Neuer Schneid für Bärbel

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Im unterfränkischen Wartmannsroth ist Rhöner Abbund seit 2019 die Adresse für Lohnabbund. – Bild: TeDo Verlag GmbH

Bärbel war schon für den Zwei-Schicht-Betrieb vorgesehen, bevor die Halle überhaupt Fenster hatte. 2019 nahm die K2-Industry von Hundegger ihren Dienst im unterfränkischen Wartmannsroth auf – pünktlich zum Start von Rhöner Abbund. Seither bekommt sie zu jedem Geburtstag einen Kuchen gebacken. Zwar kann die Abbundanlage keine Kerzen auspusten. Aber für die beiden Mitarbeiter von Geschäftsführer Benjamin Burkert bedeutet das eine Süßigkeit im Pausenraum – und das sogar zweimal im Jahr. 2022 trat Bärbel nämlich einen Schritt zurück. Seitdem übernimmt eine SpeedCut 4 namens Bruno weniger komplexe Aufgaben. Wer besonders feste Materialien wie BauBuche schneiden will, kommt an Bärbel nach wie vor nicht vorbei. Bloß: Auch für die K2-Industry ist das gar nicht so einfach.

Abbund an die Grenze gebracht

Die Abbundanlage zieht das Material automatisch ein. Förderrollen greifen das schwere Furnierschichtholz und schieben es schrittweise in die Bearbeitungsstation. Dort bewegt sich ein Messerkopf mit Hartmetallschneiden. Mit hoher Drehzahl trifft er auf das verleimte Holz – doch statt sauber zu schneiden, muss er kämpfen. Die Schneiden beißen sich fest, brechen mühsam Späne aus dem dichten Material. In den Schichten wirkt der Leim wie Schleifpapier und setzt dem Werkzeug zusätzlich zu. Schnell sind die Schneiden nicht mehr scharf. Die Folgen: ungenauer Schnitt, ausgerissene Oberfläche, gestoppte Maschine.

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Gerade war der Betonboden ausgehärtet, da wurde auch schon die K2-Industry geliefert. – Bild: TeDo Verlag GmbH

Richtiger Fräser für dichte Hölzer

So sah es beim Unternehmen für Lohnabbund früher aus. Bei den häufig bearbeiteten Weichhölzern hatte sich ein Wendeplatten-Messerkopf bewährt. Gegen BauBuche hingegen kamen seine Hartmetallschneiden kaum an. Was also tun? Vor allem, wenn die passende Lösung leicht, leise und langlebig sein soll? Burkert wandte sich an den zuständigen Leitz-Außendienstler Stefan Eichelmann. Der kannte die Antwort: den WhisperCut-Messerkopf. Mit dessen diamantbestückten Schneiden hat der Werkzeughersteller ein Werkzeug eigens für den Abbund hochverdichteter Materialien entwickelt.

Am Anfang war die Anlage

Die Idee zur eigenen Abbundfirma kam Burkert, als er noch nur wenige Gehminuten entfernt arbeitete. Damals arbeitete er in einer benachbarten Zimmerei, die auch Lohnabbund anbot – und deren Aufträge stetig zunahmen. 2019 dann die Konsequenz: Burkert gliederte den Bereich aus und gründete Rhöner Abbund. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Zimmerei, der inzwischen verstorben ist. Standort und Konzept standen rasch fest. Auf dem früheren Rundholzplatz eines nahegelegenen Sägewerks ließen sie eine 1.000m² große Halle errichten – nur einen Steinwurf vom alten Arbeitsplatz entfernt. Kaum war der Betonboden ausgehärtet, wurde bereits Bärbel geliefert. Bis heute läuft das Geschäft gut: Vier bis sechs Wochen Vorlauf sind für seinen Betrieb üblich. Das setzt zuverlässige Werkzeuge voraus.

