Von der Wolke in die Maschine

Fußpfetten aus Eiche: erhaltungspflichtig, krumm und schief – und per Laserscan genau gemessen.
Fußpfetten aus Eiche: erhaltungspflichtig, krumm und schief – und per Laserscan genau gemessen.Bild: ©Scan auf Maß

Im Neubau nutzen Holzbaubetriebe heute meist digitale Plandaten. Sie ermöglichen eine passgenaue Vorfertigung und verringern die Montagearbeiten auf der Baustelle. Anders im Bestand: Hier erledigen Holzbauer viele Arbeiten noch von Hand. Dabei lassen sich auch solche Projekte vollständig im Betrieb vorfertigen – vorausgesetzt, es liegt ein exaktes Punktwolken-Aufmaß vor.

Von den Daten bis zur Baustelle

Diese Methode bildet die Ausgangssituation millimetergenau ab. Zimmerer führen diese Daten in eine Planungssoftware wie Sema ein. Danach übertragen sie die Ergebnisse an das Abbundprogramm. Dort wiederum prüfen sie, ob sich die Planung für die Maschinen eignet: Kann das Fertigungszentrum die Fräsungen und Anschlüsse umsetzen? Stimmen alle Längen und Anschlüsse? Bei Fehlern passen Nutzer die Planung an – wobei die Software auch den Materialbedarf und die Bearbeitungszeiten berechnet. Ist der Zuschnitt freigegeben, bearbeitet die Anlage das Material mit den festgelegten Parametern. Auf der Baustelle dann passen Balken und Bohlen exakt.

Deckenkonstruktion im Nu

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt die Vorteile: In einem alten Geschossbau maß Christian Appelhans, Zimmermeister bei Scan auf Maß, einen schiefen und abgesenkten Fußboden. Die Balken wichen in der Höhe stark voneinander ab, der Bauherr wünschte sich eine gerade Decke. Daher sollte neues Holz den Boden ausgleichen. „Rund 40 Prozent der Zimmereien würden die Ausgleichsbalken auf der Baustelle zuschneiden und dafür ein bis zwei Tage ansetzen“, sagt Appelhans. Er stattdessen setzte auf ein digitales Aufmaß mit Punktwolke und auf das Sema-Holzbauprogramm. Damit sparte er Zeit, verringerte Fehler und konnte beim Abbund schon Bohrungen und Fräsungen anlegen. Auch die Materialplanung gelang ihm genauer: Benötigte Längen konnte er bereits vorab ermitteln und einkaufen.

Sanierung im Denkmalschutz

Auch bei Dachsanierungen in historischen Gebäuden kann der gekoppelte Aufmaß- und Planungsweg helfen. Appelhans erinnert sich an ein solches Projekt: „Die Fußpfetten eines denkmalgeschützten Gebäudes waren stark verzogen, krumm und schief.“ Zugleich waren sie aus Eiche und damit erhaltungspflichtig. Der Dachstuhl sollte also begradigt und energetisch verbessert werden. Zunächst bezweifelte der ausführende Betrieb, ob sich diese neuen Dachsparren vorfertigen ließen. Appelhans verwies auf die aufeinander abgestimmten Lösungen: „Damit können wir jedes Bauteil schon in der Planung millimetergenau anpassen – auch wenn 20 Zentimeter weiter vorne oder hinten alles anders aussieht.“ Den Beweis lieferten die vorgefertigten Sparren: an den Anschlussstellen krumm und schief, aber damit passgenau.