Mehr Präzision auf weniger Raum

 Die Schreinerei Rath in Bischofswiesen.
Die Schreinerei Rath in Bischofswiesen.Bild: Schreinerei Rath

Bis spätnachts arbeitete Christian Rath gestern in seiner Schreinerei, Feierabend war erst um halb eins. Nicht aus Überlastung, sondern um für sein Team am nächsten Tag vorzuarbeiten. Heute morgen klingelt sein Handy alle paar Minuten. Am selbst gefertigten Esstisch beantwortet der Schreinermeister die Fragen seiner Mitarbeiter. Der Tisch, der Fußboden, die Küche – alles stammt aus seiner Werkstatt nebenan. Hier entstehen hochwertige Möbel aus Massivholz, gefertigt mit handwerklichem Können und moderner Technik.

Acht Mitarbeiter in acht Jahren

Acht Mitarbeiter, 300 Quadratmeter Fläche – in nur acht Jahren ist aus einer ehemaligen Garage ein beachtlicher Betrieb geworden. Hinter der Schreinerei ragt der Watzmann auf, Berchtesgaden ist nur wenige Kilometer entfernt. Die Schreinerei Rath wächst stetig: Bislang kam jedes Jahr ein neuer Mitarbeiter hinzu, die Fläche hat sich verdreifacht. Sechs Gesellen und einige Auszubildende arbeiten heute im Betrieb. Rath versteht sich als Massivholzschreiner aus Leidenschaft. Die Büroarbeit übernimmt seine Frau Melanie. Eigentlich Erzieherin, stieg sie ein, als die Aufträge nicht mehr zu bewältigen waren. „Wir kamen nicht mehr hinterher“, erinnert sie sich.

Automatisierung trifft Handwerk

Die bemerkenswerte Präzision und die schnellen Abläufe gehören in der Schreinerei zum Alltag. Möglich wird das durch Automatisierung. Für Rath ist sie selbstverständlicher Teil seiner Leidenschaft. Seinen heutigen Maschinenpartner lernte der Schreinermeister zufällig kennen: 2022 klingelte der Holz-Her-Vertriebler Maximilian Schnur an der Tür. Der gebürtige Salzburger betreut die Region und traf bei Rath auf offene Ohren – denn der suchte gerade nach einer kürzeren Plattensäge.

 Das CNC-Bearbeitungszentrum Epicon 7135 SpaceSaver.
Das CNC-Bearbeitungszentrum Epicon 7135 SpaceSaver.Bild: Schreinerei Rath

Warten aufs CNC-Zentrum

Die neue Säge überzeugte. Und als wenig später auch die bestehende 3-Achs-CNC an ihre Grenzen stieß, war der Kontakt zu Schnur längst gefestigt. Sein Vorschlag für eine neue Lösung befand sich da allerdings noch in der Entwicklung. Ob Rath noch ein wenig warten könne? Der Schreinermeister konnte. Denn das neue CNC-Bearbeitungszentrum, die Epicon 7135 SpaceSaver, versprach mit 6.600 Millimetern Länge und 3.150 Millimetern Breite genau die Maße, die seine Werkstatt benötigte.

Seriennummer eins von der Ligna

Die SpaceSaver in Raths Schreinerei trägt die Seriennummer eins – die erste Maschine dieses Typs überhaupt. Sie fügt sich nahezu millimetergenau in den vorgesehenen Platz links vom Eingang ein. Ganz ohne Anpassungen ging es jedoch nicht: Für den Aufbau musste eine Wand weichen. „Wir haben bis zuletzt gefiebert, ob alles passt“, erinnert sich Rath. Drei Tage nach der diesjährigen Ligna lieferte Holz-Her die vormontierte Maschine nach Bischofswiesen. Zwischen dem Abbau der alten CNC und der Inbetriebnahme der neuen lagen gerade einmal zwei Wochen.

Platzsparend durch Polster

Das auffälligste Merkmal der SpaceSaver ist ihr geringer Platzbedarf. Mit diesem Anspruch steht Rath nicht allein da, bestätigt Schnur: „Viele Betriebe kämpfen mit dem Aufstellmaß. Genau da setzt die SpaceSaver an.“ Möglich wird das durch die neuartige Bumper-Technologie. Anstelle von Trittmatten oder Sicherheitszäunen, verfügt die Maschine über stoßempfindliche Polster. Bei Berührungen stoppen sie den Vorschub automatisch. Das erhöht die Sicherheit und schafft gleichzeitig wertvollen Platz in der Werkstatt.

