„Wir sind nicht nur Geschäftsführer, sondern Partner“

 Seit September ist die Koch-Geschäftsführung zu dritt: Frank Pickel, Christian Koch und Kevin David Brasel leiten die Geschicke des Unternehmens.
Seit September ist die Koch-Geschäftsführung zu dritt: Frank Pickel, Christian Koch und Kevin David Brasel leiten die Geschicke des Unternehmens.Bild: Hans Koch GmbH

Herr Brasel, wie sieht der Weg zum Geschäftsführer aus?

Kevin David Brasel: Wie ein vielfältiger Werdegang. Zuerst habe ich eine Ausbildung als Lagerlogistiker abgeschlossen, aber diese Arbeit war mir zu eintönig. Trotzdem habe ich erst einmal Berufserfahrung gesammelt und z.B. Lagersysteme umgestellt im Sinne von Industrie 4.0. Dabei hat mich das Käufmannische immer am meisten interessiert: Rational entscheiden zu müssen, aber auch emotional zu verhandeln, wie es bei Verkaufsgesprächen üblich ist. Das habe ich bei Koch weiter verfolgt, mit einer Ausbildung zum Groß- und Außenhändler. Und hier durfte ich schon früh Assistenzaufgaben von Herrn Koch übernehmen.

Was die ersten Schritte zum Geschäftsführer waren. Wie kommen diese Erfahrungen jetzt zusammen?

Brasel: Vor allem im Versand und in der Lagerlogistik kann ich mein Wissen einbringen. Dazu trägt natürlich die gute Ausbildung in unserem Unternehmen bei – und Herr Koch als Mentor zu haben, der mich etappenweise auf diese Stelle vorbereitet hat. Er hatte wahrscheinlich einen geheimen Plan.

Glückwunsch an der Stelle – auch an Herrn Pickel. Sie sind ebenfalls seit September Teil der Koch-Geschäftsführung.

Frank Pickel: Seit demselben Tag und derselben Stunde.

Allerdings sind Sie schon länger im Unternehmen.

Pickel: Genau, ich kam 1998 als Scheer-Angestellter dazu und 2008 mit der Übernahme zu Koch, also zehn Jahre später. Ich habe Elektroinstallateur gelernt, wollte aber nicht ewig auf dem Bau bleiben. Ich ging zum Bund, zur Nato und über die Technikerschule Osnabrück schließlich zu Scheer. Dort war ich zuständig für den Vertrieb in Nordrhein-Westfalen und den angrenzenden Bundesländern – und daraus wurde die ganze Welt. Mit der Übernahme 2008 kamen neue Aufgaben hinzu, z.B. kaufmännische Angelegenheiten.

Herr Koch, Sie haben gleich zwei Mitgeschäftsführer ernannt. Mit welchem Impuls?

Christian Koch: Mit dem Impuls, dass die Firma für die Zukunft sicherer aufgestellt ist und dass ich meine Mitarbeiter für ihre gute Arbeit honorieren möchte – mit mehr Verantwortung und mehr Aufgaben. Die Firma soll ja vernünftig weitergeführt werden, es geht also auch um eine Übernahme. Mit Herrn Brasel haben wir die junge Generation und mit Herrn Pickel das technisch Knowhow eines Experten, der noch 20 Jahre weiterarbeiten kann. Das sind die beiden Aspekte: Wettbewerbsfähig bleiben und unseren Angestellten ein sicheres Gefühl geben.

Wie sieht die Unternehmensstrategie zu dritt aus?

Koch: Bisher haben wir nur reagiert und nicht agiert. Wir sind ja als Handelsvertretung mit Vertrieb zum Hersteller geworden. Ab da mussten wir selbst produzieren, was wir vorher nur verkauft haben. Eine ganz andere Welt. Um das strategisch weiter aufzubauen, müssen wir alles integrieren und weiterführen – und in Zukunft mehr an den Markt treten und agieren. Schließlich bauen wir auch neue Maschinen und entwickeln weiter, was wir übernommen haben, sei es Software oder Maschinentypen.

Herr Brasel dürfte als Außenhändler erfahren, wie Ihre Kunden diese Entwicklungen wahrnehmen.

