Der Familienbetrieb und die Cobots

Hussl aus Terfens in Tirol hat sich darauf spezialisiert, stilvolles und funktionales Holzmobiliar herzustellen. Dass der seit 1976 bestehende Familienbetrieb damit einen Nerv trifft, beweist das breite Kundenportfolio. Ob Österreich oder Australien, Architekturzentrum oder Hotel: Die klare Formsprache und das hochwertige Naturmaterial made in Austria ist international gefragt. Zu verdanken ist das auch dem Vertriebskonzept, das mitunter auf Social Media setzt. Dabei legt Geschäftsführer Peter Husserl Wert darauf, mit jedem Möbelstück ein Unikat zu schaffen, das mehr ist als bloß ein bequemer Gebrauchsgegenstand: „Wenn wir ein Produkt gestalten, nehmen wir Rücksicht auf das Holz und verbinden traditionelles Handwerk mit modernen Methoden.“

 Schreiner Hansjoerg Moser hat dank Cobots mehr Zeit für sein Handwerk - und Spaß dabei, seine Kollegen zu programmieren.
Schreiner Hansjoerg Moser hat dank Cobots mehr Zeit für sein Handwerk – und Spaß dabei, seine Kollegen zu programmieren.Bild: Universal Robots Germany GmbH

Robotertechnologie erweitert Kapazitäten

Die hohe Nachfrage hat Folgen für die Produktion am Umlberg. So müssen Hussl und sein Team stets mit großen, kurzfristigen Aufträgen rechnen – und darauf vorbereitet sein, diese Aufträge effizient abarbeiten zu können. Schnell stand fest: Ein Roboter muss ran. Denn um auch weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben und dabei Qualität zu liefern, kam nur die Teilautomatisierung bestimmter Fertigungsprozesse infrage – vornehmlich monotoner, sich wiederholender und ergonomisch ungünstiger Tätigkeiten. Die Lösung fand Hussl bei Universal Robots und deren kollaborierenden Robotern, sogenannten Cobots, denn sie sind flexibel, intuitiv zu bedienen und erschwinglich. Das Besondere: Nach erfolgreichem Risikourteil dürfen sie direkt mit Menschen zusammenarbeiten. Abgesehen davon beanspruchen sie nur wenig Raum in engen Produktionsstätten wie Tischlereien.

 Die UR10e-Cobots bei Hussl versorgen Maschinen mit Werkstücken.
Die UR10e-Cobots bei Hussl versorgen Maschinen mit Werkstücken.Bild: Universal Robots (Germany) GmbH

Ein (fast) menschliches Fingerspitzengefühl

Seit 2020 unterstützen gleich zwei kollaborierende Roboter von Universal Robots Hussl bei Pick&Place-Anwendungen in der Serienfertigung. Die Roboter vom Modell UR10e bestücken Maschinen für die Bearbeitung von Stuhlbeinen, Platten, Querzargen und anderen Komponenten, darunter eine CNC-Maschinen sowie eine computergesteuerte Fräsmaschine. Der Applikation stand allerdings eine Herausforderung im Weg: Die Holzbearbeitung erfordert hohe taktile Genauigkeit. Das weiß auch Andreas Dorer, Systemintegrator bei Micado: „Im Handwerksbetrieb kommt es auf das Fingerspitzengefühl und das Augenmaß des Mitarbeiters an“, sagt er. Das fordere die Automatisierung heraus – aber stelle kein Problem dar, immerhin verfügen diese Cobots über einen integrierten Kraft-Momenten-Sensor. Mit ihm dosiert der Cobot den Kraftaufwand genau und greift auch empfindliche Materialien wie Holz behutsam.

 Der Cobot gleitet auf Schienen, die eigens im Linearantrieb konzipiert wurden.
Der Cobot gleitet auf Schienen, die eigens im Linearantrieb konzipiert wurden.Bild: Universal Robots Germany GmbH

Einsatz an CNC und Fräsmaschine

Hussl setzt die Roboter für unterschiedliche Aufgaben ein: Ein Roboterarm bestückt eine CNC-Maschine mit zu fräsenden Holzstücken. Der zweite UR10e versorgt eine computergesteuerte Fräsmaschine mit weiteren Werkstücken. Dafür gleitet er auf Schienen entlang der Decke, wofür man gemeinsam mit Micado eine Linearachse konstruiert hat. Zugute kommt dem Cobot hier seine Reichweite. Auch die Holzwerkstücke stammen aus Roboterhand, denn die einst händische, potenziell gefährliche Bedienung einer Kreissäge ist jetzt ebenfalls automatisiert. Jetzt ist es Schreinermeister Cobot, der Holzteile sekundenschnell passgenau zuschneidet.

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