
Herr Picker, Sie sind seit Mai 2025 Geschäftsführer von Altendorf. An welchen beruflichen Stationen haben Sie davor haltgemacht – und was hat Sie am Wechsel zu Altendorf gereizt?
Matthias Picker: Seit 120 Jahren steht der Name Altendorf für Präzision, Effizienz, Sicherheit und Qualität. Für das Handwerk sind wir eine echte Ikone. Es ist eine große Ehre, die Zukunft dieser etablierten Marke mitzugestalten. Gereizt hat mich vor allem die Kombination aus Tradition und Innovation mit einer Perspektive für die Zukunft. Denn wir stehen mitten in einer spannenden Transformation: Digitalisierung macht auch vor dem Handwerk nicht halt, die Internationalisierung nimmt zu. Unser Anspruch ist es, diesen Prozess zu unterstützen. Die Welt der Holzbearbeitung ist mir wohlbekannt: Ich durfte bei Homag, Weinmann und Bürkle Einblicke in den Maschinen- und Anlagenbau gewinnen. Während dieser Stationen habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Kunden und Märkte zu verstehen – und klassische Ingenieurskunst mit Innovation, digitalem Denken und neuen Geschäftsmodellen zu verknüpfen. Diese Erfahrung hilft mir, Altendorf strategisch auszurichten. Mein Fokus liegt auf Qualität, Innovation und Service, ohne unsere handwerklichen Wurzeln zu vernachlässigen.
Sie leiten ein Unternehmen mit über 300 Mitarbeitern. Da ist Führung gefragt. Wie beschreiben Sie Ihren Stil?
Kooperativ, klar in der Struktur und wertorientiert. Unsere Unternehmensphilosophie basiert auf Partnerschaft, Verantwortung, Mut, Integrität und Neugier. Daran orientiere ich mich. Ich höre zu, fordere und fördere Teamgeist, entscheide möglichst nachvollziehbar – immer mit Einbindung meines Teams. Entscheidend ist für mich, Verantwortung zu übernehmen, mutig neue Wege zu beschreiten und gleichzeitig die Menschen mitzunehmen.
Wie haben Sie die ersten Wochen und Monate als CEO erlebt?
Die erste Zeit war durchaus herausfordernd. Beeindruckt und motiviert hat mich dabei die Identifikation unserer Mitarbeiter mit der Marke. Man spürt den Stolz und das Wir-Gefühl, trotz Krise halten alle zusammen. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dieser Mannschaft die Zukunft zu gestalten, Akzente zu setzen und unsere Kunden zum Erfolg zu führen. Der letzte Punkt ist für mich der wichtigste Gradmesser: Am Ende entscheiden unsere Kunden, ob wir erfolgreich sind oder nicht. Mein Team hilft mir, diese Haltung zu leben und zu zeigen. Ich erlebe täglich den Willen zur Weiterentwicklung – technisch wie organisatorisch. Zusammenhalt und Veränderungsbereitschaft sind eine hervorragende Basis, um den Wandel umzusetzen.
Wo wir von Wandel sprechen: Was sind Ihre Ziele und Visionen?
Unsere Vision ist klar: Wir wollen prägend wirken und unseren Weg weitergehen – vom Pionier zum besten Freund des Handwerks. Wir wollen für unsere Kunden unersetzbar sein und sie ein Arbeitsleben lang begleiten. Konkret bauen wir unsere Sicherheitstechnologien wie Hand Guard aus und etablieren sie stärker am internationalen Markt. Wir erweitern und verbessern unser Serviceangebot – über die Reparatur hinaus hin zur Begleitung über den gesamten Lebenszyklus. Der VCMC-HZ spannt Werkstücke seitlich. Sein beidseitiger Anschlag senkt Rüstzeiten und steigert die Leistung. Vier Spannhöhen und die Wahl zwischen Druckluft oder Mechanik garantieren Anwendern maximale Flexibilität. ‣ weiterlesen
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Welche Rolle spielt Industrie 4.0 dabei?
Industrie 4.0 spielt bei alldem eine zentrale Rolle. Das bedeutet bei uns, dass mechanische Präzision auf digitale Intelligenz trifft. Dieser Ansatz prägt unsere Entwicklung, von der Sicherheitslösung über HMI bis hin zum Service. Zum Beispiel treiben wir die digitale Anbindung der Maschinen über unsere IIoT-Plattform Nexus voran. Sie soll zur digitalen Schaltzentrale des Betriebs werden. Mit ihr vernetzen wir unsere Maschinen, liefern Echtzeitdaten und helfen unseren Kunden, effizienter zu arbeiten.
Der Markt für Holzbearbeitungsmaschinen ist hart umkämpft, auch im Bereich Sicherheitstechnik. Wie positionieren Sie sich hier?
Durch Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit. Hand Guard steht genau dafür, und zwar branchenweit. Wir entwickeln das System weiter, denn es ist technisch nicht limitiert. Dazu zählen Verbesserungen an der KI, der Handerkennung sowie der Soft- und Hardware. Das System lernt und wird mit jeder Ausbaustufe besser. Aktuell haben wir eine einheitliche HMI-Steuerung für unsere Maschinen eingeführt, die die Benutzerfreundlichkeit steigert. Gerade im Handwerk fehlen die Fachkräfte, das Personal ist fachlich wenig geschult. Da ist es entscheidend, dass die Maschinen einfach und intuitiv zu bedienen sind. Das ist auch unser Wettbewerbsvorteil.
Welche Projekte stehen außer der Sicherheitstechnik an?
Wie erwähnt, rollen wir unsere IIoT-Plattform Nexus schrittweise aus, für alle relevanten Maschinentypen. Außerdem arbeiten wir an einem Facelift für unsere Baureihe WA 8/WA 80. Die neue Generation stellen wir demnächst vor. Unsere größeren Kantenmaschinen haben bereits eine präzisere und energieeffizientere Steuerung erhalten. Momentan entwickeln wir zudem ein Kundenportal, das wir zeitnah einführen wollen. Es soll unseren Kunden eine zentrale Serviceplattform bieten. All diese Projekte eint ein Ziel: unsere Maschinen sicherer, einfacher und effizienter zu machen. Dazu gehört auch, dass wir Feedback einholen und in Entwicklung und Service einfließen lassen.
Die Marktlage ist derzeit schwierig. Viele Betriebe investieren nur zögerlich. Wie gehen Sie damit um?
Der schwache Markt geht auch an uns nicht vorbei. Weltweit sind unsere Kunden zurückhaltend – weniger wegen mangelnder Aufträge, eher wegen mangelnder Zuversicht in die Zukunft. Ich hoffe, dass der Knoten bald platzt. Dennoch warten wir nicht bloß auf den nächsten Boom, sondern bereiten uns darauf vor: mit Innovationen, Service, digitaler Vernetzung und kundenfreundlichem Angebot. Wenn es wieder anzieht, sind wir bereit.
Wenn wir dann noch einmal sprechen – woran möchten Sie sich persönlich messen lassen?
Auch hier bringe ich die Kunden ins Spiel: Für mich ist entscheidend, dass sie merken, dass wir einen Mehrwert bieten. Kunden und Mitarbeiter sollen dasselbe sagen: Altendorf ist ein verlässlicher Begleiter, mit dem wir viel erreicht haben – und noch viel erreichen werden.