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Für den schnellen Zuschnitt im Holzrahmenbau ist die SpeedCut 480 zuständig. – Bild: TeDo Verlag GmbH

Materialfluss nach Maß

Wenn sich morgens die Tore zur Halle von Rhöner Abbund öffnen, ist das Holz meist schon da. Es stammt entweder vom Auftraggeber selbst oder von einem der Lieferanten von Burkert. In jedem Fall kommen die Pakete kommissioniert an und werden wahlweise von Bärbel oder Bruno weiterverarbeitet. Danach wird das Material abgepackt, etikettiert und zur Abholung bereitgestellt. Auch bei der Planung ist man flexibel: Das Team arbeitet entweder nach Kundenvorgabe oder übernimmt auf Wunsch auch die Konstruktion. Effizienz ist in Unterfranken maßgebend.

Mehr Leistung mit weniger Nacharbeit

Der WhisperCut-Messerkopf trägt dazu bei: mit längeren Standzeiten, präziseren Ergebnissen und kürzeren Rüstzeiten. Das Werkzeug ist zweimal nachschärfbar, und bei Bedarf lassen sich die Schneiden schnell vor Ort tauschen. Auch für Bärbel bringt das Vorteile. Denn das Werkzeug ist leicht und leise, und seine Tragkörperform verringert Vibrationen und lässt sich rasch reinigen. Stillstände sind passé, die Nachbearbeitung ist nicht mehr aufwändig. Ergebnis: höhere Fräsqualität, schnellerer Durchsatz und gesunkener Stromverbrauch.

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Der WhisperCut-Abbund-Messerkopf schneidet mit diamantbestückten Schneiden zuverlässig durch festes Material. – Bild: TeDo Verlag GmbH

Familientauglicher Werkzeugservice

Den Service rund ums Werkzeug regelt Leitz für Rhöner Abbund flexibel. Geschärft oder getauscht wird entweder wöchentlich oder nach Bedarf. Bei manchen Lösungen reicht eine Standzeit bis zu vier Wochen, bei anderen ist der Service schon nach zwei Wochen fällig. Diese Flexibilität bereichert auch das Familienleben, betont Burkert: „Wenn man ein Kind hat, will man auch mal zu Hause sein und nicht abends noch Messer tauschen.“ Trotz planbarer Intervalle und spontaner Einsätze gilt es, die Standzeiten bestmöglich auszunutzen. „Wenn der Service kommt, obwohl das Werkzeug noch läuft, ist das eigentlich verschenkt“, sagt Eichelmann. Deshalb steht man in ständigem Austausch. Leitz liefert die Drehzahlen und Vorschubwerte, der Kunde seine Erfahrungen. „Davon leben wir“, sagt Eichelmann, „das macht’s aus beim Außendienst.“ Eine eigene Schulung ist für ein neues Werkzeug meist gar nicht nötig. Das Wissen wächst im Gespräch.

Buche – Nische oder Zukunft?

Dennoch: Buche bleibt im Abbund ein Nischenprodukt – noch. „Es gibt vielleicht 70 Betriebe in Deutschland, die Lohnabbund anbieten“, schätzt Eichelmann. „Aber nur eine Handvoll arbeitet regelmäßig mit BauBuche.“ Der Grund: Das Material ist teuer, die Bearbeitung anspruchsvoll. „Man muss Lehrgeld zahlen“, weiß Leitz-Branchenmanager Markus Sturm, „das ist eben kein Weichholz und braucht deshalb besondere Werkzeuge.“ Auch Burkert kennt die Tücken, etwa bei der Wartung der Gebäude: „Man muss regelmäßig die Schrauben nachziehen, und das kostet Zeit.“ Trotzdem sind sich alle drei einig: Buche ist zukunftsfähig. „Sie ist außergewöhnlich ästhetisch und sehr tragfähig“, sagt Eichelmann, „eine Alternative zum Stahlträger.“ Noch herrscht hierzulande Fichte vor. Aber die ist nur begrenzt stabil, und das Rohmaterial wird knapp. „Fichte wird eng“, sagt Eichelmann, „Buche kommt noch.“

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Die diamantbestückten Schneiden sind bis zu zweimal nachschärfbar. – Bild: TeDo Verlag GmbH

