- und Stapelvorrichtungen“, erklärt Kirschner. Nach abschließender Hitzebehandlung sind die Paletten bereit für den Warentransport in die ganze Welt. Ebenso werden spezielle Paletten zum Beispiel für die Chemieindustrie und viele weitere individuelle Palettentypen hierzulande hergestellt. Mit spezieller 3D-Konstruktions- und Statiksoftware wie dem branchenspezifischen Pallet-Express werden Paletten gemäß der spezifischen Lastfälle, Transport- und Lagerarten präzise dimensioniert, damit bei der Verwendung Waren sicher und unbeschadet ihren Zielort erreichen und Nutzer gefahrlos die Paletten umschlagen können. Zwar stehen diese individuellen Spezialpaletten weniger im Interesse der Öffentlichkeit, mit einem deutschen Produktionsvolumen von rund 70Mio. Stück entfällt auf sie aber ein Anteil von mehr als 60% der in Deutschland hergestellten Paletten.

„Im täglichen Leben sind Paletten und das dahinterstehende Know-how sowie die Fertigungstechnik meist unsichtbar“, erklärt der HPE-Geschäftsführer. Sind Produkte in den Läden dann aber einmal ausverkauft und es stehen nur noch die Paletten da, wird klar, dass eigentlich alle Waren des täglichen Bedarfs und der Grundversorgung auf ihnen unterwegs waren. „Das zeigt: Handel, sei es auf regionaler, nationaler oder globaler Ebene, bleibt Pfeiler unseres Wohlstandes“, betont Kirschner.

Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung e.V.

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