Brasel: Durchweg positiv, vor allem loben sie unseren Service. Denn wir sind immer sofort zur Stelle, teils minütlich. Bei uns gibt es keine Ticketsysteme, unsere Kunden können mit dem Geschäftsführer selbst sprechen. Zudem stehen unsere Maschinen teilweise 30, 40 Jahre oder noch länger in den Firmen. Was uns hier auszeichnet: Wir schreiben diese Maschinen nicht ab, sondern gewährleisten langfristigen Support, auch im Retrofit. Herr Pickel sorgt beispielsweise für Steuerungsumbauten.

Herr Pickel, ein typischer Retrofit-Fall bei Koch…

Pickel: …findet entweder in unserem Haus statt oder beim Kunden. Wir schlagen einen Steuerungsumbau vor, aber es gibt natürlich auch Maschinen, deren Antriebstechnik man gar nicht mehr bekommt. In dem Fall sorgen wir für Ersatz. Das ist manchmal schon mit einer Rechnerumstellung erledigt, bei älteren Steuerungen ist jedoch teils ein kompletter Umbau erforderlich. Die neue Antriebstechnik wird auch über die Länder subventioniert, z.B. durch Digitalisierungstöpfe. Kunden stellen dann den entsprechenden Antrag, und dieses Angebot nehmen sie gerne wahr.

Koch: Wenn wir neue Maschinen an Bestandskunden verkaufen, nehmen wir meist eine gebrauchte Scheer-Säge zurück. Wir bauen diese Maschine von Grund auf neu und behalten im Wesentlichen nur noch das Eisen. Daher können wir hochwertige Maschinen zu einem günstigen Kurs anbieten, um Neukunden zu gewinnen. Zwar ist das Design nicht das neuste, aber was Antriebs- und Steuerungstechnik angeht, sind wir immer auf dem aktuellsten Stand.

Brasel: Wer vor einer solchen Maschine steht, merkt wahrscheinlich nicht, dass sie gebraucht ist, so hoch ist unser Anspruch.

Das ist nachhaltiger – und günstiger für die Kunden.

Brasel: Ja, im Vergleich ist man schnell 50 Prozent günstiger als bei einer neuen Maschine und hat dieselben Funktionen, dieselbe Haltbarkeit, denselben Support. Das funktioniert oft im Tausch, wie Herr Koch schon sagte. Neue Maschinen kann jeder bauen, aber beim Retrofit bieten wir eine einzigartige Qualität auf dem Markt.

Auf einem Markt, der sich seit einer Weile schwertut. Die Branche hängt stark durch. Wie erleben Sie das?

Koch: Weil wir bisher nur reagieren und nicht agieren, sind wir zu 120 Prozent ausgelastet. Manche Kunden teilen uns allerdings mit, dass sie Probleme haben, während andere Betriebe wiederum sehr viel Arbeit haben. Wir sind gut aufgestellt, auch weil wir weltweit Kunden haben. Zuletzt ging eine Bestellung aus Bangkok ein, wo jemand plötzlich eine Plattensäge bestellt hat.

Herr Pickel und Herr Brasel, wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Pickel: Annähernd so wie heute, aber mehr Kunden kommen auf uns zu. Unser Service ist immer top. Deshalb bleiben uns auch bestehende Kunden weiterhin treu.

Brasel: Ich möchte Scheer im Sektor festigen und der jüngeren Generation näherbringen. Und natürlich unsere Marke positionieren, vor allem im Bereich Retrofit. Fast jede Schreinerei hat ein Scheer-Produkt, sei es eine Handoberfräse oder eine Plattensäge – und das soll auch so bleiben. Das können wir zu dritt umsetzen, weil wir uns in allen Belangen unterstützen. Nicht nur als Geschäftsführer, sondern als richtige Partner.

Eigentlich war die Hans Koch GmbH nie Fertiger. Stattdessen tat sie sich als selbstständige Handelsvertretung der Marke Scheer hervor — zumindest, bis Scheer 2008 zerschlagen wurde. „Wenn man als Handelsvertretung plötzlich keinen Lieferanten mehr hat, muss man sehen, wie man weiterkommt“, erinnert sich Christian Koch im Interview. In dritter Generation ist der Geschäftsführer und Enkel des Gründers seit 1990 dabei. Vor 16 Jahren übernahm sein Unternehmen zuerst den Scheer-Service und dann das restliche Geschäftsfeld: die stationären Holzbearbeitungsmaschinen, die Lagerbestände, die Patente und Rechte. Seit September ist die Geschäftsführung von Scheer Koch zu dritt, mit dem ehemaligen Kundendienstmonteur Frank Pickel und dem ausgebildeten Groß- und Außenhändler Kevin David Brasel.