„Es gibt keine Alternative zur Ligna“

 "Wir könnten uns nicht Weltleitmesse nennen, wenn wir nicht der Marktplatz für die Welt wären", sagt Stephanie Wagner.
„Wir könnten uns nicht Weltleitmesse nennen, wenn wir nicht der Marktplatz für die Welt wären“, sagt Stephanie Wagner.Bild: Deutsche Messe AG

Frau Wagner, jede Ligna setzt Akzente. Welche Themen stehen für das Jubiläumsjahr 2025 an?

Stephanie Wagner: Genau das: 50 Jahre Ligna. Das wird man sehen, das wird man hören, das zieht sich durch unser gesamtes Programm. Ansonsten ist klar: Die Branche erhofft sich von der Ligna einen Turnaround. Davon waren die letzten Monate geprägt. Letztes Jahr hat man gehofft, dass sich die Auftragslage ein bisschen schneller verbessert. Das ist bis jetzt nicht der Fall gewesen. Jetzt erwartet die Community diese Impulse von der Messe. In unserem kommunikativen Leitfaden rufen wir außerdem drei Fokusthemen aus, und an diesen Themen orientieren wir uns in den Akzenten: Connectivity, Sustainable Production und Engineered Wood.

Die neusten Homag-Geschäftszahlen sprechen diesen Turnaround direkt an.

Man muss es so sagen: Bei uns kommt die weltweite Community zusammen. Die Gespräche vor Ort setzen also die Zeichen für die nächsten Monate. Klar wird nicht jedes Geschäft auf der Ligna gemacht. Trotzdem sind diese Gespräche ausschlaggebend für die Stimmung und die Investitionen. Ist die Stimmung gut, kehrt die Zuversicht zurück, wird auch hoffentlich wieder mehr investiert.

Als ich die HOB-Ausgabe zur ersten Ligna durchgeblättert habe, war ich erstaunt, wer damals schon alles vertreten war und es heute noch ist – über 50 Jahre hinweg.

Unser Content-Team hat unsere Archive ebenfalls geplündert, das ist schon irre. Man macht sich das kaum bewusst, aber nach 50 Jahren mal genauer hinzusehen, zeigt, dass uns viele Aussteller seit 50 Jahren treu sind. Und nicht nur uns: Unheimlich viele Menschen halten sich auch lange in den Firmen und der Branche. Unserer Branche ist außergewöhnlich. Wir sind allerdings auch nicht der klassische Messeveranstalter, der nur Quadratmeter verkaufen will – wir wollen auch als Team den Markt mitentwickeln. Das zahlt sich aus.

Wir haben über Akzente gesprochen. Wie wirken sie sich auf die Hallenplanung aus?

Die drei Fokusthemen haben wir vor über einem Jahr ausgerufen. Sie sind nicht nur für uns eine kommunikative Klammer, sondern auch für die Aussteller, die sie aufgreifen und ihre Standgestaltung und ihre Inhalte an ihnen ausrichten. Wir bringen diese Themen auch über die Stage ein, also über unser Vortragsprogramm. Sie finden sich überall wieder.

Und werden gerne angenommen?

Ja. Obwohl: Während einer Messe ein Vortragsprogramm zu veranstalten, ist immer so eine Sache, weil die Aussteller ihre Besucher natürlich auf dem Stand treffen wollen. Allerdings geben wir ihnen mit dem Programm eine zusätzliche Bühne, möglichst für Best Practices.

Zumal die Hallen sehr weitläufig sind, man könnte also jemanden übersehen. Es ist also im Interesse der Aussteller, auch außerhalb der eigenen Quadratmeter auf sich aufmerksam zu machen.

Kaum jemand kommt unvorbereitet auf eine Messe, dafür fehlt schlicht die Zeit. Sich an einem Tag alles anzusehen, ist kaum zu schaffen. Selbst wer zwei, drei Tage anwesend ist, muss gut strukturiert sein. Klar sind manche Hersteller kaum zu übersehen. Andere dagegen sind den Besuchern vielleicht nicht ganz so präsent, und diese Aussteller profitieren von unserem Programm.

Für die Titelstory dieser Ausgabe habe ich eine Zimmerei besucht, die den Hersteller einer ihrer wichtigsten Maschinen auf einer Messe kennenlernte. Ohne die Messe wäre der Kontakt also nie zustande gekommen.

Das ist meine liebste Antwort auf die Frage, ob sich eine Messe lohnt bei all den Open-House-Veranstaltungen. Ob wir diese Events nicht als Konkurrenz sehen. Einen Überblick über den gesamten Wettbewerb oder das komplette Angebot bekommt man nur auf Messen. Nur sie bergen ein Neukundenpotenzial, das es anderswo nicht in der Vielfalt und Internationalität gibt.

Kommen wir zu Ligna.Connectivity. Damit rücken Sie die Digitalisierung in den Fokus. Welche Impulse setzen Sie mit der Ligna, um das Thema in der Branche voranzutreiben?

Die Impulse setzen nicht wir, sondern unsere Aussteller. Wir liefern den Rahmen, füllen müssen ihn die Hersteller. Mit Ligna.Connectivity entwickeln wir dabei unsere Digitalisierungs- und Automationsthemen weiter. Unter unterschiedlichen Namen haben sich diese Themen mindestens über die letzten drei Veranstaltungen gefunden. Denn die Vernetzung der Werkzeuge, der Maschinen und auch der Geschäftsmodelle schreitet immer weiter voran.