Der erste Auftrag ohne Schulung

Wie reibungslos Aufbau und Einstieg bei einer neuen CNC gelingen, weiß Rath, hängen stark vom Anwender ab. 14 Tage musste er ohne eine unentbehrliche Maschine auskommen – eine Herausforderung im laufenden Betrieb. Gemeinsam mit einem Gesellen nahm er vorab an einer Schulung bei Holz-Her in Nürtingen teil. Beide bedienen die Maschine heute im Alltag. Weil die Zeit drängte, wickelte das Team den ersten Auftrag allerdings noch vor der Schulung ab.

Konsolentisch mit Positionierhilfe

Dass dieser erste Auftrag mit der neuen Maschine erfolgreich verlief, liegt auch am 5-Achs-Kopf und dem intelligenten Konsolentisch. Rath entschied sich für die Vise-LED-Ausführung, die eine optische Positionierhilfe bietet. Das LED-Leuchtband zeigt die richtige Position der Sauger an. Bei asymmetrischen Saugern kann der Tisch zudem die korrekte Ausrichtung vorgeben. Wahlweise ist die SpaceSaver auch mit einem Standard-Konsolentisch erhältlich.

 Das Team um Christian Rath (l.) 
wächst seit acht Jahren beständig.
Das Team um Christian Rath (l.) wächst seit acht Jahren beständig.Bild: Schreinerei Rath

Massivholzmöbel für Hotels

Nahezu jedes Werkstück durchläuft das neue CNC-Zentrum, ehe es die Werkstatt verlässt. Gefertigt werden überwiegend Möbel für Hotels und Ferienwohnungen im alpinen Umland. „Die Gäste der Hotels haben es dort schöner als zu Hause“, sagt Rath lächelnd. Vierzig bis fünfzig Küchen entstehen ebenfalls jährlich in seiner Schreinerei. Dem kommt die Bearbeitungshöhe von 300 Millimetern zugute. Möglich sind Bearbeitungen bis 4.500 Millimeter in X- und 1.500 Millimeter in Y-Richtung, wobei Werkstücke dank der Auslegerbauweise bis 2.100 Millimeter aufgelegt werden können.

Ohne Nacharbeiten schnell zum ROI

Wann rechnet sich eine Investition dieser Größe? „Das fragt auch mein Steuerberater“, sagt Rath und lacht. Seine Antwort: Entscheidend ist der Vergleich mit der Fertigung ohne Maschine. Mit der neuen CNC entfallen Nacharbeiten, die Ergebnisse sind aufs Zehntel genau. Kosten und Nutzen gegeneinander aufwiegen hält er für schwierig – zu groß ist der Einfluss auf die gesamte Fertigung. Fest steht: Die Abläufe sind schneller geworden, die Werkstückgrößen haben sich vervierfacht, die Bearbeitungshöhe ist auf 300 Millimeter gestiegen. Darum: „Gerechnet hat sie sich ab der ersten Minute.“

Automatisiert zur Kundenzufriedenheit

Rath ist überzeugt: Das Schreinerhandwerk ist mehr als bloß ein Beruf. Jeder Auftrag bringe Neues mit, bequem dürfe man nicht werden. Automatisierung sieht er nicht als Gegensatz, sondern als Unterstützung: „Sie vereinfacht den Beruf.“ Ein Beispiel steht in seinem eigenen Esszimmer. Unter der Massivholzplatte seines Tischs läuft eine präzise eingefräste Nut für ein LED-Band. In kürzester Zeit war dieser Arbeitsschritt mit der SpaceSaver erledigt. Präzision, Vielfalt und Geschwindigkeit sind klare Mehrwerte. Auch für den Kunden ist das ein Kaufargument: „Er bekommt einfach mehr fürs Geld.“

Zukunft mit Kantenanleimen

Ob technische oder betriebliche Entwicklungen – man muss mit ihnen schritthalten. Räumlich stößt die Schreinerei Rath heute an ihre Grenzen, denn gleich hinter der Werkstatt beginnt der Wald. Umziehen ins Industriegebiet? Kommt nicht infrage. „Am besten wäre, alles bleibt, wie es ist“, sagt Rath. Die Aufträge reißen nicht ab, das Team ist ausgelastet. Bloß eine Änderung steht noch bevor: eine neue Kantenanleimmaschine. Schnur empfiehlt die Auriga 1308 XL. Die Maschine sei mehr oder weniger bestellt, nicken sich die beiden zu.

Vertrauen in Qualität

Jede Investition will wohlüberlegt sein. Ob Rath bei der neuen CNC oder bei der kommenden Kantenanleimmaschine gezögert habe? Er schüttelt den Kopf. „Eine Marke wie Holz-Her muss Qualität liefern, wenn sie das Vertrauen der Anwender nicht enttäuschen will“, sagt er. Ein Vergleich liegt nah: Auch Rath selbst steht mit seinem Namen für die Qualität seiner Möbel, von früh bis spät in der Werkstatt.