Nachhaltig von Grund auf

Auch abseits des Maschinenparks setzt Rhöner Abbund auf durchdachte Abläufe. Fertigung, Vertrieb und Nachhaltigkeit greifen ineinander. So liefert Burkert deutschlandweit, teils verschlägt es seine Produkte auch bis nach Skandinavien. Potenzielle neue Kunden überzeugt er mit einem Muster. Er ist aber auch schon außergewöhnlichere Wege gegangen: Kurz nach der Gründung von Rhöner Abbund verschickte er Einladungen in furnierten Umschlägen. Setzten der Geschäftsführer und sein Partner anfangs noch auf Bestandskunden der Zimmerei, kamen mit mehr Kapazitäten auch mehr Neukunden dazu. Wenn das dreiköpfige Team heute an den Hundegger-Anlagen vor größeren Aufträgen steht, greift Burkert auf zwei Aushilfen zurück, die den zusätzlichen Durchsatz bewältigen. Bis auf den Abbund selbst erledigen sie das händisch. Automatisiert ist bei Rhöner Abbund nur dieser Fertigungsschritt. Allein der Abfall gelangt in zwei Hacker und wird dort zu Hackschnitzeln, mit denen man im Winter die Fußbodenheizung betreibt.

Tragfähig wie Beton, doppelt so schön

BauBuche ist bei alldem mehr als ein technischer Sonderfall – sie steht für den modernen Holzbau. Wegen ihrer Festigkeit erlaubt sie kleinere Querschnitte bei gleicher Traglast und damit schlanke, ressourcenschonende Konstruktionen. Vorausgesetzt, das Material ist trocken. Dann jedoch ist es tragfähig wie Beton. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Rhöner Abbund mit seiner Beteiligung am Projekt i8 in München: Auf dem Gelände des iCampus ist ein sechsgeschossiges Gebäude in Holz-Hybrid-Bauweise mit 21.000m² Mietfläche entstanden. Photovoltaik auf dem Dach, recyceltes Aluminium an der Fassade und eine LEED-Platin-Zertifizierung unterstreichen die Nachhaltigkeit. Für Burkert und sein Team eine Referenz. Und ein Beleg dafür, was im modernen Holzbau alles möglich ist.

 BauBuche ist ein Furnierschichtholz des Herstellers Pollmeier. 
Der konstruktive Werkstoff eignet sich vor allem für den 
konstruktiven Holzbau, setzt allerdings geeignetes Werkzeug voraus.
BauBuche ist ein Furnierschichtholz des Herstellers Pollmeier. Der konstruktive Werkstoff eignet sich vor allem für den konstruktiven Holzbau, setzt allerdings geeignetes Werkzeug voraus.Bild: TeDo Verlag GmbH

Bohrtechnik für den Holzbau von morgen

Beim diesjährigen Ligna-Auftritt stellte Leitz ein Werkzeug vor, das bei Rhöner Abbund künftig ebenfalls zum Einsatz kommen könnte – und damit ginge auch Bruno nicht leer aus: Der HS-XL-Spiralbohrer bohrt harte Hölzer tief und präzise. Auf den Holzbau zugeschnitten, bringt dieses Werkzeug die entsprechenden Eigenschaften mit. Es arbeitet ohne Zwischenhub, hält bis zu zehnmal länger als marktübliche Bohrer und reduziert die Kraft beim Vorschub spürbar. „Vor allem in der Verbindungstechnik ist die Positionsgenauigkeit entscheidend“, sagt Sturm. „Und hier punktet der HS-XL. Wir können mit einem Schuss den Zerspanrahmen transportieren.“ In anderen Betrieben ist der Spiralbohrer bereits erfolgreich im Einsatz. In Wartmannsroth laufen die Gespräche noch.

Von Bärbel mit Liebe

Bei Rhöner Abbund kommt es also nicht nur aufs Material an. Auch das Zusammenspiel ist wichtig. Das zeigt sich sowohl in der Halle als auch beim Versand. Denn jeder Lieferung legt Burkert Gummibärchen bei, versehen mit einem Aufkleber: „Bärbel sagt danke!“ Eine kleine Freude, die gut ankommt. Aber auch ein stiller Gruß an alle, die wissen, was Präzision braucht. Denn egal ob Fichte, Tanne oder Buche: Ohne das richtige Werkzeug bleibt jeder Abbund bloß Stückwerk. Lösungen wie WhisperCut verwandeln dichte Hölzer mit klaren Schnitten – und aus einem Bauteil wird ein Qualitätsversprechen.