Wo wir von Automatisierung sprechen: Auch kleinere Betriebe sind maschinell bestens aufgestellt. Was die Lösungen angeht, gibt es keine klare Trennung zwischen Industrie und Handwerk mehr. Wie vereinen Sie das auf der Ligna – sowohl Industrie als auch Handwerk anzusprechen?

Die Ligna hat schon immer auch das Handwerk angesprochen, das ist eine unserer drei größten Besuchergruppen. Zwar wirken wir wie eine reine Industriemesse, das sind wir aber nicht. Sie sagen es selbst: Die Grenzen zwischen Industrie und Handwerk verschwimmen. Letztlich geht es nur noch um den Skalierungsgrad der Maschinen. Es gibt keinen Tischler mehr, keinen Schreiner, der nicht automatisiert. Zwar haben wir Schwerpunkte in den Hallen, die sich aufs Handwerk ausrichten. Eine deutliche Trennung gibt es jedoch nicht mehr – abgesehen vom Investitionsvolumen vielleicht. Ansonsten findet man Automatisierung überall auf der Ligna, die Maschinen laufen ja. Wenn wir über praxisnahe Anwendungen sprechen, sprechen wir auch darüber, dass die Exponate in Betrieb sind. Die sind laut, da fliegen Holzspäne, da werden Teile produziert.

Thema Investition: Die wirtschaftliche Lage beeinflusst sicher auch die Messeplanung.

Auch das können wir als Organisator kaum beeinflussen. Unser Angebot ist die Plattform, und die wollen wir so attraktiv wie möglich gestalten. Wir sind eine internationale Leitmesse, also wird sich jeder mit entsprechenden Absatzmärkten überlegen, bei uns auszustellen. Um sie zu überzeugen, muss die Qualität stimmen.

Sind Sie mit dem bisherigen Ausstellerzuspruch zufrieden?

Uneingeschränkt ja. Es sind schlechte wirtschaftliche Zeiten, das wissen unsere Aussteller genauso wie wir. Aber sie vertrauen uns, indem sie unser Angebot annehmen. Schließlich kaufen sie nicht nur Quadratmeter – sie fahren teilweise auch den Betrieb auf ein Minimum herunter, reisen an, übernachten. Das kostet Geld. Gerade haben wir die Ausstellerzahlen von 2023 überschritten. Wo wir stehen, ist ein großer Erfolg. Natürlich sind die Quadratmeter ein entscheidender Teil unserer Währung. Davon abgesehen spüren wir jedoch auch Vorfreude.

Wer eine Weltleitmesse sein will, lässt auch Hersteller aus anderen Ländern auf den Markt. Wie nehmen Sie das auf?

Wir könnten uns nicht Weltleitmesse nennen, wenn wir nicht der Marktplatz für die Welt wären. Zwar weiß jeder, dass der Wettbewerb aus anderen Teilen der Welt ein bisschen aggressiver ist, vor allem, was den Preis betrifft. Das ist aber der Markt, und eine Messe ist eine Plattform für alle. Wer sich anmeldet, stellt sich auch dem Wettbewerb – und das tun unsere Aussteller.

Wie schlüsselt sich der Zuspruch weltweit auf?

Unsere beiden Maßstäbe sind Fläche und Ausstellerzahl. Deutschland ist bei beidem ganz vorne. Das war schon immer so und das wird sich nicht ändern. Ebenso, dass Italien der zweitstärkste Markt in diesem Segment ist. Die klassischen Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen kommen eben aus Deutschland, Italien, Österreich und der Türkei. Und China steht an fünfter Stelle, nach Ausstellerzahlen an dritter Stelle, gleich hinter Deutschland und Italien. Dass der Druck aus Asien wächst, spürt aber nicht nur unsere Branche.

Wie vernetzt man solche Märkte, mit welchen Konzepten?

Wir sind Netzwerk par excellence. Sobald Sie das Gelände betreten, netzwerken Sie. Es ist eben nicht nur der Stand, sondern auch das Gespräch auf dem Messegang. Trotzdem sind die Stände prozentual das größte Netzwerk. Klar stellen wir auch hier einen Rahmen, z.B. mit Ligna.Recruiting, wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteinander sprechen können. Grundsätzlich ist aber alles, was wir anbieten, ein Netzwerk. Das spiegelt sich auch in unserem Claim wider: Linking People, Driving Innovation.

Was mich zur letzten Frage bringt: Was raten Sie allen, die noch nicht überzeugt sind, im Mai nach Hannover zu reisen?

Es gibt keine Alternative zur Ligna. Wer einen Überblick über den State of the Art haben will in der Holzbearbeitungsbranche, kommt an uns nicht vorbei. Gerade jetzt in schwierigen Zeiten. Warum geht man auf eine Messe? Man guckt sich nicht nur Mitbewerber an, man sieht sich auch um, wie man seinen Betrieb zukunftssicher machen kann. Was ist dafür wichtig, welche Trends gibt es? Das alles findet man an einem Ort. Mehr geht nicht.

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